Erkältungszeit

Mit Hausmitteln gegen Husten, Halsweh, Heiserkeit und Co.

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In der kalten Jahreszeit haben Erkältungen Hochkonjunktur. Statistisch betrachtet erwischt es jeden Erwachsenen zwei- bis viermal jährlich, Kinder mit ihrem noch nicht so trainierten Immunsystem sogar bis zu acht Mal. In der Volksweisheit „Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage“ steckt übrigens mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Denn wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen: Haben sich die Erkältungserreger erst einmal eingenistet, sorgen sie bei einem normalen Verlauf durchschnittlich acht bis zehn Tage für Schnupfnasen, Reizhusten, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit und weitere typische Erkältungsmerkmale. 

Heilen lässt sich eine Erkältung nicht, wohl aber lindern! Mit dem Auslöser – in der Regel sind dies Viren – muss das Immunsystem nämlich allein fertigwerden. Damit der Körper dafür seine ganze Abwehrpower bereitstellen kann, braucht er vor allem zweierlei: Ruhe und Geduld! Denn die Dauer der Erkrankung lässt sich kaum abkürzen – weder mit Medikamenten noch mit Hausmitteln. Im Gegenteil: Wer zu früh wieder durchstartet oder die Symptome mit sogenannten Erkältungssäften oder -kapseln wegdrückt, riskiert neben einer längeren Krankheitsdauer im schlimmsten Fall auch Folgeerkrankungen wie beispielsweise eine Herzmuskelentzündung.

Also: Lieber ein paar Tage Ruhe gönnen und versuchen, den Beschwerden einer unkomplizierten Erkältung mit sanfter Medizin zu Leibe zu rücken.

Wann muss ich mit einer Erkältung zum Arzt?
Ohne Frage – eine Erkältung ist unangenehm und kann einen ganz schön schachmatt setzen. Üblicherweise bekommen die meisten Betroffenen die Erkrankung ohne medizinische Hilfe in den Griff. In manchen Fällen führt jedoch kein Weg an einem Arztbesuch vorbei:

  • Erkrankungsdauer von mehr als einer Woche ohne Anzeichen von Besserung
  • Mehr als drei Tage andauerndes Fieber oder Fieber über 40 Grad
  • Starke Ohrenschmerzen
  • Starke Halsschmerzen, eitrige Mandeln
  • Kopfschmerzen, die sich beim Vorbeugen verschlimmern
  • Pochende Schmerzen hinter der Stirn oder im Wangenbereich
  • Eitriger/blutiger Schleim beim Husten oder Naseputzen
  • Atemnot


Natürliche Hilfe schon bei den ersten Anzeichen

Wenn es darum geht, die lästigen Symptome einer Erkältung und damit auch das Leiden zu mildern, können sanfte Helfer aus Großmutters Erfahrungsschatz oft wahre Wunder wirken! Das geht schon los, wenn Sie das Gefühl haben, dass eine Erkältung im Anmarsch ist. Versuchen Sie es doch einmal mit einer Schwitzkur oder einem ansteigenden Fußbad! Vielleicht gelingt es ja, der sich ankündigenden Erkrankung damit rechtzeitig einen Riegel vorzuschieben.

Schwitzkur
Sofern Sie fieberfrei sind und keine Kreislaufprobleme haben, können Sie versuchen, die aufkommende Erkältung „wegzuschwitzen“. Dafür kochen Sie sich aus 250 ml Wasser und ein bis zwei TL Linden- oder Holunderblüten einen Tee und lassen ihn 10 Minuten ziehen. Abseihen, nach Wunsch etwas Honig und/oder Zitronensaft zugeben und so heiß wie möglich trinken. Dann geht es dick verpackt ins Bett, bis Sie so richtig schön ins Schwitzen gekommen sind. Verschwitzte Kleidung zwischendurch wechseln und danach lauwarm abduschen.

Ansteigendes Fußbad
Eine kleine Wanne mit körperwarmem Wasser (36 bis 37 Grad) füllen, Füße hineinstellen und innerhalb einer Viertelstunde nach und nach heißes Wasser zugießen bis zu einer Temperatur von 40 bis 42 Grad maximal. Füße danach gut abtrocknen, in warme Wollsocken schlüpfen und eine halbe Stunde lang ruhen.

Selbst gemachte Nasentropfen

Einen halben gestrichenen TL Salz mit 200 ml Wasser aufkochen und abkühlen lassen. Portionsweise in eine Pipettenflasche (gibt es in der Apotheke) abfüllen und nach Bedarf verwenden.

Keine Chance für Schnupfnasen
Anfangs nur ein paar Nieser, kurz drauf beginnt die Nase zu laufen und schwillt irgendwann zu. Eine beginnende Erkältung zeigt sich typischerweise zuerst dort, wo auch die Viren zuerst gelandet sind: in der Nase. Denn die Krankheitserreger übertragen sich per Tröpfcheninfektion über die Atemluft. Für eine freie Nase auf die sanfte Tour sorgen Nasentropfen oder -spray auf Koch- oder Meersalzbasis (selbst hergestellt oder aus der Apotheke) und Dampfbäder mit verschiedenen Zusätzen.

Kräuter-Dampfbad
Ein Aroma-Dampfbad tut gleich dreifach gut bei Schnupfen (bei Husten übrigens auch!). Es befeuchtet die ausgetrockneten Schleimhäute, und die zugesetzten ätherischen Öle und Kräuter wirken entzündungshemmend und tragen zu freien Atemwegen bei. Eine Handvoll Kräuter (z. B. Kamillenblüten, Thymian, Salbeiblätter) oder ein paar Tropfen Pfefferminz- oder Eukalyptusöl in eine Schüssel mit kochendem Wasser geben. Beugen Sie sich über die Schüssel, breiten Sie ein großes Handtuch über Kopf und Schüssel aus und atmen Sie zehn Minuten ruhig ein und aus. Danach den Kopf mit einem Tuch oder einer Mütze warmhalten und eine halbe Stunde ausruhen.
Gurgellösungen mit Salz oder Salbei (Anwendung mehrmals täglich)

Salbeilösung:
1 EL getrocknete Salbeiblätter mit 100 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Nach Wunsch etwas Honig oder Obstessig zugeben.

Salz-Zitronen-Lösung:
1 EL Salz mit 1 Liter Wasser aufkochen, abkühlen lassen und Saft einer Zitrone zufügen.


Wichtig: Bei Babys und Kleinkindern kein Eukalyptus-, Kampfer- oder Minzöl verwenden, sondern auf Inhalate und Öle aus der Apotheke zurückgreifen, die ausdrücklich für diese Altersgruppe geeignet sind.

Hilfreich bei Halsweh
Station zwei bei einer klassischen Erkältung ist der Hals-Rachen-Bereich. Auch hier verschafft Omas Apotheke Linderung: mit Lösungen zum Gurgeln und Halswickeln.

Halswickel
Warmer Kartoffelwickel:
Fünf Kartoffeln mit Schale kochen, auf ein Baumwolltuch legen und mit einer Gabel zerdrücken. Zu einem Päckchen einschlagen, um den Hals legen, mit einem zweiten Tuch umwickeln und mit einem warmen Wollschal befestigen. Wickel abnehmen, sobald er abgekühlt ist. Nicht bei steigendem Fieber anwenden!
Hausgemachter Hustensaft

Wohltuend ist auch ein selbst gemachter Hustensaft aus der Küche auf Zwiebel- oder Rettichbasis. Dafür Zwiebeln oder ca. 5 cm große Rettichstücke halbieren, aushöhlen und mit braunem Kandis oder Zucker füllen. Den sich nach mehreren Stunden bildenden Sirup abgießen, kühl stellen und dreimal täglich einen EL davon einnehmen.


Kühlender Quarkwickel:
Zimmerwarmen Quark ½ cm dick auf die Hälfte eines Baumwolltuchs streichen. Eine Lage Stoff darüberschlagen und um den Hals legen. Mit einem Wolltuch bedecken und mit einem Wollschal befestigen. Wickel abnehmen, wenn der Quark eingetrocknet ist. Nicht anwenden, wenn Sie frieren oder frösteln!

Husten sanft lindern
Beim typischen „Etagenwechsel“ einer Erkältung landen die Krankheitserreger nach ein paar Tagen auch im Untergeschoss – den Bronchien. Meistens beginnt die Attacke auf die unteren Atemwege mit einem lästigen und oft auch schmerzhaften trockenen Reizhusten, der später in einen Schleimhusten übergeht. Mit an die jeweiligen Symptome angepassten Tees, Dampfbädern (siehe unter „Schnupfen“) und selbst gemachtem Hustensaft können Sie sich das Erkältungsleben in diesem Stadium auf natürliche Weise erleichtern.
Hustentee

Reizlindernd: Eibischwurzel, Isländisch Moos, Spitzwegerich, Thymian

Schleimlösend: Anis, Efeublätter, Eukalyptusblätter, Fenchel, Thymian


Trinken, trinken, trinken!
Zusätzlich zur täglichen Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern benötigen erkältete Menschen noch eine Extraportion Flüssigkeit – vor allem bei Fieber. Faustregel: Pro Grad erhöhter Körpertemperatur oberhalb von 37 Grad Celsius einen halben Liter draufschlagen. Nieren- und Herzkranke sollten ihre tägliche Flüssigkeitsmenge allerdings mit dem Arzt absprechen. Wer während einer Erkältung viel trinkt, verflüssigt dadurch auch den zähen Schleim in Nase, Rachen und Bronchien, der dadurch besser abfließen kann.
Weidenrindentee und heißer Holundersaft

Weidenrinde enthält die Grundsubstanz des später daraus entwickelten fiebersenkenden Medikaments Acetylsalicylsäure (ASS).

Teezubereitung:
1 TL klein geschnittene Weidenrinde (Apotheke) mit 250 ml Wasser langsam kurz aufkochen lassen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken – täglich zwei bis drei Tassen.

Hinweis: Nach Geschmack süßen, der Tee schmeckt recht bitter.

Holunderdrink:
Holundersaft – idealerweise aus dem Reformhaus, Bioladen oder selbstgemacht – kurz erhitzen und warm trinken.


Hausmittel bei Fieber
Stärkere Erkältungen lassen auch die Körpertemperatur nach oben klettern. Fieber macht zusätzlich schlapp, aber auch dafür hat die überlieferte Hausmedizin ein paar Tipps parat: Tees, Holundersaft und Wadenwickel. Lassen Sie Ihre Körpertemperatur aber möglichst bis 39 Grad ansteigen, bevor Sie eingreifen und sofern gesundheitlich nichts dagegenspricht. Denn die erhöhte Temperatur mögen Krankheitserreger überhaupt nicht.

Wadenwickel
Zu den altbewährten und gut wirksamen sanften Fiebersenkern gehören auch die klassischen Wadenwickel. Erst ab 39 Grad Fieber anwenden und auch nur dann, wenn Waden und Füße warm sind – ansonsten vorher ein warmes Fußbad machen. Senken Sie die Körpertemperatur damit nur um rund ein Grad ab – ein stärkerer Temperaturabfall belastet den Kreislauf zu sehr.

Anwendung:
Zwei Baumwoll- oder Leinentücher mit lauwarmem Wasser tränken (kein kaltes Wasser nehmen – für Kinder handwarmes Wasser, für Erwachsene leicht lauwarmes Wasser), etwas auswringen und straff so um die Unterschenkel wickeln, dass die Gelenke frei bleiben. Darüber ein Frottee- und anschließend ein Wolltuch schlingen und so lange einwirken lassen, bis sich die Wickel warm anfühlen. Dann die Wickel erneuern. Nach einer Pause von 10 bis 20 Minuten nochmals frische Wickel anlegen.

Hinweis: Wadenwickel bei Babys und Kleinkindern bis zu einem Alter von zwei Jahren nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt anwenden!


durchblick gesundheit • Ausgabe 63 • Januar–März 2019 • Autor: Jutta Heinze

21.01.2019 12:04:26, Autor: na