Metaanalyse

Kein erhöhtes Melanom-Risiko durch Viagra und Co.

Die Behandlung mit Phosphodiesterase-Hemmern wie Sildenafil geht nicht mit einem erhöhten Risko für ein Melanom einher. Ergeben hat dies eine Metaanalyse von drei Fall-Kontroll- und zwei Kohorten-Studien mit 866.049 Männern, von denen 41.874 ein Melanom hatten. Die Ergebnisse der Metaanalyse sind nun im „Journal of the National Cancer Institute“ erschienen.


Hautkrebs-Screening beim Dermatologen.
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Die Berechnungen der Autoren ergaben für Männer, die Phosphodiesterase-Hemmer nahmen, ein Melanom-Risiko von 1,11 mit einem 95-prozentigen Koinfidenzintervall von 1,02 bis 1,22. Statistische Analysen ergaben keinen Beleg für eine kausalen Zusammenhang zwischen der Medikation und der Tumor-Krankheit. Medikamente wie Sildenafil seien insgesamt sichere Präparate, solange die Patienten keine Nitrate einnähmen, so ein Fazit der US-Urologin und Erstautorin der Studie Dr. Stacy Loeb (New York University Langone Medical Center).

Anlass für die aktuelle Metaanalyse waren mehrere Studien-Daten, die auf ein mögliches Melanom-Risiko bei Therape mit Phosphodiesterase-Hemmern hinwiesen. Ein Beispiel ist eine vor drei Jahren publizierte prospektive Kohorten-Studie von US-Kollegen („JAMA Internal Medicine“).

Das Team um Professor Jiali Han („Indiana University“ in Indianapolis) hatte Daten von fast 26.000 Männern (Durchschnittsalter 66 Jahre) ausgewertet. Während der Beobachtungszeit von 2000 bis 2010 wurden 142 Melanome, 580 squamöse Zellkarzinome und 3.030 Basalzell-Tumore diagnostiziert. Die statistische Analyse ergab für Männer, die Sildenafil erhielten, eine Risiko-Zunahme für ein Melanom von 84 Prozent; kein statistischer Zusammenhang wurde zwischen dem PDE-5-Hemmer und den anderen Hauttumoren festgestellt.

Die Studie sei zwar kein Beweis dafür, dass der PDE-5-Hemmer tatsächlich Melanome verursache; es gebe aber durchaus eine wissenschaftlich begründete Erklärung für einen Kausalzusammenhang, so damals Professor Ryan Sullivan vom „Massachusetts General Hospital“ in Boston. Und sollte es einen solchen Zusammenhang geben, würde dies sehr wahrscheinlich für alle PDE-5-Hemmer gelten. Der Hintergrund für diese Vermutungen: Die von Sildenafil und Co. gehemmte Phosphodiesterase 5A spielt, stark vereinfacht formuliert, eine Rolle im so genannten BRAF-Signalweg, der an der Melanom-Genese beteiligt ist und in den moderne Wirkstoffe zur Therapie von Melanom-Patienten eingreifen, etwa Vemurafenib. Die Wirkung der PDE-5-Hemmer auf diesen Signalweg könnte, so die Vermutung, die Melanom-Genese fördern. Darüber hinaus gibt es Befunde dafür, dass PDE-5-Hemmer die Melanin-Synthese fördern, wodurch wiederum die Tumor-Entstehung begünstigt werden könnte.

24.05.2017 09:00:39, Autor: Dr. med. Thomas Kron