Unabhängige Patientenberatung

So tricksen die Kassen beim Krankengeld

Bei Problemen mit ihrer Krankenkasse sollten sich Patienten nicht scheuen, sich an die UPD zu wenden
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Wer krank ist, will sich in erster Linie darum kümmern, wieder gesund zu werden. Doch für viele Patienten bleibt das leider nicht die wichtigste Aufgabe: Sie müssen sich ebenfalls darum bemühen, weiterhin Geld von ihrer Krankenkasse zu erhalten. Sind sie nicht erfolgreich, verlieren viele ihre Existenzgrundlage. Das Problem beschreibt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) in ihrem Jahresbericht.

Der „Monitor Patientenberatung 2017“, der auf der Auswertung von rund 155.000 Beratungen der UPD beruht, zeigt auf, welche Probleme Patienten in Deutschland zu bewältigen haben. Zugleich soll der Monitor Krankenkassen, Ärzten, Politikern und anderen Akteuren des Gesundheitswesens konkrete Hinweise darauf geben, wie das Gesundheitssystem aus der Perspektive der normalen Bürger noch besser gestaltet werden kann.

Laut dem Bericht rufen Patienten besonders oft aus einem Grund an: Sie haben Fragen zum Krankengeld. Die Zahl solcher Anrufe kletterte von 10.193 Beratungen im Vorjahr auf 14.334. Die wichtigsten Themen dabei:

  • Allgemeine Informationen zum Krankengeld
  • Die sozialmedizinische Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit (AU)
  • Der Wegfall des Krankengeldanspruchs wegen Lücken in der AU-Bescheinigung

Besonders schwer wiegt in diesem Kontext ein Problem: Langzeiterkrankte, die ihren Anspruch auf Krankengeld verlieren, weil sie eine Lücke in ihren AU-Bescheinigungen haben – unabhängig vom Gesundheitszustand der Versicherten. Diese Lücken kommen aus verschiedenen Gründen zustande, etwa weil der Patient zu spät zum Arzt geht, die Praxis an dem Tag geschlossen hat oder sie überfüllt ist. Oft nehmen die Patienten fälschlicherweise an, die AU-Bescheinigung lasse sich auch rückwirkend ausstellen. Das ist Ärzten allerdings nicht möglich. Die schlimme Folge: Der Patient ist krank und kann somit nicht arbeiten, bekommt aber kein Geld mehr von der Kasse gezahlt.

Wie im Vorjahr beklagen viele Ratsuchende zudem, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ihren Gesundheitszustand „nach Aktenlage“ begutachten kann, er also ein Urteil fällt, ohne den Patienten jemals gesehen zu haben. Diese Praxis, bei der sie plötzlich „gesundgeschrieben“ werden, stößt vielen Patienten bitter auf. Sie fühlen sich in diesem Fall von ihrer Krankenkasse missachtet und alleingelassen, so die UPD in ihrem Bericht.

Vorsicht vor scheinbaren Entscheidungen
In diesem Zusammenhang beobachtet die UPD „mit Sorge“ eine Praxis, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat: Die Kassen präsentieren den Versicherten Zwischeninformationen wie echte Entscheidungen – in der Regel zugunsten der Kasse. Die Betroffenen nähmen das hin und hielten es für eine endgültige Entscheidung, obwohl sie noch Widerspruch einlegen könnten. „Verharmlosende Schreiben, die die Versicherten nicht eindeutig über ihre echten Rechte informieren und nach dem Eindruck der Ratsuchenden stattdessen häufig Lösungen anbieten, die für die Kassen günstiger sind, stehen nicht im Einklang mit den eigentlichen Aufgaben unserer Krankenkassen“, mahnt auch der Geschäftsführer der UPD, Thorben Krumwiede bei der Vorstellung des Berichts. Sein Rat: Im Zweifel sollten Patienten besser einmal zu viel bei der UPD anrufen und vermeintliche Entscheidungen mit ihr besprechen. Oft zeigten sich dann noch alternative Lösungen.


durchblick gesundheit • Ausgabe 62 • Oktober–Dezember 2018

23.10.2018 15:48:01, Autor: Rasmus Cloes