Oberschenkelfrakturen

Weiterhin hohe Sterberate nach osteoporotischen Hüftfrakturen

Die Rate osteoporotischer Hüftfrakturen hat in den vergangenen 20 Jahren um rund zwei Drittel zugenommen – und das Durchschnittsalter der betroffenen Patienten steigt. Dies zeigen Studien, die auf dem 16. EFORT-Kongress in Prag vorgestellt worden sind.

Osteoporose erhöht das Risiko für hüftgelenksnahe Oberschenkelfrakturen – für ältere Patienten lebensbedrohlich. © rob3000

Die Sterberate nach hüftgelenksnahen Oberschenkelfrakturen ist trotz aller therapeutischer Fortschritte nach wie vor hoch; Männer haben ein höheres Mortalitäts-Risiko als Frauen. So kamen nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Saragossa 1989/1990 auf 100.000 Einwohner 98 osteoporotische Hüftfrakturen; 20 Jahre später waren es bereits 159. Das Durchschnittsalter der Patienten stieg von 80,3 Jahren 1989/1990 auf 82 Jahren im Zeitraum 2009/2010.

„Wir stellten nicht nur einen Anstieg von Inzidenz und Durchschnittsalter fest, sondern auch eine Veränderung im Strukturbild von Hüftfrakturen. Es kam in den vergangenen 20 Jahren zu einem signifikanten Anstieg dislozierter Frakturen, Trümmerbrüche und instabiler Trochanterfrakturen. Der Anteil nicht dislozierter Frakturen hingegen ging zurück“, so Studienautorin Dr. Marina Angulo Tabernero. Der Anstieg der Häufigkeit von Frakturen, bei denen Hemi-Endo-Prothesen (HEP) eingesetzt werden, sei der Hauptgrund für steigende Kosten in der Hüftchirurgie. „Ältere Menschen haben eine größere Morbidität und benötigen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine längere Hospitalisierung“, so Tabernero.

Auch die Prävalenz hüftgelenksnaher Oberschenkel-Frakturen nimmt zu, und die Mortalitätsrate bei solchen Frakturen ist weiterhin hoch. Zu dieser Schlussfolgerung kam eine weitere Studie, die auf dem Kongress der „European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology“ vorgestellt wurde.. Die Autoren untersuchten prognostische Faktoren in Korrelation mit der Sterberate nach proximalen Femurfrakturen; ausgewertet wurden Daten von 1.558 Patienten, die zwischen Anfang 2005 und Ende 2012 am Zentrum für traumatologische Orthopädie (CTO) Turin aufgenommen wurden. „Nach einer chirurgischen Versorgung der Brüche lag die Mortalitätsrate nach 30 Tagen bei vier Prozent, nach sechs Monaten waren es 14,1 Prozent, und nach einem Jahr stieg sie auf 18,8 Prozent an“, so Studienautorin Dr. Federica Rosso. „Systemische Entzündungsreaktionen und die Immobilisierung nach der Operationen sind zentrale Ursachen für die steigende Mortalität nach Hüftfrakturen.“

Sowohl Alter als auch Zeitpunkt des operativen Eingriffs haben einen Einfluss auf das Mortalitätsrisiko: „Ein Alter von weniger als 74 Jahre korrelierte mit einer geringeren Ein-Jahres-Mortalität, ebenso wie ein operativer Eingriff innerhalb von 48 Stunden nach der Aufnahme. Hinsichtlich der Mortalitätsrate nach 30 Tagen und nach sechs Monaten konnte jedoch kein Zusammenhang mit dem Operationszeitpunkt nachgewiesen werden. Bei Männern, insbesondere mit mehr als zwei Begleiterkrankungen, wurde eine höhere Sterberate nach sechs Monaten und nach einem Jahr festgestellt als bei Frauen“, fasste Rosso zentrale Ergebnisse der Studie zusammen.

Die Studie unterstreiche somit, dass „chirurgische Eingriffe innerhalb von 48 Stunden nach der Klinikaufnahme erfolgen sollten, um das Mortalitätsrisiko zu senken. In jedem Fall sollten chirurgische Eingriffe innerhalb von drei Kalendertagen nach Aufnahme durchgeführt werden“, so Rosso. Insbesondere für kleinere Krankenhäuser sei die Einhaltung einer 48-Stunden-Frist für Operationen von hüftnahem Frakturen und Hüftfrakturen angesichts der steigenden Prävalenz eine große Herausforderung. Rosso: „Zudem nehmen viele Patienten Antikoagulantien, was deren Operationseignung beeinflussen kann. Auch wenn vermehrt auf Prävention gesetzt wird, so werden Hüft- und Oberschenkelfrakturen bei älteren Menschen ein zunehmendes Problem darstellen, das somit steigende Kosten für das Gesundheitssystem verursachen wird.“

May 29, 2015, 11:10:43 AM, Autor: Dr. med. Thomas Kron