pAVK

Armtraining eine mögliche Alternative zur Beinergometrie

Etwa 20 Prozent der über 60-jährigen Deutschen leiden unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Empfohlen wird in der Regel ein gezieltes Beintraining, um die Durchblutung zu verbessern. Laut einer aktuellen Studienauswertung profitieren die Betroffenen auch von einem Training am Arm-Ergometer.

Das Training auf dem Laufband gilt bislang als Goldstandard bei der pAVK.
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Als Goldstandard gelten bei pAVK Trainingseinheiten auf dem Laufband oder dem Fahrradergometer. „Gerade diese Beinarbeit kann jedoch sehr schmerzhaft sein und wird von pAVK-Patienten oft abgelehnt“, so Erik Willems und Raphael Weidmann von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) in Winterthur. Auf der Suche nach geeigneten Alternativen haben sie Studien gesichtet, in denen die Wirkung eines Armtrainings auf eine pAVK der Beine untersucht wurde. Insgesamt vier Forschungsarbeiten werteten sie aus. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt veröffentlicht.

In drei der vier Studien trainierten die Patienten laut Willems und Weidmann zweimal wöchentlich für 40 Minuten am Armergometer mit 60–70 Prozent der Maximalleistung. Auf eine zweiminütige Trainingsphase mit 50 Umdrehungen pro Minute folgte eine zweiminütige Pause. Daraus ergab sich ein Intervalltraining von insgesamt 20 Minuten Aktivität und 20 Minuten Pause. Die maximale Leistung wurde während der Intervention immer wieder neu ermittelt und Trainingsintensität dann angepasst.

In einer vierten Studie trainierten die Patienten dreimal wöchentlich für je 60 Minuten. Sie starteten mit einer Intensität von zehn Watt unter der Maximalleistung und trainierten ebenfalls in Intervallen. Nach zwei Minuten Training mit 50 Umdrehungen pro Minute folgte eine zweiminütige Pause. Jeweils nach 1–2 Wochen wurde die Trainingszeit verlängert, und die Pausen wurden verkürzt auf final fünf Minuten Training und eine Minute Pause. Zusätzlich erhöhten die Forscher nach den ersten 2–4 Wochen die Trainingsleistung um 10 Watt.

Alle Untersuchungen zeigten, dass sich ein mehrwöchiges Armtraining positiv auf die pAVK-Symptome auswirkte. Die Patienten blieben beim Gehen länger schmerzfrei, und auch die maximale Gehstrecke, die sie am Stück zurücklegen konnten, verlängerte sich. So habe sich die schmerzfreie Gehstrecke im Vergleich zum Anfangswert um 33 bis 83 Prozent gesteigert, die maximale Gehstrecke um 29 und 53 Prozent. Außerdem verbesserte sich die Sauerstoffversorgung der Wadenmuskulatur. Die Probanden schätzten zudem ihre Lebensqualität nach dem Training positiver ein. „Diese Effekte waren genauso deutlich, zum Teil sogar deutlicher ausgeprägt, wie beim herkömmlichen Training mit Laufband und Fahrradergometer“, fassen Willems und Weidmann zusammen.

Vermutlich trage Ausdauertraining generell dazu bei, dass sich Kollateralgefäße um blockierte Arterien herum entwickelten – und zwar unabhängig vom Ort der Muskelbeanspruchung. „Auch wenn dieser Mechanismus aktuell nicht abschließend geklärt ist, ist das Arm-Ergometer-Training in jedem Fall eine sinnvolle Alternative zur herkömmlichen Trainingspraxis“, so die beiden Autoren. Das gelte insbesondere auch für Patienten mit fortgeschrittener pAVK, denen aufgrund schwerwiegender Durchblutungsstörungen von einem Beintraining abgeraten wird.

Jan 31, 2019, 10:21:27 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron