Deutsches Krebsforschungszentrum

E-Zigaretten kein harmloses Lifestyle-Produkt

E-Zigaretten gelten als weniger schädliche Alternative zum Rauchen, und verschiedene Studien deuten darauf hin, dass sie möglicherweise den Ausstieg unterstützen könnten. Wissenschaftler bewerten die elektronischen Geräte wesentlich kritischer.

Kurzfristig könne E-Zigarettenkonsum die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu einer milden entzündlichen Reaktion in den Atemwegen führen, insbesondere bei Asthmatikern, warnen Wissenschaftler.
© tibanna79/Fotolia.com

In E-Zigaretten wird eine aromatisierte, meist auch nikotinhaltige Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, erhitzt und vernebelt. Dabei entsteht ein gasförmiges Gemisch aus festen und flüssigen Schwebeteilchen, das Fachleute als Aerosol bezeichnen. Die Konsumenten inhalieren es anstelle des Tabakrauchs.

Mangel an Daten zu Langzeit-Risiken

„Welches Gefährdungspotenzial vom E-Zigarettenkonsum ausgeht, ist noch unbekannt“, erklären Privatdozentin Dr. Ute Mons und und ihre Kollegin Dr. Katrin Schaller in einer Übersichtsarbeit. Zu wenig seien bislang die akuten und chronischen Gesundheitsgefahren des Konsums untersucht.

Zudem erschwerten die Unterschiede zwischen den einzelnen E-Zigaretten-Typen, deren Heizleistung, der Art der Nutzung sowie die mehrere tausend verschiedenen Liquids, die es auf dem Markt gibt, die Einschätzung des Gefahrenpotentials. Auch fehle es bislang an standardisierten Testverfahren. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, hat zusammen mit ihrer Kollegin Schaller bislang veröffentlichte Studien zum Thema ausgewertet.

Lungenfunktion kurzfristig beeinträchtigt

In der Regel liegen ihren Angaben zufolge die Schadstoffe im Aerosol in deutlich geringeren Mengen vor als im Tabakrauch. In einigen Studien gebe es Hinweise darauf, dass sich bei Menschen, die für die E-Zigarette vollständig aufs Rauchen verzichteten, Fitness und Lungenfunktion verbesserten, sowie Husten und Kurzatmigkeit abnähmen – bei einigen dieser Studien bestehe jedoch ein Interessenkonflikt der Autoren.

Außerdem geben die Wissenschaftlerinnen zu bedenken, dass noch Daten zu langfristigen Gesundheitseffekten durch das Verdampfen von Liquids fehlten. Harmlos sei auch der Konsum von E-Zigaretten nicht. Kurzfristig könne E-Zigarettenkonsum die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu einer milden entzündlichen Reaktion in den Atemwegen führen, insbesondere bei Asthmatikern.

Möglicherweise karzinogene Inhaltsstoffe

„Einzelne Substanzen können im Aerosol unter bestimmten Betriebsbedingungen sogar höhere Konzentrationen als in Tabakrauch erreichen“, erklären Mons und Schaller. Vor allem bei Überhitzung könne das Aerosol ähnliche Mengen an krebserregendem Formaldehyd enthalten wie Tabakrauch. Es habe bereits Fälle gegeben, bei denen es im Zusammenhang mit E-Zigaretten zu akuten Gesundheitsproblemen kam. Bei einem Patienten wurde nach dem E-Zigarettenkonsum eine eosinophile Pneumonie diagnostiziert. In anderen Fällen gefährdete der Konsum von E-Zigaretten die Blutversorgung von Hauttransplantaten. Denn ebenso wie das Nikotin aus Zigaretten verringert auch das aus E-Zigaretten aufgenommene Nikotin die periphere Durchblutung.

Auch laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist der Schadstoffausstoß der Produkte zwar niedriger (angegeben wird bis zu ca. 90 Prozent) als bei herkömmlichen Zigaretten. Aber als Schadstoffe konnten im Körper von Probanden weiterhin ein erhöhter Anteil von Kohlenmonoxid sowie das Erbgut verändernde und krebserzeugende Biomarker wie Acrolein, 1,3-Butandien, Nitrosamine und Benzol nachgewiesen werden. Teilweise traten diese in höherer Konzentration auf, als es dem im Vergleich zu konventionellen Zigaretten niedrigeren Gehalt im Dampf entsprach.

Besser E-Zigaretten als herkömmliche Glimmstengel?

Einen Vorteil für die Gesundheit auf Bevölkerungsebene sehen Mons und Schaller nur dann, wenn eine große Zahl der Raucher möglichst komplett auf E-Zigaretten umsteigt und somit die Schadstoffbelastung für sich selbst und die Umgebung reduziert. Gleichzeitig sollten möglichst wenige Neukonsumenten hinzukommen – denn im Vergleich zum Nichtrauchen bedeute auch der Konsum von E-Zigaretten eine deutliche Mehrbelastung mit Schadstoffen.

Außerdem legen Studien nahe, dass Jugendliche, die E-Zigaretten konsumieren, später eher mit dem Rauchen beginnen. „Auch wenn sich bislang kein kausaler Zusammenhang nachweisen lässt, sollte ein solcher Einstieg möglichst verhindert werden“, so Schaller und Mons. Denn ein harmloses Lifestyle-Produkt sei die E-Zigarette definitiv nicht.

Auf die Gefahren der E-Zigaretten und Tabakvaporizer für die Gesundheit haben auch Pneumologen und kürzlich Kinderärzte hin gewiesen. Der Konsum von E-Zigaretten und neueren Tabakverdampfer könne der Einstieg in den Konsum konventioneller Tabakprodukte sein, warnt unter anderen auch die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin. Ein Risiko für Krebserkrankungen und chronischen Lungenschäden sei nicht sicher genug auszuschließen, da Langzeit-Studien fehlten.

Außer der entsprechenden Aufklärung der Zielgruppen müssten die zuständigen Aufsichtsbehörden durch Kontrollen sicherstellen, dass die vom Gesetzgeber geforderte jugendschützende Altersgrenze von 18 Jahren für die Abgabe von Tabakprodukten bzw. deren Gebrauch in der Öffentlichkeit auch eingehalten wird.

30.01.2019 10:22:53, Autor: Dr. med. Thomas Kron