Metaanalyse

Unspezifische Rückenschmerzen: Was bringen Patienten-Schulungen?

Als wichtige Therapie-Säule bei Patienten mit akuten unspezifischen Rückenschmerzen gelten Aufklärung über die „Harmlosigkeit“ der Erkrankung sowie schriftlichen und verbalen Informationen darüber, was man als Betroffener selbst dagegen tun kann. Aber bringt diese Patienten-Schulung wirklich etwas?

Ein Team australischer und deutscher Forscher ist dieser Frage mit Hilfe einer Analyse von mehreren Studien dazu nachgegangen. Das Ergebnis der im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ publizierten Metaanalyse: Die Intervention nützt tatsächlich etwas; Befürchtungen und Ängste der Betroffenen, an einer schweren, eventuell sogar lebensbedrohlichen Erkrankung zu leiden, können gemindert werden. Der Effekt ist aber nicht sehr ausgeprägt.

Dies spricht allerdings nicht gegen diese Intervention, denn die Datenlage ist insgesamt relativ dürftig; und ob eine Metaanalyse von doch recht heterogenen Studien bei dieser Fragestellung überhaupt weiterführen kann, ist zumindestens in Frage zu stellen.

Die Autoren um den Erstautoren Dr. Adrian C. Traeger (University of New South Wales in Sydney) haben 12 kontrollierte Studien ausgewertet, in denen der Effekt der Patienten-Schulung auf Parameter wie etwas Angst, Sorgen und Inanspruchnahme medizinischer Hilfe mit Fragebögen untersucht wurde. Die Studien mit insgesamt rund 3000 Teilnehmern stammen aus den USA und mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Die Beobachtungsdauer betrug bis zu 12 Monate.

Die Auswertung ergab zum einen, dass die Patienten-Schulung im Vergleich zur „normalen hausärztlichen Versorgung“ Parameter wie Angst und Sorgen minderte. Auch die Zahl einer erneuten Inanspruchnahme medizinischer Hilfe innerhalb von 12 Monaten war in der Interventionsgruppe geringer. Die Autoren errechneten, dass eine Schulung von 17 Patienten eine Inanspruchnahme medizinischer Hilfe wegen Rückenschmerzen verhindert. Zum anderen ergab die Metaanalyse, dass eine Patienten-Schulung durch Ärzte effektiver ist als durch Physiotherapeuten oder Pflegekräfte.

Der in der Metaanalyse ermittelte Effekt sei aber relativ klein, schreibt Dr. Roger Chou (Oregon Health & Science University in Portland) in einem begleitenden Kommentar.

Auch sei die Aussagekraft der Metaanalyse wie der ausgewerteten Studien aus mehreren Gründen eingeschränkt; so sei, um nur ein Beispiel zu nennen, eine Verblindung bei solchen Studien zur Patienten-Schulung sehr schwer; und da der Nutzen einer solchen Schulung sehr stark von den kommunikativen Fähigkeiten des jeweiligen Therapeuten abhänge, sei auch eine Generalisierung solcher Studien-Effekte in Frage zu stellen.

Gleichwohl liefern die Ergebnisse der Metaanalyse einen wertfvollen Hinweis darauf, dass eine relativ einfache Intervention wie die Patienten-Schulung mit verbalen und schriftlichen Informationen und Ratschlägen, die Befürchtungen oder gar Ängste mancher Patienten mindern und so eventuell auch einer Chronifizierung der Schmerzen vorbeugen könne. Insgesamt liefert die Metaanalyse trotz aller Einschränkungen einen weiteren Hinweis darauf, dass bei Patienten mit akuten unspezifischen Rückenschmerzen weniger mehr sein kann.

24.03.2015 11:47:34, Autor: Dr. med. Thomas Kron