Reiseplanung

Als Allergiker unterwegs

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Spätestens wenn der Weihnachtsschmuck wieder verstaut und der letzte Silvesterböller abgefeuert ist, beginnt für viele gleich die nächste Planungsphase. Nach all den Feiertagen geht es dann an die Ferienorganisation. Ob schicker Cluburlaub, eine sportliche Fahrradtour, eine Bildungsreise oder vielleicht doch lieber ein Ferienhaus am Meer – alle Jahre wieder stehen Millionen Urlaubswillige vor der Qual der Wahl, wo sie sich eine kleine Auszeit gönnen möchten.


Das, was allerdings schon Otto Normalverbraucher mitunter Kopfzerbrechen bereitet und stundenlang durchs Internet surfen oder in Katalogen blättern lässt, stellt Allergiker zusätzlich vor weitere beziehungsweise ganz andere Probleme. Vor allem dann, wenn sie unter allergischem Asthma leiden und sich ihre Beschwerden nicht nur auf ein paar Niesattacken und tränende Augen beschränken. Auch Menschen mit Nahrungsmittelallergien sollten bei der Urlaubswahl genau hinschauen.

Wer unter heftigen Allergiesymptomen leidet, sollte seinen Ferienwunsch sicherheitshalber einmal kurz mit dem behandelnden Arzt besprechen und sich ausreichend mit den benötigten Medikamenten (ggf. inklusive Notfallset) eindecken. In manchen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein oder zumindest beruhigen, die medizinische Versorgungssituation am Urlaubsort vor der Buchung abzuklären.

Polleninformationen finden Sie hier:

Über einen Kamm scheren lassen sich Allergiepatienten beileibe nicht, von daher gibt es keine Einheitslösung für den allergikertauglichen Urlaub schlechthin. Wohl aber eine individuelle optimale Planung! Denn die Art der Allergie (z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare) und der persönliche Gesundheits- und Fitnesszustand bestimmen mit, wo und wie sich die beste Ferienerholung finden lässt.

Eine Frage der Lage und der Zeit
Das A und O dabei: Lassen Sie Ihre persönlichen Allergieauslöser am besten weit hinter sich!

Pollenallergie
Im späten Frühjahr und Sommer herrscht nicht nur in den Urlaubsgebieten, sondern auch bei vielen Pollen Hochsaison. Allerdings stimmen deren Flugzeiten im Ausland oder anderen Regionen Deutschlands nicht immer mit Ihrem heimischen Pollenflugkalender überein. Mal fliegen sie früher, mal später – manchmal auch kürzer, länger oder womöglich gar nicht. Fragen Sie daher idealerweise vor der Buchung beim Fremdenverkehrsamt oder der Tourismuszentrale am Urlaubsort nach, denn viele Feriengebiete besitzen spezielle „Pollenfallen“ und verfügen damit über ortsgenaue Messergebnisse. Oder Sie informieren sich im Internet.

Generell wenig Pollen-Flugverkehr herrscht an der Nordseeküste. Der dort übliche Nordwestwind pustet die Pollen landeinwärts und sorgt so für Beschwerdefreiheit. Ebenfalls ziemlich sicher vor Ihren Feinden aus der Luft sind Sie bei Boots- und Schiffsreisen auf hoher See oder beim Inselurlaub. Das gilt auch für das Hochgebirge. Ab 1.500 Höhenmetern enthält die Luft nur noch recht wenig Pollen, ab 2.000 Metern ist sie nahezu pollenfrei.

Vorsicht – Kreuzallergien!
Viele Pollenallergiker reagieren auch nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel mit Allergiesymptomen. „Kreuzallergie“ nennen Experten dieses Phänomen, bei dem sich Eiweißbausteine von manchen Pollen und Lebensmitteln so sehr ähneln, dass der Körper keinen Unterschied erkennen kann. Die Folge: Der Genuss mancher „verwandten“ Leckerei führt ebenfalls zu allergischen Beschwerden. Meist beschränken sie sich auf Mund und Rachen (Kribbeln/Taubheitsgefühl), gelegentlich kann es aber auch zu Durchfall oder heuschnupfenähnlichen Symptomen bis hin zum Asthmaanfall kommen. Ideal sind daher Reisen, auf denen Sie wahlweise selbst kochen oder aber entsprechend geschulte Köche bereitstehen (z. B. gute Hotels und Restaurants, Kreuzfahrtreisen).

Hausstaubmilbenallergie
Bei Hausstaubmilbenallergikern spielt das Urlaubsziel ebenfalls eine Rolle. Hier heißt es im Idealfall: „Hoch hinaus“. Denn ab 1.800 Höhenmetern fehlt den Mini-Spinnentierchen die Existenzgrundlage, bereits ab 1.500 Metern beginnen sie ordentlich zu schwächeln. Oder aber Sie schauen nach allergikergerechten Unterkünften, in denen die Einrichtung entsprechend milbenunfreundlich gestaltet wurde – beispielsweise ohne Teppiche, Stoffvorhänge und Stoff-Polstermöbel, dafür aber mit milbendichten Matratzen- und Bettbezügen.

Tipp

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e. V. hat einen kostenlosen Sprachführer herausgegeben (DAAB-Sprachführer: Mit Allergien auf Reisen), in dem sich die 70 häufigsten allergieauslösenden Lebensmittel und auch einige wichtige Formulierungen finden – übersetzt in 11 Sprachen. Eine tolle Hilfe bei Restaurantbesuchen und Einkäufen im Ausland!

Kontakt: www.daab.de, Tel.: 02166/6478820



Tierhaarallergie
Wer auf Tierhaare allergisch reagiert, ist mit einem Urlaub auf dem Land (vor allem auf einem Bauernhof) schlecht beraten. Manche Hotels bieten auch haustierfreie Zimmer an oder verbieten Haustiere generell.

Richtig ankommen
Per Auto, Bus, Bahn oder Ferienflieger? Abgesehen von Fernreisen können sich die meisten Urlauber zwischen verschiedenen Transportmitteln entscheiden. Jeder Weg zum Traumziel bietet verschiedene Vor- und Nachteile – die wichtigsten haben wir hier einmal zusammengestellt.

Auto
Gerade in der Hauptsaison drohen hohes Verkehrsaufkommen und Staus – dementsprechend hoch liegt die Schadstoffbelastung in der Luft. Das geht nicht nur an die Nerven, sondern auch an die Atemwege. Starten Sie Ihre Urlaubsreise per Auto daher am besten zu Tages- bzw. Nachtzeiten mit eher geringem Verkehr. Ein weiterer Vorteil für Pollenallergiker: Zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens herrscht üblicherweise Flaute bei den „fliegenden Blütenboten“.

Ansonsten gilt: Fenster möglichst geschlossen halten und das Fahrzeug mit einem pollendichten Luftfilter ausstatten. Wer regelmäßig antiallergisch wirkende Medikamente (sogenannte Antihistaminika) einnimmt, sollte deren möglichen müde machenden Effekt mit einkalkulieren, der auch die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen kann.

Tipp: Jemand anderen ans Steuer lassen oder zwischen Medikamenteneinnahme und Abfahrt ein paar Stunden Zeit verstreichen lassen.

Allergikerfreundliche Feriendomizile finden

Ob Pollen-, Haustaubmilben- oder Tierhaarallergie – immer mehr Gastgeber haben sich auf allergische Urlauber eingestellt. Rauchfrei sind sie üblicherweise generell, aber das Angebot erstreckt sich inzwischen auch auf weit mehr, wie beispielsweise eine entsprechende Diätküche und die Ausstattung der Unterkunft (Fliesen, Parkett- oder Laminat- statt Teppichböden, gute Belüftungsmöglichkeiten, keine Latex- oder Rosshaarmatratzen, milbendichte Bettbezüge, Klimaanlage mit Pollenfiltern, Haustierverbot etc.). Die Auswahl ist inzwischen erfreulich groß.

Tipp 1 – für Bequeme:
Lassen Sie sich im Reisebüro beraten und Ihren Bedürfnissen entsprechend eine Unterkunft heraussuchen.

Tipp 2 – für Individualisten:
Einfach in eine Internet-Suchmaschine die Begriffe „Urlaub“ und „Allergie“ eingeben – und dann entspannt durchklicken.



Bus/Bahn
Ein Reisebus ist keine wirklich gute Idee für Allergiepatienten auf ihrem Weg in den Urlaub. Einerseits haben Sie dort keine Kontrolle über die Lüftung und die Qualität eines (möglicherweise im Bus installierten) Pollenfilters. Eventuell haben (oder hatten vorherige) Mitreisende auch Haustiere dabei, deren Haare sich in den Polstern festsetzen können und die Tierhaarallergikern dann Probleme bereiten.
In der Bahn sieht es mittlerweile ähnlich aus, da sich in den modernen Zügen kaum mehr Fenster öffnen lassen und die meisten Waggons mit Polstersitzen ausgestattet sind. Mögliche Geruchsreize durch Mitreisende (z. B. Parfüm) können Allergikern und Asthmatikern in beiden Reisemitteln in die Nase steigen. Üblicherweise sind Züge aber schneller unterwegs als Busse und allein schon deshalb die bessere Wahl.

Tipp: Persönliche Allergiemedikamente immer griffbereit halten!

Flugzeug
Flugreisen vertragen die meisten Menschen mit Allergien sehr gut. Entsprechend empfindliche Reisende sollten vorab bei der Fluggesellschaft nachfragen, ob Raumluftparfüms oder Insektizide an Bord eingesetzt werden, die möglicherweise die Atemwege reizen könnten. Reisende mit Tierhaarallergie können sich vorab erkundigen, ob mitreisende Tiere an Bord sein werden, und dann möglichst weit entfernt davon einen Platz buchen. Auch bei der Bordverpflegung nehmen viele Fluggesellschaften inzwischen Rücksicht auf Allergiker, sofern Sie dort rechtzeitig Bescheid geben (am besten 14 Tage vorher).

Tipp: Nehmen Sie sich – gerade bei Spontanreisen per Flieger – unbedingt Ihren eigenen Proviant mit, falls Sie an Lebensmittelallergien oder Kreuzreaktionen leiden!


durchblick gesundheit • Ausgabe 63 • Januar–März 2019 • Autor: Jutta Heinze

Jan 21, 2019, 12:36:13 PM, Autor: na