Wachsender Bedarf

Uni Mainz setzt auf autologe Serumaugentropfen

Seit genau zwei Jahren stellt die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz in Zusammenarbeit mit der Augenklinik sowie auswärtigen Kliniken und niedergelassenen Ärzten autologe Serumaugentropfen her. Zeit für ein erstes Fazit – und das fällt nach Angaben der Transfusionszentrale durchweg positiv aus.

Circa 14.000 Einzeldosis-Ophtiolen produziert die Zentrale in Mainz gegenwärtig pro Jahr.
© Transfusionszentrale der Uni Mainz
Die aus Eigenblut gewonnenen Serumaugentropfen dienen der Therapie des schwer trockenen Auges zum Beispiel nach Verbrennungen oder Verätzungen. Gegenwärtig werden in Deutschland jährlich insgesamt rund 53.000 Einzeldosis-Ophtiolen hergestellt. Davon produziert die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz inzwischeng mit circa 14.000 Einzeldosis-Ophtiolen mehr als ein Viertel. Mittlerweile beziehen Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet autologe Serumaugentropfen aus Mainz.

„Augentropfen aus eigenem Blut wirken bei starker Trockenheit besser als handelsübliche Produkte. Sie regenerieren und pflegen die Hornhaut besonders effektiv auf Basis der körpereigenen Substanzen. Damit tragen sie zu einer beschleunigten Abheilung von Defekten an der Augenoberfläche bei“, unterstreicht der Direktor der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Walter Hitzler. „Für zahlreiche Patienten stellen autologe Serumaugentropfen die einzig wirksame Behandlung dar, und wir freuen uns, dass wir seit zwei Jahren das Know How haben, um diesen Menschen helfen zu können“, resümirt Hitzler.

Serumaugentropfen sind Arzneimittel und bedürfen einer Herstellungserlaubnis nach dem Arzneimittelgesetz. Es handelt sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament. Die Herstellung der Serumaugentropfen erfolgt auf der Grundlage strenger gesetzlicher Bestimmungen. So erfolgt die Blutentnahme in einem geschlossenen sterilen Blutbeutelsystem. Gleiches gilt für die Weiterverarbeitung und den Prozess bis zur Bereitstellung der Einzeldosis-Ophtiolen. Bei der Weiterverarbeitung werden die Serumaugentropfen tiefgefroren und sind tiefgekühlt gelagert 16 Wochen haltbar. Pro Blutentnahme lassen sich bis zu 120 Einzeldosis-Ophtiolen herstellen.

„Im Vergleich zu herkömmlichen Augentropfen aus der Apotheke, gilt es beim Verpacken und beim Transport der autologen Serumaugentropfen einiges zu beachten: Beides erfolgt tiefgekühlt mit Trockeneis in einer Styroporbox“, so Hitzler. Auch die Lagerung unterliege bestimmten Anforderungen. Die autologen Serumaugentropfen sollen vom Patienten bei -20 Grad Celsius zuhause in einem Tiefkühlfach gelagert werden.

Was die autologen Serumaugentropfen unter medizinischen Gesichtspunkten so wertvoll mache, sei die Tatsache, dass einige darin enthaltene Proteine auch Bestandteil der Tränenflüssigkeit sein. „Ein paar dieser Proteine wie beispielsweise Immunglobuline, Albumin, Fibronektin und Wachstumsfaktoren spielen bei dem Heilungsprozess der genannten Erkrankungen eine entscheidende Rolle. Sie begünstigen die Proliferation, Migration und Differenzierung der Epithelzellen von Horn- und Bindehaut und fördern so den Heilungsprozess“, so der Direktor der Transfusionszentrale.

08.04.2015 09:06:51, Autor: js