Wissenschaftler empfehlen „Sport-Rezept“

Ärzte sollten Patienten Bewegung verordnen

Dass sich viele Menschen zu wenig bewegen, kann viele Ursachen haben, angefangen bei Zeitmangel oder körperlichen Beschwerden bis hin zu schlichter Bequemlichkeit. Dabei ist körperliche Aktivität ein Grundelement, um gesund zu bleiben und Krankheiten vorzubeugen. Als Vertrauensperson ist der Hausarzt wie kaum jemand anderes dazu geeignet, genau das seinen Patienten klarzumachen. Ihm könnte daher als Berater, der viele Menschen erreicht, eigentlich eine Schlüsselrolle zukommen. Doch gibt es sowohl auf Seiten des Arztes wie der Patienten Barrieren, die einer Beratung und Umsetzung oft im Wege stehen.

Die WHO empfiehlt 75 Minuten anstrengende körperliche Aktivität pro Woche.
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Wie Hausärzte solche Beratungsbarrieren überwinden und ihre Patienten erfolgreich zu mehr körperlicher Aktivität motivieren können, haben Forscher um Dr. Mona AuYoung vom Ann Arbor VA Center for Clinical Management Research in den USA in der Fachzeitschrift „The American Journal of Medicine“ zusammengetragen. Zu den Barrieren aus ärztlicher Sicht zählen sicherlich der Mangel an Zeit, der Ärzten pro Patient zur Verfügung steht, eine fehlende Vergütung oder die Notwendigkeit eines routinemäßigen Aktivitäts-Screenings. Gerade ein solches Screening könne jedoch ein guter Einstieg für ein Beratungsgespräch sein, so AuYoung. Vor allem für Ärzte, die sich nicht besonders wohlfühlten, dieses Thema anzuschneiden, könne dies nützlich sein.

Im Anschluss an ein solches Screening könnten Hausärzte ihren Patienten körperliche Aktivität „verschreiben“. Eine solche Verordnung von Bewegung könne veränderungswillige Patienten unterstützen und ihnen dabei helfen, individuelle Faktoren, die sie vom Sport abhalten, zu erkennen und zu beseitigen. So können beispielsweise Ideen für Veränderungen am Arbeitsplatz Arbeitnehmern helfen, sich im Arbeitsalltag mehr zu bewegen.

Bleibt von ärztlicher Seite das Zeitargument. Hier sei es denkbar, verschiedene Möglichkeiten einer Hausarztpraxis zu nutzen, ohne dass dies zusätzliche Zeit des Arztes selbst beanspruche. So könnte zum Beispiel ein anderes Mitglied des Praxisteams das Aktivitäts-Screening durchführen, schlagen die Forscher vor. Denkt man die Arbeitsteilung weiter, wäre es ideal, wenn der Arzt ein „Sport-Rezept“ ausstellt, ein Physiotherapeut oder Trainer einen individuell angepassten Trainingsplan erstellt und ein Verhaltenstherapeut den Patienten begleitet und ihm hilft lokale Möglichkeiten für körperliche Aktivität zu entdecken.

Des Weiteren könnten sich Ärzte Neuerungen wie tragbare Technologien zunutze machen, sagt AuYoung. Hierzu zählen zum Beispiel Fitness-Tracker, Schrittzähler oder spezielle Fitness-Apps für das Smartphone. Mit Hilfe dieser Technologie ließen sich Fortschritte leichter nachverfolgen, was den Arzt wiederum entlaste.

Es sei wichtig, dass Ärzte ihren Patienten bewusst machen, wie wichtig Bewegung ist, ihnen dabei helfen, aktiver zu werden und mehr Sport zu treiben, so die Forscher. Oft sehen Patienten die Möglichkeiten in ihrem Wohnort nicht, haben das Gefühl, keine Zeit zu haben oder lassen sich durch persönliche Einschränkungen entmutigen. Den Autoren zufolge sollten sich die ärztlichen Empfehlungen besonders auf positive Veränderungen des Lebensstils konzentrieren. Veränderungen im Alltag können zum Bespiel beinhalten, dass kleine Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß statt mit dem Auto bewältigt werden. Oder die Nutzung der Treppe statt des Fahrstuhls oder eine Runde Spazierengehen statt Fernsehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene insgesamt 150 Minuten moderates Training pro Woche oder 75 Minuten anstrengende körperliche Aktivität pro Woche plus Kräftigungsübungen an zwei Tagen pro Woche. In den USA erreiche derzeit lediglich die Hälft der Erwachsenen dieses Ziel, schreiben die Autoren der Arbeit. Auch in Deutschland sieht es in dieser Hinsicht nicht besser aus.

Jun 27, 2016, 2:56:59 PM, Autor: Hanke Huber