Subarachnoidalblutungen

Blutdruck und Rauchen scheinen Risiko erheblich zu beeinflussen

Aneurysma-bedingte Subarachnoidalblutungen sind seltener geworden. Mögliche Gründe dafür seien der Rückgang der Raucher und die Abnahme des systolischen Blutdruckwertes, vermuten die Autoren einer aktuellen Metaanalyse, die im „JAMA Neurology“ erschienen ist.


Das Team um Etminan untersucht aktuell, ob sich eine Senkung des Blutdrucks günstig auf die Entwicklung von Aneurysmen auswirkt.
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Ausgangspunkt der Metaanalyse von Mannheimer Neurochirurgen und Neurologen der Universität Utrecht waren jüngst veröffentlichte, zum Teil widersprüchliche Daten verschiedener registerbasierter oder regionaler Studien, die einen Rückgang des Auftretens von Subarachnoidalblutungen zeigten. In die aktuelle systematische Übersichtsarbeit flossen Metadaten aller weltweiten, bevölkerungsbasierten Schlaganfallstudien der letzten 60 Jahre ein.

Zum einen erfasste die Studie dabei das Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen regional und deren Häufigkeit im zeitlichen Verlauf. Darüber hinaus stellte die Metaanalyse erstmals die Entwicklung der Faktoren Blutdruck und Rauchen in Relation zur SAB-Inzidenz. Es zeigten sich dabei deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen und den Risikofaktoren Bluthochdruck und Rauchen.

Konkret ergab die Analyse der Daten von 75 Studien mit insgesamt mehr als 8000 Personen aus 32 Ländern, dass aneurysmatische Subarachnoidalblutungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich seltener geworden sind: Zwischen 1980 und 2010 nahm die Inzidenz weltweit insgesamt um etwa 40 Prozent ab. Hierbei wurden jedoch große regionale Unterschiede nachgewiesen: In Europa sank die Inzidenz um 41 Prozent, in Asien um 46 Prozent und in Nordamerika nur um 14 Prozent. In Japan stieg die Inzidenz in den letzten drei Jahrzehnten sogar um 59 Prozent. Das Auftreten einer SAB ist außerdem nach Alter und Geschlecht unterschiedlich verteilt.

Kausaler Zusammenhang nicht belegt

Auffallend ist nach Angaben der Autoren, dass die Entwicklung bzw. Abnahme der SAB-Inzidenz weltweit mit einer Abnahme des systolischen Blutdrucks und der Raucherprävalenz im selben Zeitraum einherging. „Ein Gedankenspiel: Stünde die Abnahme der SAB-Inzidenz tatsächlich unmittelbar mit der Senkung des systolischen Blutdrucks in Verbindung, so hieße dies, dass die SAB-Inzidenz mit jedem Rückgang des Blutdrucks um 1 mmHg um 7,1 Prozent abnähme. Und bezogen auf die Raucherprävalenz bedeute dies, dass die SAB-Inzidenz um 2,4 Prozent pro Prozent Rückgang der Raucherprävalenz abnähme“, erläutert der Neurochirurg und Erstautor Professor Dr. Nima Etminan.

Selbstverständlich lässt die zeitgleiche Entwicklung von Blutdruckabfall und Raucherprävalenz mit der Inzidenz für Subarachnoidalblutungen einen kausalen Zusammenhang lediglich vermuten. Einen Beleg dafür können die vorhandenen Daten nicht liefern, dafür wären quantitative Daten für diese Risikofaktoren auf Bevölkerungsbasis oder auf der Ebene individueller Patienten notwendig. Dennoch unterstützt die in der Studie gefundene Assoziation die präventiven Ansätze, die Risikofaktoren Bluthochdruck und Rauchen zu kontrollieren, um unter anderem die Gefahr von aneurysmatischen Hirnblutungen zu reduzieren.

Aktuell gehen die Autoren auch der Frage nach, ob sich eine Senkung des Blutdrucks bei Patienten mit zufällig entdeckten Aneurysmen, welche nicht primär behandelt, sondern mittels Bildgebung kontrolliert werden, günstig auf die Entwicklung der Aneurysmen auswirkt. Dies geschieht im Rahmen der prospektiven Phase-3-Studie PROTECT-U an verschiedenen neurovaskulären Zentren in Deutschland, den Niederlanden und bald auch in Kanada.


Jan 21, 2019, 10:46:10 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron