Gesundheitswesen

Jobmotor Arztpraxis läuft auf Hochtouren

© tynyuk/Fotolia.com

Wie wichtig und wertvoll die wohnortnahe medizinische Versorgung in Deutschland ist, wird den meisten Menschen schlagartig klar, wenn sie im Ausland zum Arzt müssen: Oft sind dort Fachärzte nur an den Kliniken zu finden und die Wartelisten lang. Doch nicht nur aus medizinischer Sicht sollten die niedergelassenen Fachärzte in ihren Praxen von Politik und Gesellschaft unterstützt werden: Sie halten auch den „Jobmotor Gesundheitswesen“ am Laufen.

Auch die Fachärzte gehören zur Grundversorgung

86 % aller 18- bis 79-jährigen Bürgerinnen und Bürger waren laut Umfrage in den letzten zwölf Monaten bei einem Arzt in der Praxis, um sich selbst behandeln oder beraten zu lassen. Unter diesen Befragten waren 38 % ausschließlich beim Hausarzt und 17 % ausschließlich beim Facharzt, 45 % – zunächst unabhängig von individuellen Häufigkeiten – haben im letzten Jahr sowohl Haus- als auch Facharzt aufgesucht. Die Differenzierung zeigt, dass Fachärzte ähnlich oft aufgesucht werden wie Hausärzte. Insgesamt nur 14 % aller befragten Erwachsenen sagen, dass sie in diesem Zeitraum weder eine Hausarzt- noch eine Facharztpraxis aufgesucht haben. Damit ist der Anteil der Versicherten mit Arztbesuch seit Jahren in hohem Maße konstant. Bei ausnahmslos allen Versichertenbefragungen seit 2006 haben jeweils immer gut vier von fünf Befragten angegeben, mindestens einmal in den vergangenen zwölf Monaten einen Facharzt konsultiert zu haben.

Die niedergelassenen Fachärzte leisten in ihren Praxen demnach pro Jahr 202 Millionen Stunden Arbeitszeit. 294,7 Millionen Behandlungsfälle in der gesetzlichen Krankenversicherung werden in ihren Praxen pro Jahr für 72,81 Millionen Versicherte erbracht. In den fachärztlichen Praxen liegt die Bruttowertschöpfung bei 28,6 Milliarden Euro. „Diese Zahlen zeigen, wie hoch deren Beitrag für eine hochwertige medizinische Versorgung der Bevölkerung ist“, kommentiert Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des SpiFa, die Zahlen.

Der niedergelassene Facharzt sei Unternehmer und Arbeitgeber, investiere eigenes Vermögen in den Aufbau von Versorgungsstrukturen und schaffe Arbeitsplätze.

In der ambulanten ärztlichen Versorgung insgesamt sind dies dauerhaft rund 700.000. „Die Honorarzuwächse in den letzten Jahren sind deshalb auch immer in die Sicherung und in die Attraktivität der Arbeitsplätze geflossen“, so Heinrich. Die Investitionen lägen bei rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. „Sie fließen vor allem in die Neueinrichtung und Umgestaltung von Arztpraxen, aber insbesondere auch in neue medizinische Geräte.“ Zu Beginn seiner Tätigkeit nehme jeder Facharzt je nach Fachgruppe schon eine Anfangsinvestition in Höhe von 150.000 bis zu 1,5 Millionen Euro vor.

Es wird in der Öffentlichkeit nur selten thematisiert – aber die Fachärzte in Deutschland sind zugleich Unternehmer und Arbeitgeber, die neue Jobs schaffen und einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung Deutschlands erbringen. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) hat wichtige Eckdaten zusammengetragen und den „Medizinisch-Ökonomischen Fußabdruck der Fachärzte“ veröffentlicht – und die Zahlen sind durchweg beeindruckend.

Die hohe Wirtschaftsleistung resultiert unter anderem aus der hohen Leistungsbereitschaft der Mediziner. Interessant dabei: Ein freiberuflich tätiger Arzt arbeitet derzeit in seiner Praxis im Schnitt rund 54 Stunden in der Woche, hat eine Erhebung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergeben. Bei den angestellten Ärzten sind es nur rund 43 Stunden.

Inzwischen zählt die Gesundheitswirtschaft zu den wichtigsten Branchen der Volkswirtschaft, betont auch  Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Sein Ministerium hat die Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR) entwickeln lassen. „Sie macht deutlich, dass die Gesundheitswirtschaft Wachstumstreiber und Jobmotor ist. Sie erwirtschaftete im Jahr 2017 fast 350 Milliarden Euro. Daran hatten Krankenhäuser und Arztpraxen mit ihren Fachärzten einen Anteil von mehr als einem Drittel“, betont Hirte. Das seien rund zwölf Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Jeder achte Euro Bruttowertschöpfung werde in der Gesundheitswirtschaft geschaffen. Die Gesundheitswirtschaft sei in den letzten 10 Jahren stärker gewachsen als die Volkswirtschaft insgesamt.

durchblick gesundheit • Ausgabe 63 • Januar–März 2019 • Autor: Jan Scholz

Jan 21, 2019, 11:43:33 AM, Autor: na