Robert Koch-Institut

Ernährung in Deutschland: Zu wenig Vitamin D, zu viel Natrium und Fleisch

Wie häufig ist die vegetarische Ernährungsweise in Deutschland, und wie ist diese Ernährungsform aus Public-Health-Sicht zu bewerten? Wie gut ist die Bevölkerung in Deutschland mit Vitamin D und Folat versorgt? Wie hoch ist der Anteil derjenigen, die mit frischen Lebensmitteln kochen? Das Robert-Koch-Institut kommt zu eindeutigen Ergebnissen.

Die Deutschen essen laut RKI zu viel Fleisch. Auf die Frage „Essen Sie üblicherweise vegetarisch?“ antworteten lediglich 4,3 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren mit „ja“.
© Alexander Raths/Fotolia.com
Das Thema Ernährung steht im Mittelpunkt der zweiten Ausgabe des neuen „Journal of Health Monitoring“. Mit dieser neuen Online-Zeitschrift hat das Robert Koch-Institut seine Publikationstätigkeit zu Gesundheit in Deutschland seit September 2016 erweitert. Die Beiträge unterliegen einem Gutachterverfahren.

Die neue Ausgabe enthält zwei ausführliche Beiträge zur vegetarischen Lebensweise und zum Stillen sowie vier Faktenblätter zu Vitamin-D-Status, Natriumzufuhr, Folat-Versorgung und Kochhäufigkeit. Kernaussagen der Faktenblätter sind zum Beispiel: 30,2 Prozent der Erwachsenen sind mangelhaft mit Vitamin D versorgt. Gemessen an nationalen und internationalen Empfehlungen ist die Natriumzufuhr in weiten Teilen der Bevölkerung zu hoch. Die meisten Frauen im gebärfähigen Alter erreichen nicht den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Referenzwert für Folat zur Reduzierung des Risikos für Neuralrohrdefekte. Insgesamt bereiten knapp 51 Prozent der Erwachsenen ihre Mahlzeiten täglich oder fast täglich selbst aus frischen Lebensmitteln zu.

Für den Beitrag zur vegetarischen Ernährungsweise haben die RKI-Epidemiologen Daten der Deutschen Erwachsenengesundheitsstudie (DEGS1) ausgewertet. Auf die Frage „Essen Sie üblicherweise vegetarisch?“ antworteten 4,3 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren mit „ja“. Bei Frauen ist diese Ernährungsweise mit 6,1 Prozent stärker verbreitet als bei Männern mit 2,5 Prozent. Außer auf die Verbreitung geht der Beitrag auch ausführlich auf die gesundheitliche Bedeutung der vegetarischen Ernährung ein.

Früher nahmen Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftler an, dass Vegetarier ein höheres Risiko für Nährstoffdefizite haben könnten. Aktuelle Studien zeigen aber eine gesunde Nährstoffbalance bei vegetarisch und auch bei vegan lebenden Menschen. Derzeit wird vor allem das präventive Potenzial einer vegetarischen beziehungsweise überwiegend pflanzlichen Ernährung für chronische Krankheiten wie Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs betont. So konnte auf internationaler Studienbasis gezeigt werden, dass die Verschreibung einer vegetarischen Ernährung helfen kann, den BMI zu reduzieren.

Gesellschafts- und umweltpolitisch werden einer vegetarischen Lebensweise häufig positive Auswirkungen zugeschrieben. Auch aus Public-Health-Sicht wird eine Verringerung des Fleischkonsums in Deutschland als sinnvoll erachtet, da dieser erheblich über der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt. „Diese positiven Effekte würden weiter verstärkt, wenn neben der relativ kleinen Gruppe der Menschen, die ganz auf Fleisch verzichten, eine insgesamt größere Bevölkerungsgruppe ihren Fleischkonsum reduzieren würde“, schreiben die Autoren.

Thema der ersten Ausgabe des „Journal of Health Monitoring“ waren, wie berichtet, der Alkohol-Konsum in Deutschland und die damit einhergehenden gesundheitlichen Probleme. Hauptbotschaften der RKI-Epidemiologen war, dass die alkohol-bedingte Mortalität in Deutschland zwar rückläufig sei. Auch der Anteil an Personen, die in riskanten Mengen Alkohol konsumierten, habe in den letzten drei Jahrzehnten abgenommen. Grundsätzlich seien in Deutschland damit positive Entwicklungen im Sinne der nationalen und internationalen Zielvorgaben zu verzeichnen. Da Deutschland aber nach wie vor zu jenem Viertel der OECD-Mitgliedsstaaten mit dem höchsten Pro- Kopf-Verbrauch an Alkohol zähle, und auch weltweit einen relativ hohen Konsum aufweise, bestehe weiterhin HandlungsbedaDa jedoch Deutschland international einen relativ hohen Verbrauch alkoholischer Getränke aufweise, bestehe weiterhin Handlungsbedarf.

18.12.2016 08:21:43, Autor: Dr. med. Thomas Kron