Giftige Tiere

Wichtige Regeln zum Schutz im Urlaub

Auch wenn Unfälle mit Gifttieren bei Reisenden selten vorkommen, sollten gerade Familien sich vor der Abreise über mögliche Gefahren im Urlaubsland informieren. Das gilt insbesondere bei exotischen Reisezielen.

Schlangenbisse zählen in manchen Regionen mit zu den häufigsten Todesursachen.
SeppH/Pixabay

Denn für Kinder kann ein Skorpionstich oder Schlangenbiss ungleich gefährlicher sein als für Erwachsene. In der Fachzeitschrift „Kinder- und Jugendmedizin" gibt Dr. Judith Lindert ,Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Tropenpädiatrie & Internationale Kindergesundheit, Tipps, wie sich Klein und Groß vor unliebsamen Bekanntschaften mit Gifttieren an Land und im Meer schützen können und was im Notfall zu tun ist.

Weltweit gibt es mehr als tausend giftige Tierarten. Jedes Jahr sterben allein in Afrika südlich der Sahara 7.300 Menschen an Schlangenbissen, die Zahl der tödlich verlaufenden Skorpionstiche wird auf 3.000 jährlich geschätzt. Auch wenn die Gefahr für Pauschalreisende geringer ist als für Einheimische, sei dennoch Vorsicht geboten, schreibt Judith Lindert vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck.

Schlangen Fluchtweg bieten

Vor Schlangen schütze man sich am besten mit einer Taschenlampe, so Lindert. Denn die meisten sind nachtaktiv. Bei Licht ziehen sie sich zurück. Menschen werden nur angegriffen, wenn die Tiere sich bedroht fühlen. Deshalb empfiehlt die Autorin, sich den Tieren niemals zu nähern und ihnen immer einen Fluchtweg zu lassen. Da einige Schlangen auch in Häusern nach Beute suchen, sollte man nicht auf dem Boden schlafen und das Essen getrennt vom Schlafplatz aufbewahren.

Skorpione verbergen sich normalerweise in Felsspalten, hinter Baumrinden, in Hausritzen und im Sand. Aber auch Schuhe oder abgelegte Kleidungsstücke sind als Rückzugsgebiete beliebt. Vor dem Anziehen sollte man Schuhe und Kleidungsstücke stets ausschütteln. Vorsicht ist laut Lindert auch beim Abbau von Zelten oder beim Einrollen von Isomatten geboten, weil sich die Tiere darin versteckt haben könnten. Wo Skorpione verbreitet sind, sollte man niemals barfuß laufen und nachts Wege mit der Taschenlampe ausleuchten.

In Ländern wie Australien Quallenwarnung ernst nehmen

In Gebieten mit bekanntem Quallenrisiko sollten Badende „Stinger suits“ tragen. Die Schutzanzüge verhindern nach Einschätzung von Lindert Quallenverletzungen zu annähernd 100 Prozent. In manchen Ländern, beispielsweise Australien, gibt es zudem Stinger Net Areas. Die ausgewiesenen Strandabschnitte sind mit Netzen gegen Quallen gesichert. Sie bieten jedoch nur Schutz gegen die größeren Arten.

Im seichten Wasser kann der Tritt in einen Seeigel oder Seestern schmerzhaft sein. Auch die Petermännchen in der Nordsee können zustechen. In unbekannten Gewässern sollten deshalb Kinder und Erwachsene stets Badeschuhe tragen.

Im Notfall besonnen handeln

Wenn es dennoch zu einer Verletzung durch Gifttiere kommt, sollten Betroffene möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Bei Schlangenbissen gilt es, Ruhe zu bewahren und die betroffene Extremität ruhigzustellen. „Auf keinen Fall die Bissstelle ausschneiden oder aussaugen“, mahnt Lindert. Auch Abbinden sowie das aktive Kühlen oder Wärmen der Bissstelle seien sinnlos. Viel wichtiger sei es, zu wissen, welche Schlange zugebissen habe. Wer ein Handy zur Hand hat und das Tier gefahrlos fotografieren kann, hilft sich oder dem Betroffenen sowie dem behandelnden Arzt am besten. Von Hausmitteln, wie etwa dem Auftragen von Haushaltsessig nach einem Quallenkontakt, rät Lindert ebenfalls ab. „Essig deaktiviert die Nesselkapseln nur bei bestimmten Arten, wie der in Australien vorkommenden Würfelqualle.“ Bei anderen sei die Behandlung nutzlos oder könne die Verletzung noch verschlimmern.

May 29, 2019, 8:51:06 AM, Autor: Dr. med Thomas Kron