Onkologie

Sport die beste Therapie bei Krebs-assoziierter Fatigue

Sport, aber auch Yoga, Tai Chi, Qigong und Entspannungsübungen können Krebs-Patienten helfen, die Strapazen einer Strahlentherapie besser zu überstehen. Damit können Patienten einer Fatigue vorbeugen.

Auch wenn die Motivation gering ist: Wer nach oder während einer Krebstherapie an starker Müdigkeit und Erschöpfung leidet, dem kann Sport helfen.
© kzenon, Fotolia.com
Unter der Fatigue, einer quälenden Müdigkeit und Erschöpfung, leiden viele Krebskranke während und nach der Krebsbehandlung – auch nach einer Strahlentherapie. Onkologen wie auch die Strahlentherapeuten der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) raten den Patienten, bereits zu Beginn der Strahlentherapie körperlich und mental aktiv zu werden.

Strahlentherapien verbessern bei vielen Krebserkrankungen die Überlebenschancen. Obwohl die Bestrahlung über die Jahre immer effektiver und schonender geworden ist, bekommen zahlreiche Patienten eine krebs-assoziierte Fatigue. „Die Patienten leiden unter einer großen Erschöpfung, ihre Energiereserven sind rasch verbraucht und bereits geringe körperliche Aktivitäten ermatten sie“, erklärt Professorin Stephanie E. Combs vom Klinikum rechts der Isar in München und Pressesprecherin der DEGRO. Auch Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten kennzeichnen die krebs-assoziierte Fatigue, unter der 60 bis 80 Prozent der Patienten nach einer Strahlen- und/oder Chemotherapie leiden, so die Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie. „Es kann so weit gehen, dass Patienten ihren Beruf nicht mehr ausüben und nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen können“, sagt Stephanie Combs.

Noch ist nicht bekannt, was genau die Fatigue auslöst. Die Behandlung schätzen die Experten als schwierig ein. Medikamente haben sich als weitgehend wirkungslos erwiesen. „Bei manchen Patienten hilft die Einnahme von Ritalin“, sagt Combs: „Antidepressiva haben sich dagegen als ineffektiv erwiesen.“ Einige Betroffene berichteten über eine Besserung durch Ginseng oder Guaraná, andere durch verschiedene Komplementärmedizinische Verfahren, wie beispielsweise Akupunktur.

Auch Meditation und Achtsamkeitsübungen empfehlenswert

Die beste Wirkung erzielen jedoch sportliche Aktivitäten. „In den letzten Jahren haben wenigstens 25 Studien gezeigt, dass Ausdauer- oder Kraftsport, aber auch Yoga, Tai Chi und Qigong den Krebspatienten helfen. Ebenso Walking, Radfahren und Tanzen. „Es kommt weniger darauf an, was die Patienten machen, sondern dass sie überhaupt aktiv werden“, sagt die Strahlentherapeutin. Einige Patienten haben jedoch eine geringe Motivation, da sie in der Fatigue ein Signal des Körpers sehen, sich mehr schonen zu müssen. „Sie betrachten die Erkrankung als einen Wendepunkt und finden sich mit ihrer Erschöpfungssituation ab“, so Combs. Deshalb würden häufig auch psychologische Interventionen helfen. Auch Meditation und Achtsamkeitsübungen seien empfehlenswert. Combs: „Es ist hier wichtig, die Blockade im Kopf zu lösen und den Patienten zu zeigen, dass sich ein aktiver Lebensstil mit Bewegungen für sie lohnt.“ Viele Patienten seien jedoch bereits offen für neue Impulse und nähmen die Empfehlungen gerne an.

Die Radiotherapie ist nach Ansicht von DEGRO-Präsident Professor Jürgen Debus (Universitätsklinikum Heidelberg) ein guter Anlass, mit einem Sport- oder Bewegungsprogramm zu beginnen: „Die Behandlung zieht sich häufig über mehrere Wochen. Die Patienten sind während dieser Zeit krankgeschrieben“, sagt Debus und verweist auf die BEST-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Dort nahmen 80 Brustkrebs-Patientinnen ab dem ersten Tag der Strahlentherapie an einem leichten Krafttraining teil. Über zwölf Wochen trainierten sie zweimal wöchentlich für 60 Minuten in einem Fitnessraum. Nach dem Ende des Trainingsprogramms hatte sich mit der Fatigue auch die Lebensqualität der Patientinnen gebessert. Sie beurteilten ihre Zukunft positiver als die Teilnehmerinnen einer Vergleichsgruppe, die an einem Programm zur Muskelentspannung teilgenommen hatten. Professor Debus fasst zusammen: „Weil die Radiotherapie heute so gut verträglich ist, ermutigen wir unsere Patienten zu körperlichem Training.“

Wichtig sei, dass die Patienten nicht an ihre Grenzen gingen, warnt Debus. Sie sollten nicht mehr als 60 bis 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit nutzen, denn eine zu starke Belastung könne die Fatigue verstärken. Es sei sinnvoll, das Trainingsprogramm mit dem behandelnden Arzt abzusprechen, um das richtige Maß zu finden.


Feb 11, 2016, 10:26:27 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron