Herzklappen-Erkrankungen

Männer mit besserer Prognose als Frauen

Herzklappen-Erkrankungen werden immer häufiger, die Sterbeziffer steigt in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und liegt bei Frauen fast doppelt so hoch wie bei Männern. Dies geht aus dem Deutschen Herzbericht hervor.

Die Sterbeziffer der Herzklappen-Erkrankungen steigt in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen seit 1990 stetig an.
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Die Krankenhausaufnahmen als Folge von Herzklappen-Erkrankungen („stationäre Morbiditätsziffer“) sind von 1995 bis 2015 von 69 pro 100.000 Einwohner auf 112 gestiegen, ein Plus von rund 63,2 Prozent. Der höchste Anstieg wurde mit 164,2 Prozent auf 593 pro 100.000 Einwohner in der Altersgruppe der ab 75-Jährigen verzeichnet. Diesem Anstieg steht ein Rückgang in den meisten anderen Altersgruppen gegenüber.

„Eine Ursache dieses Trends ist die insgesamt höhere Lebenserwartung. Entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen hat aber vor allem die Tatsache, dass erstmals auch für Herzklappen-Patienten im höheren Alter, für die es bis vor kurzem keine Behandlungsmöglichkeit mit vertretbarem Risiko gab, mit der katheter-gestützten Aortenklappen-Implantation eine sichere und effektive Therapieoption zur Verfügung steht“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Hugo A. Katus (Heidelberg), anlässlich der Präsentation des neuen „Deutschen Herzberichts 2016“.

Die Sterbeziffer der Herzklappen-Erkrankungen steigt in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen – sowohl bei Männern als auch bei Frauen seit 1990 stetig an. Sie erreichte 2014 mit 19,8 auf 100.000 Einwohner den bisherigen Höchstwert, 16.064 Menschen starben an den Folgen einer Herzklappen-Erkrankung. Die Sterbeziffer der Männer stieg seit 1990 von 5,5 auf 15,5 und die der Frauen von 10,0 auf 23,9 an. „Die Sterblichkeit der Frauen ist im gesamten Zeitraum konstant fast doppelt so hoch wie bei Männern“, so Katus. „Damit haben Männer bei Klappen-Erkrankungen eine wesentlich bessere Prognose als Frauen.“

In der Behandlung von Patienten mit Herzklappen-Erkrankungen gibt es seit mehreren Jahren, in Ergänzung der klassischen Klappenchirurgie mit Klappenersatz oder Klappenrekonstruktion unter Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine, die Möglichkeit, mittels Gefäßkatheter über unterschiedliche Zugänge interventionell die Aortenklappe zu ersetzen.

„Inzwischen wird TAVI nicht mehr nur bei ausgesprochenen Risikopatienten durchgeführt. Bei älteren Patienten über 75 Jahren ist die minimal-invasive Methode nach Studienlage der chirurgischen Behandlung überlegen, auch bei Patienten, die nur ein mäßig erhöhtes Risiko haben“, so Professor Holger Eggebrecht (Frankfurt a.M.) in der Mitteilung der DGK. „Neue Studien haben zudem eine günstige Entwicklung für TAVI auch bei Patienten mit geringem Risiko ergeben, zumindest in der kurzfristigen Nachbeobachtung.“

Gemäß den Qualitätsdaten des AQUA-Reports beträgt die Sterblichkeit im Krankenhaus nach dem Eingriff insgesamt 6,5 Prozent, was jedoch Patienten aller Risikostufen einschließt. Die Auswertung zeige, dass das Sterberisiko unmittelbar nach einer herzchirurgisch implantierten Klappe nur bei Patienten mit sehr niedrigem Operationsrisiko etwas geringer sei als nach einer transvaskulären, über die großen Blutgefäße erfolgenden TAVI-Implantation. Und das, obwohl die Patienten im Durchschnitt rund zwölf Jahre älter seien. In allen anderen Risikogruppen schnitten beide TAVI-Varianten, insbesondere die transvaskuläre TAVI über die Leistenarterie bzw. über die Herzspitze, besser ab als die Chirurgie, so Eggebrecht.

„Der Anteil der TAVI-Patienten, die über die Leistenarterie – und damit besonders schonend – versorgt wurden (13 132), ist gegenüber den über die Herzspitze versorgten Patienten (2462) seit 2011/12 noch weiter angestiegen“, berichtete Professor Malte Kelm (Düsseldorf).

Die DGK hat im Vorjahr ihre Empfehlungen an die neue Datenlage angepasst. Kelm: „Demnach ist für alle Patienten über 85 Jahre TAVI das bevorzugte Verfahren, und auch bei jüngeren Patienten mit hohem bis mittlerem Risiko wird TAVI grundsätzlich als Option angesehen.“

„Nach den Erfolgen beim interventionellen Ersatz der Aortenklappe wird nun vermehrt versucht, über den Herzkatheter auch andere Herzklappen zu reparieren oder zu ersetzen“, berichtete Kelm. „Interventionelle Therapieansätze mittels Kathetertechnik erleben gegenwärtig auch für Mitralklappen-Fehler eine dynamische Entwicklung. Für die erste Technik, die eine Katheter-Intervention an der Mitralklappe erlaubt, gibt es positive Fünf-Jahresdaten.“

Derzeit sei das Wissen darüber, wie gut Transkatheter-Herzklappen als recht junges Therapieverfahren ihre Funktion auf lange Sicht störungsfrei erfüllten, noch begrenzt, heißt es in der DGK-Mitteilung außerdem. Daten zur langfristigen Haltbarkeit von interventionell gegenüber herzchirurgisch implantierten Aortenklappen erwarten Kardiologen und Herzchirurgen von der im April 2016 gestarteten PARTNER-3-Studie, die zur Klärung der Dauerhaftigkeit der Klappenfunktion ein Follow-up von zehn Jahren mit jährlichen Kontrollen der Teilnehmer plant.

Jan 26, 2017, 11:15:43 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron