Arzneiproduktion am Beispiel MTX

"Die Marktverengung nimmt immer mehr zu"

Immer weniger Hersteller sichern die Medikamentenversorgung für immer mehr Patienten – mit entsprechend drastischen Folgen bei Lieferengpässen. Darauf hat der Verband „Pro Generika“ am Freitag in Berlin hingewiesen.

Diverse Medikamente - am Ende nur ein Wirkstofflieferant. Pro Generika warnt vor einer gefährlichen Entwicklung.
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Was das für die Versorgungssicherheit bedeutet, zeige das Beispiel Methotrexat (MTX). Das Arzneimittel, das untere anderem gegen Krebserkrankungen und Rheuma eingesetzt werde, werde fast vollständig – zu 97,2 Prozent – von nur drei Herstellern produziert. „Das Problem zeigt sich erst auf den zweiten Blick: Denn hinter drei Herstellern kann ein einziger Wirkstofflieferant stehen!“, so der Verband. Knapp die Hälfte aller Rabattverträge für MTX seien sogar mit nur einem Unternehmen geschlossen worden.

MTX sei kein Einzelfall, bei anderen Medikamenten sei es ganz ähnlich. „Die Marktverengung nimmt immer mehr zu – und die Folgen können dramatisch sein. Denn: Im Fall eines Lieferengpasses können andere Hersteller nicht einspringen. Unternehmen, die keinen Vertrag mit der Krankenkasse schließen konnten, nehmen den Wirkstoff – etwa bis zur Ausschreibung des nächsten Rabattvertrages – oder gleich ganz aus ihrem Portfolio. Kurzfristig können sie eine Versorgungslücke also nicht schließen.“

Das neue Gesetz zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit (GSAV), das voraussichtlich im Juli dieses Jahres in Kraft trete, löse das Problem der Oligopolisierung von Wirkstoffherstellern nicht. „Zwar wurden Vorgaben zum Abschluss von Rabattverträgen formuliert: So sind die Krankenkassen künftig gehalten, beim Abschluss ihrer Verträge ‚sowohl der Vielfalt der Anbieter als auch der Gewährleistung einer unterbrechungsfreien und bedarfsgerechten Lieferfähigkeit Rechnung zu tragen’. Eine gesetzliche Verpflichtung zum Vertragsabschluss mit mehreren Herstellern, die aus unterschiedlichen Quellen ihre Wirkstoffe beziehen, besteht aber nicht“, so der Verband.

Damit seien Rabattverträge, bei denen nur ein einziger Hersteller die Patienten der Kasse versorge, weiterhin möglich. „Und das, obwohl die letzten Jahre klar gezeigt haben: Reine Apelle, deren Inhalte gesetzlich nicht festgeschrieben sind, verändern die Mechanismen der Marktverengung nicht.“

May 24, 2019, 9:53:24 AM, Autor: js