Für Diabetiker

Kardiologen erinnern an Nutzen von Sport

Sport-Programme für Diabetes-Patienten verbessern den Stoffwechsel, schützen Herz und Gefäße, senken die Mortalität und sind kosten-effektiv. Sie sollten daher gefördert werden, so die „European Society of Cardiology“ in einem Positionspapier, das nun im „European Journal of Preventive Cardiology“ erschienen ist.

Sportprogramme sollten so individuell wie möglich gestaltet werden; dabei sollten unter anderem Begleiterkrankungen und persönliche Wünsche berücksichtigt werden.
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Anlass für das Positionspapier ist die weltweite Zunahme der durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung verursachte Adipositas-Epidemie, mit der eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen einhergehen, darunter außer Krebserkrankungen vor allem Diabetes und kadiovaskuläre Krankheiten. Auch in Deutschland bewegen sich die Bürger immer weniger und sitzen immer mehr, so ein Ergebnis des „DKV-Reports 2018“.

Erst kürzlich haben daher auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft auf den Nutzen der Prävention durch körperliche Bewegung hingewiesen. Das große Problem, wenn es um die Prävention durch mehr Bewegung geht, sind die oft erfolglosen Versuche, Menschen dazu zu motivieren. Insbesondere jene, für die mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung am wichtigsten wären, sind oft schwer zu bewegen, mehr für ihre Gesundheit zu tun.

Appelle an die „Vernunft“ führen in der Regel zu nichts, die allgemeine Empfehlung, sich mehr zu bewegen, hilft meist auch nicht weiter. Sportprogramme sollten daher so individuell wie möglich gestaltet werden; dabei sollten unter anderem Begleiterkrankungen und persönliche Wünsche berücksichtigt werden. Auch die Sportart und die Intensität des Trainings sollten in Übereinstimmung mit den Möglichkeiten und Wünschen der Patienten getroffren werden. Zudem sollten realistische Ziele und keine zu hohen Ziele vorgegeben werden, da dies dauerhaft demotivieren könne, wenn das Ziel nicht erreicht werde. Dies gilt auch das Ziel einer deutlichen Gewichtsreduktion, denn dies ist mit Sport alleine nur sehr schwer zu erzielen. Motivierend könnten spezielle Apps und Smartwatches wirken.

Motivierend kann auch die Tatsache wirken, dass bereits ein Mindestmaß an körperlicher Aktivität hilfreich sein kann, etwa die schlimmsten Folgewirkungen einer Adipositas mildern und im günstigsten Fall sogar verhindern. „Wer täglich sieben bis acht Minuten zügig spazieren geht, reduziert sein Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes bereits um 20 Prozent“, so der Münchner Kardiologe und Sportmediziner Prof. Martin Halle.

Allerdings sollte dieses Minimalprogramm wirklich zügig – also mit einer deutlichen Zusatzbelastung für das Herz – durchgeführt werden, weil nur so die Ausschüttung von risikominimierenden Hormonen in den Muskeln aktiviert wird. Zum anderen sollte dieses Programm tatsächlich täglich absolviert werden. Wer das schafft, darf schon nach 6 bis 8 Wochen mit einem deutlich verbesserten Muskelstoffwechsel, einer erhöhten Elastizität der Gefäße und einer wieder gesteigerten diastolischen Herzfunktion rechnen. „In Summe sind die Effekte mit jenen vergleichbar, die sich mit einer über zwei Jahre kontinuierlich verteilten Gewichtsabnahme von 20 Kilo erzielen lassen“, so Martin Halle. Wie wichtig Sport für Diabetes-Patienten ist, hat kürzlich auch eine Metaanalyse gezeigt, in der der Effekt von Sport bei Bluthochdruck, von dem ja viele Diabetiker betroffen sind, untersucht wurde.

Hauptergebnis der Metaanalyse: Patienten mit Bluthochdruck profitieren von einem Sport-Programm womöglich fast ebenso wie von Antihypertensiva. Ausgewertet wurden 197 Studien (n = 10. 461) zum Einfluss von Sport (Ausdauer-Sport, Widerstandstraining und die Kombination von Ausdauer- und Muskeltraining) auf den systolischen Blutdruck und von 194 Studien mit Antihypertensiva (n = 29. 281). In keiner Studie wurden Sportprogramme und Antihypertensiva direkt miteinander verglichen. Antihypertensiva senkten den systolischen Wert zwar stärker als Sportprogramme. Im Mittel nahm der systolischen Wert in den Antiypertensiva-Studien um 8,80 mmHg ab, in den Sport-Studien um 4,84 mmHg. Der Unterschied war mit 3,96 mmHg allerdings nicht sehr groß.

17.01.2019 15:09:03, Autor: Dr. med. Thomas Kron