Sommerzeit – Zeckenzeit

Richtig schützen, richtig handeln

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Spaziergänge, Wandertouren, Picknicks, Gartenarbeit – sommerliche Temperaturen locken ins Grüne. Den Outdoorfan erwarten dort allerdings nicht nur sattes Grün und blühende Pracht, sondern oft auch kleine blutrünstige Spinnentierchen: Zecken! Erfahren Sie hier, was bei einem Zeckenstich zu tun ist und wie Sie sich davor schützen können.

Vampire auf acht Beinen
Zecken sind zur Gattung der Milben gehörende Parasiten, sie ernähren sich vom Blut des auserwählten Wirts. Wer einen Hund oder eine freilaufende Katze besitzt, kann ein Lied davon singen – denn die Vierbeiner bringen von ihren Touren durchs Grüne gern diese ungebetenen Gäste mit. Aber auch Menschen sind für die achtbeinigen Blutsauger ein gefundenes Fressen.

Schutz vor Zeckenstichen im Grünen

Streifzüge durchs Unterholz, Sträucher und hohes Gras vermeiden, auf festen Wegen bleiben

  • Feste, knöchelhohe Schuhe tragen und Socken/Strümpfe
  • Arme und Beine bedecken (lange Hosen, langärmelige Blusen/Hemden/Shirts)
  • Schutzsprays (Mückenschutz) mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin auf Haut und Kleidung sprühen, nach 2 Stunden wiederholen

Im hungrigen Zustand sind Zecken nur wenige Millimeter groß und ähneln einem größeren dunklen Stecknadelkopf. Vollgesogen vergrößert sich ihr Körper auf bis zu mehr als das Zehnfache – bis zu drei Zentimeter können satte Weibchen erreichen! Die kleinen Krabbelviecher mögen eine hohe Luftfeuchtigkeit; sie lauern daher vor allem in Wäldern, hohen, schattigen Wiesen, an Waldrändern, Baumgruppen und Büschen, in der Nähe von Bächen, aber auch in heimischen Gärten. Einige Arten, die sogenannten „Lauerer“, warten darauf, dass passende Beute vorbeikommt, und krallen sich dann an ihr fest. Die „Jäger“ hingegen machen sich aktiv auf die Suche nach einem Wirt. Dabei hilft ihnen ein spezielles Organ am Ende der Beine, das über Sensoren für Kohlendioxid verfügt.

Das ideale Zecken-„Restaurant“: feucht und schön versteckt
Entsprechend ihrer Vorliebe für einen feuchten Lebensraum suchen Zecken sich auch gern feuchte Körperbereiche aus, um sich dort festzusaugen und mithilfe ihres Stechrüssels den Wirt zur Ader zu lassen. In Kniekehlen, Ellenbeugen, im Bauchnabel, hinter den Ohren, am Haaransatz, auf dem Kopf, im Nacken oder unter der Brust, in den Achseln oder Leisten siedeln sie sich daher liebend gern an, zumal sie sich dort nur schwer entdecken lassen und daher ungehindert ihren Blutdurst stillen können. Aber auch Füße und Waden gehören zu den bevorzugten Stichstellen, für die sich Zecken oft erst nach stundenlanger Suche entscheiden.

So entfernen Sie Zecken


Zecke mit der Zange entfernen

  • Das Tier so nah wie möglich an der Haut umfassen und vorsichtig und gleichmäßig gerade herausziehen
  • Keinesfalls die Zecke vorher mit Öl beträufeln oder beim Herausziehen drehen oder quetschen, um die Freigabe der Erreger nicht zu fördern!

Zecke mit der Zeckenkarte entfernen

  • Karte flach auf der Haut an die Zecke heranschieben, sodass das Tier in der dafür vorgesehenen Aussparung landet
  • Karte vorsichtig und ohne Unterbrechung weiterschieben, bis die Zecke entfernt ist

Stichstelle desinfizieren, mehrere Wochen lang beobachten und bei auftretenden Rötungen einen Arzt aufsuchen!


Wer sich gern im Grünen aufhält, sollte daher danach unbedingt sehr sorgfältig seinen ganzen Körper inspizieren – insbesondere an den genannten Lieblingsstellen für Zeckenmahlzeiten. So lässt sich oft vermeiden, dass die hungrigen Biester bereits einen geeigneten Platz gefunden und sich für die anstehende Mahlzeit mit ihren Krallen und Haftkissen angedockt und möglicherweise bereits festgesaugt haben.

Kleiner Stich – große Gefahren
Zecken können verschiedene Infektionskrankheiten übertragen. Dazu gehören die Borreliose und die (seltenere) Frühsommer-Meningoenzephalitis – kurz FSME.

Beides sind sehr ernst zu nehmende Erkrankungen, die mitunter schwere gesundheitliche Schäden anrichten können.

FSME
Das von Zecken übertragene FSME-Virus greift das Nervensystem an, die ersten Symptome ein bis zwei Wochen nach der Infektion ähneln denen einer Grippe: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Nerven- und Hirnhautentzündungen gehören zu den gefürchteten möglichen Komplikationen. FSME tritt bevorzugt im Frühjahr und Sommer auf, vereinzelt auch im Herbst – abhängig von der Aktivität der Zecken.

Vor der FSME schützt eine dreimalige Impfung – kompletter Impfschutz besteht erst nach der letzten Impfung! Wer also eine Reise in ein Gebiet plant, in dem das Virus häufig von Zecken übertragen wird, sollte unbedingt rund ein halbes Jahr vorher solch eine Impfung in Erwägung ziehen.

Auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts (www.rki.de) finden sich Informationen, welche Regionen zu den Risikogebieten zählen. In Deutschland sind dies vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Südhessen. Zu den gefährdeten Gebieten in Mitteleuro-pa zählen unter anderem Polen, Tschechien, Österreich, in Nordeuropa stechen Süd- und Mittelschweden, Teile Dänemarks (Bornholm) sowie die Südküsten von Norwegen und Finnland hervor. In Südosteuropa stehen Ungarn, Kroatien, Albanien und Slowenien im Fokus. Auch im europäischen Teil Russlands herrscht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Beruhigtes Reisen hinsichtlich FSME versprechen Urlaubsziele wie Spanien, Portugal, Frankreich (Ausnahme: Elsass), Italien (Ausnahme: Trentino) und Griechenland, Großbritannien sowie die Benelux-Länder.

Borreliose
Die Übertragung von Borrelien – den Erregern der Borreliose – ist im Vergleich zur FSME weit häufiger und auch nicht auf bestimmte Landstriche oder Länder beschränkt. Infizierte Zecken geben die Erreger erst rund 12 Stunden nach dem Festsaugen aus ihren Speicheldrüsen in die Wunde ab. Daher lohnt eine genaue Körperinspektion nach jedem Aufenthalt im Freien, um die Tiere noch rechtzeitig entfernen zu können (siehe Kasten).

Falls die Zecke bereits zugestochen hat, sollten Sie die Stelle unbedingt mehrere Wochen lang gut im Auge behalten. Zeigt sich dort eine flächige Rötung oder ein roter Ring, suchen Sie bitte unbedingt einen Arzt auf – auch wenn die Stelle keine Beschwerden wie Jucken oder Brennen hervorruft. Weitere, aber nicht immer auftretende Warnzeichen einer Borrelien-Infektion sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel- und Kopfschmerzen.

Innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen nach der Borrelien-Infektion lässt sich der Krankheitserreger gut mit Antibiotika behandeln – danach breiten sich die Borrelien im ganzen Körper weiter aus und können vielfältige, heftige und langanhaltende Folgen nach sich ziehen durch den Befall von Organen, Muskeln, Gelenken und Nervensystem. Die Therapie gestaltet sich in diesem Stadium meist langwieriger. Umso wichtiger ist es, Zeckenstiche nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Übrigens: Auch wenn die meisten Menschen von einem Zeckenbiss sprechen; rein wissenschaftlich betrachtet handelt es sich um einen Stich, den Zecken mit ihrem speziellen Stechrüssel ausführen.

durchblick gesundheit • Ausgabe 65 • Juli–September 2019 



Apr 7, 2019, 3:02:59 PM, Autor: Jutta Heinze