Rechtzeitig impfen

Gut geschützt durch die kommende Grippesaison

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Brauche ich wirklich eine Grippeimpfung? Jeder, den schon mal eine echte Grippe erwischt hat, wird diese Frage vermutlich mit „Ja“ beantworten und künftig immer wieder für einen rechtzeitigen Impfschutz sorgen. Denn eine Influenza – so der medizinische Fachbegriff – ist weit mehr als eine heftige Erkältung, deren Beschwerden sich üblicherweise recht gut mit Hausmitteln oder frei verkäuflichen Arzneimitteln aus der Apotheke lindern lassen. 


Bei der richtigen Grippe hingegen handelt es sich um eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die die Betroffenen mitunter mehrere Wochen ans Bett fesseln kann. Wichtige Schutzmöglichkeit: die jährliche Grippeimpfung, deren Zusammensetzung die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor jeder Grippesaison aktualisiert und an die aktuell erwarteten Viren anpasst.

„Schon nach dem Zähneputzen fühlte ich mich wie nach einem Marathonlauf“, erinnert sich Marion Q. an ihre Grippeerkrankung vor gut drei Jahren. „Rund zehn Tage lag ich stramm im Bett und war komplett auf die Versorgung durch meine Familie angewiesen. Allein hätte ich mir nicht mal was zu essen und zu trinken organisieren können, den Weg vom Bett bis zur Küche hätte ich einfach nicht geschafft.“ Die Krankengymnastin aus Hessen hatte in der Saison 2015/2016 ausnahmsweise die Impfung versäumt und sich offenbar bei einem Patienten angesteckt. Seither achtet sie sorgfältig darauf, sich rechtzeitig vor Beginn der Grippewelle im Herbst bei ihrem Hausarzt impfen zu lassen.

Gerangel um den Grippeimpfstoff
Die vergangene Grippesaison 2017/2018 hatte es in sich. Mit rund 112.000 bestätigten Patienten, von denen mehr als 650 an den Folgen der Grippe verstarben, verlief die Krankheitswelle besonders heftig. Einer der Gründe für den schweren Verlauf: Der entwickelte Dreifach-Impfstoff passte nur bedingt und schützte daher nicht zuverlässig. In den Genuss der etwas später verfügbaren besseren Vierfach-Impfung kamen jedoch oft nur Privatpatienten. Denn die gesetzlichen Krankenkassen übernahmen überwiegend nur die günstigere Dreier-Variante, mit deren Herstellern sie entsprechende Verträge abgeschlossen hatten. Ein weiteres Problem: die Impfmüdigkeit hierzulande! Von den erwünschten Impfquoten in den Risikogruppen sind wir noch weit entfernt. So kann sich die Grippe leicht ausbreiten.

Anstehende Grippesaison: Vierfach-Impfstoff für alle!
Die Forderungen nach einem Vierfach-Impfserum auch für Kassenpatienten wurden daraufhin immer lauter – mit Erfolg! Ab der kommenden Grippesaison erhalten gesetzlich Versicherte nun ebenfalls einen Vierfach-Grippeschutz. Der sieht laut WHO-Vorgaben im Vergleich zur vorherigen Saison etwas anders aus: Zwei Virusstämme bleiben drin, zwei wurden ausgetauscht. Somit enthält die aktuelle Vierer-Impfung Seren gegen jeweils zwei Infuenza-A- und -B-Varianten.

Sechs Fragen und Antworten rund um die Grippeimpfung

Sie haben noch Fragen zum Influenza-Impfschutz? Ein paar Antworten geben wir Ihnen schon mal hier – ansonsten hilft Ihnen auch Ihr Hausarzt weiter.

  1. Für wen ist eine Grippeimpfung besonders wichtig?

    Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung unter anderem speziell für über 60-Jährige, Schwangere, chronisch Kranke (z.B. Asthma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Pflegeheimbewohner sowie Personal in Medizin und Pflege. Aber auch wer viel mit anderen Menschen in Kontakt kommt (häufige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Erzieher/Lehrer, Behördenmitarbeiter mit Publikumsverkehr, Verkaufsmitarbeiter etc.), hat ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Auch Bewohnern von Gemeinschaftsunterkünften rät die STIKO zu einer Grippeimpfung.

  2. Wann ist der beste Impfzeitpunkt?

    Lassen Sie sich am besten vor Beginn der Erkrankungswelle einen entsprechenden Pikser verpassen – idealerweise im Oktober/November. Doch selbst eine Impfung zu Beginn oder im Verlauf der Grippesaison kann die Ansteckungsgefahr verringern.

  3. Wer darf nicht geimpft werden?

    Bei fieberhaften Erkrankungen (≥ 38,5 Grad) und Infektionen sollte die Impfung erst erfolgen, wenn Sie wieder gesund sind. Allergiker (speziell bei Hühnereiweiß-Allergie) sollten die geplante Impfung unbedingt vorher mit ihrem Arzt besprechen.

  4. Wie wirksam schützt die Impfung vor Grippe?

    Auf diese Frage gibt es keine einheitliche Antwort – leider. Denn wie effektiv die Impfung wirkt, hängt davon ab, wie gut sie die saisonalen Viren erfasst. Da die Impfstoffzusammensetzung immer schon im Frühjahr – und damit weit vor der anstehenden Krankheitssaison – festgelegt wird, gibt es eine mal mehr und mal weniger gute Quote. Die Schutzwirkung erreicht demnach nicht das Niveau von anderen etablierten Schutzimpfungen, sondern erreicht bei sehr guter Übereinstimmung kursierenden Viren mit der entsprechenden Impfung rund 80 Prozent, manchmal aber auch weniger.

  5. Wo erhalte ich weitere Informationen?

    Sehr informativ und gehaltvoll sind die Internetseiten vom Robert Koch-Institut (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beispielsweise über folgende Pfade:
    www.rki.de –> Infektionskrankheiten A–Z –> Influenza
    www.impfen-info.de/grippe

  6. Wie kann ich mich ohne Impfung vor einer Grippeansteckung schützen?

    Hier zählt die Hygiene. Halten Sie Ihre Hände beim (regelmäßigen!) Waschen mindestens 30 Sekunden unter den Wasserstrahl und reiben Sie sie dabei gründlich mit Seife ein. Vermeiden Sie den Kontakt zu bereits Erkrankten und Berührungen Ihrer Händen mit Nase/Mund/Augen.

durchblick gesundheit • Ausgabe 62 • Oktober–Dezember 2018

Oct 23, 2018, 3:46:40 PM, Autor: Jutta Heinze