Influenza und Keuchhusten

Impfung am besten während der Schwangerschaft

Grundsätzlich sollten alle Impfungen vor einer Schwangerschaft abgeschlossen sein. Für zwei gefährliche Krankheiten gibt es eine Ausnahme, und zwar für die Influenza und für den Keuchhusten.

Sowohl bei der Influenza als auch bei Keuchhusten wird das Baby gleich mitgeschützt, wenn die Impfung erst wenige Wochen vor der Geburt stattfindet.
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„Gegen beide Infektionen lassen sich Frauen am besten nicht vor, sondern erst während der Schwangerschaft impfen“, so kürzlich Dr. Michael Wojcinski, Vorsitzender der AG Impfen im Berufsverband der Frauenärzte, in Düsseldorf auf dem FOKO 2019, dem größten jährlichen frauenärztlichen Fortbildungskongress in Deutschland.

Die Begründungen: Die Influenza-Viren verändern sich von Jahr zu Jahr, so dass eine Impfung und eine Immunität aus früherer Zeit Mutter und Baby nicht ausreichend schützt. Und sowohl bei der Influenza als auch bei Keuchhusten, die beide immer noch weit verbreitet sind, wird das Baby gleich mitgeschützt, wenn die Impfung erst wenige Wochen vor der Geburt stattfindet. Dann bekommt das Baby die frischen Antikörper der Mutter gegen die Erreger noch direkt mit auf den Weg und ist während der ersten Lebenswochen vor einer risikoreichen Infektion geschützt.

Weil die Pertussis-Impfung während der Schwangerschaft so effektiv ist, wird diese Empfehlung wahrscheinlich sogar demnächst von der STIKO, der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, ausgesprochen werden.

„Das Gefährliche am Keuchhusten ist gar nicht der Erreger selbst“, so Wojcinski, „sondern die schweren, erschöpfenden Hustenanfälle. Beim Säugling münden diese Hustenattacken häufig in Atemstillstände. Und da ein Keuchhusten über Wochen anhalten kann, können diese gehäuften Atemstillstände für das Baby eine echte Gefahr darstellen.“

Was die Influenza-Infektion angeht, so bestehe vor allem für die Mutter ein erhöhtes Risiko. Denn die Schwangerschaft setzt die Immunreaktionen des Körpers herab, damit der Embryo nicht als Fremdeiweiß erkannt und wie ein unpassendes Transplantat abgestoßen wird. Viren können sich dadurch aber leichter ausbreiten. In der Folge sind schwere Lungenentzündungen, die nur noch durch intensivmedizinische Maßnahmen beherrscht werden können, bei Schwangeren wesentlich häufiger als bei gleichalten, nicht schwangeren Frauen.

„Wenn eine Familie alles richtig machen will“, so Wojcinski, „dann sind alle Bezugspersonen rund um das neugeborene Baby geimpft, also Eltern, Großeltern, Geschwister und alle, die in die Betreuung eingebunden sind. Mit einem solchen ‚Nestschutz‘ kommt das Baby sicher über seine ersten Lebenswochen.“ Das gilt nicht nur für Influenza und Pertussis, sondern vor allem dann, wenn Geschwisterkinder vorhanden sind, auch für Masern, für Windpocken, Rotaviren, die gefährliche Durchfälle verursachen, und viele andere Infektionskrankheiten.

„Die Impfung der Kinder erfolgt normalerweise durch die Kinderärzte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen. Frauen werden im Rahmen der Beratung rund um die Verhütung von ihren Frauenärztinnen und -ärzten auf wichtige Nachimpfungen aufmerksam gemacht. Für die Nachimpfungen der anderen Erwachsenen gibt es dagegen keine automatischen Abläufe. Hier ist jeder selbst dafür verantwortlich, dass der Impfpass vorliegt und der Impfschutz immer wieder überprüft und aufgefrischt wird.“ Das gelte vor allem für Frauen in der Familienplanung: „Ist die Schwangerschaft erst einmal eingetreten, dann ist es für Impfungen mit Lebendimpfstoffen, also Masern, Röteln, Mumps und Windpocken zu spät. Nur Impfungen mit Totimpfstoffen, also gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, gegen Hepatitis B und natürlich gegen Influenza und Pertussis dürfen in der Schwangerschaft noch durchgeführt werden.“

Die meisten Nachimpfungen seien gesetzliche Leistungen, wie Wojcinski in einer Mitteilung des Berufsverbandes betonte. Deshalb seien sie auch nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Jan 3, 2019, 10:24:19 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron