Hypertonie

Deutsche Hochdruckliga plädiert weiter für moderate Zielwerte

Die Deutsche Hochdruckliga wird nach eigenen Angaben die neuen US-Empfehlungen zur Hypertonie sorgfältig prüfen, plädiert jedoch weiterhin dafür, moderate Ziele für die Blutdrucksenkung anzusetzen.

In Deutschland ist die aktuell gültige Definition des hohen Blutdrucks bislang das Vorliegen eines systolischen Blutdrucks von 140 mmHg oder höher und/oder eines diastolischen Blutdruckwertes von 90 mmHg oder höher.
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In den neuen US-Empfehlungen sind, wie berichtet, die Zielwerte herabgesetzt worden. Für den Blutdruck gibt es dort nun folgende Einteilung:

• Normal: <120/80 mm

• Erhöht: systolisch 120 - 129 und diastolisch <80 mmHg

• Stadium 1: systolisch 130 - 139 oder diastolisch 80 - 90 mmHg

• Stadium 2: ≥140 oder ≥ 90 mmHg

• Hypertensive Krise: >180 und/oder >120mmHg

Begründet werden die neuen Zielwerte unter anderem mit den SPRINT-Daten. Laut Professor Paul K. Whelton (Tulane Universität in New Orleans), Chef der Leitlinien-Kommission, sei das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen bereits bei Werten zwischen 130-139/80-89 mmHg doppelt so hoch wie bei normalen Werten. Ein Grundgedanke der neuen Leitlinie ist es, dass Patienten bei der Diagnose Bluthochdruck künftig ihren Lebensstil frühzeitig anpassen, um ihre Blutdruckwerte zu normalisieren, oder falls das nicht möglich ist, mit Medikamenten behandelt werden können. Zu den Lebensstil-Maßnahmen, die bei einem erhöhten Blutdruck als erste Wahl empfohlen werden, gelten

• Gewichtsabnahme

• Reduktion der Natrium-Aufnahme am besten auf unter 1,5 g pro Tag,

• eine (diätische) Erhöhung der Kalium-Aufnahme auf 3,5 g pro Tag,

• 90 bis 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche und

• eine Alkoholrestriktion für Männer auf 2 Drinks pro Tag und für Frauen auf einen Drink pro Tag

In Deutschland ist die aktuell gültige Definition des hohen Blutdrucks bislang das Vorliegen eines systolischen Blutdrucks von 140 mmHg oder höher und/oder eines diastolischen Blutdruckwertes von 90 mmHg oder höher. Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung bereits ab Blutdruck-Werten von über 115/75 mmHg deutlich steigt, das heißt, die Gefahr zu erkranken, besteht auch schon im hochnormalen Blutdruckbereich.

Deshalb ist und war eine Festlegung der anzustrebenden Zielwerte für die Blutdrucksenkung immer auch eine Ermessensfrage. Derzeit empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga auf Grund der Studienlage die Senkung des Blutdrucks generell auf unter 140/90 mmHg und auf unter 135/85 mmHg bei kardiovaskulären (Hoch-)Risikopatienten.

„Eine Absenkung des Blutdruck-Grenzwertes auf unter 130/80 mmHg wie in den USA jetzt vorgeschlagen wurde, würde Betroffene und Ärzte für das bereits bei diesen Blutdruckwerten bestehende mäßig erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sensibilisieren. Dies könnte dazu anregen, früher Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, kochsalzarme Kost, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung vorzunehmen“, sagt Professor Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Hochdruckliga.

„Andererseits werden durch eine Absenkung der Blutdruck-Grenzwerte deutlich mehr Menschen als bisher als Patienten eingestuft. Es liegen bislang jedoch keine Beweise dafür vor, dass die medikamentöse Blutdrucksenkung für die allermeisten Menschen mit hochnormalen Blutdruckwerten positive Effekte hat. Selbstverständlich kann man auch bereits bei einem hochnormalen Blutdruck Lebensstiländerungen vornehmen, ohne den Patienten dafür als hochdruckkrank einstufen zu müssen“, ergänzt Krämer in einer Mitteilung. Die Deutsche Hochdruckliga und die europäischen Hochdruck-Fachgesellschaften werden die aktuellen Vorschläge aus den USA nun in ihre Überlegungen zur Überarbeitung ihrer Leitlinien mit einbeziehen.

„Aufgrund der erweiterten Datenlage nach SPRINT sowie darauf bezogener Publikationen und Metaanalysen empfehlen wir jedoch weiterhin einen generellen Zielwert von unter 135/85 mmHg bei einer Selbstmessung“, sagt Professor Peter Trenkwalder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DHL. In Deutschland werde der moderate Zielblutdruck derzeit bei weniger als 60 Prozent der Patienten erreicht. „Wichtigstes Behandlungsziel für alle Ärzte muss daher sein, dass dieses Blutdruckziel erreicht wird“, fordert Trenkwalder.

Nov 16, 2017, 5:08:29 PM, Autor: Dr. med. Thomas Kron