Buch: Der große Bluff

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Sie sind die Nepper, Schlepper und Bauernfänger im Gesundheitswesen: Alternativmediziner, Esoteriker und Wunderheiler, die für teuer Geld versprechen, dass jede Krankheit einfach und schnell geheilt werden kann. Sie verteufeln die Schulmedizin und verbreiten Panik vor konventionellen Methoden. Weil die Schulmedizin Schwerstkranke angeblich tötet. So schwören sie zum Beispiel auf Homöopathie bei Krebspatienten und raten von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung ab. Oder sie behaupten sogar, dass man mit hochdosierten Vitaminen nicht nur bösartige Tumore verschwinden lassen, sondern selbst Aids heilen kann.

Von den Opfern dieser Scharlatane hört man immer wieder in den Medien, wenn etwa Eltern mit ihrem todkranken Kind zu einem Guru ins Ausland flüchten, der mit Handauflegen und energetischer Arbeit diesen wehrlosen Menschen gesund machen möchte, ihn aber damit letztlich zum Sterben verurteilt. Es sei denn, die Behörden greifen noch rechtzeitig ein und entziehen den Eltern das Sorgerecht, um das Leben des Kindes zu retten. Solche krassen Fälle sind aber nur die Spitze des Eisbergs, der sich alternative Medizin nennt. Es fängt ja schon im Kleinen an, nämlich im Alltag eines jeden von uns: Schüßler-Salze statt Arztbesuch, Bachblüten statt Medikamenten, Homöopathie statt Impfung. Hinzu kommen Mondkalender, Edelsteine, Kristalle, Pendel, Wünschelrute und was der esoterische Markt zur Steigerung des eigenen Wohlbefindens sonst noch so zu bieten hat. Die Methoden sind vielfältig und unterscheiden sich in ihren Weltanschauungen, haben aber dennoch zwei gemeinsame Nenner: Sie sind teuer – und wissenschaftlich nicht bewiesen.

Mit dieser Wunderwelt der Alternativmedizin räumt der Dermatologe Dr. Theodor Much nun in seinem Buch „Der große Bluff“ gründlich auf. Und der Mann weiß, wovon er spricht, denn er ist selbst jahrelang auf den großen Betrug hereingefallen und hat seinen Patienten Alternativen angeboten. Bis er merkte, dass das ganze Wunderzeug nicht hilft. Nicht mal als Ergänzung zur Schulmedizin. Deswegen hat sich Much mit so ziemlich jeder esoterischen Heilrichtung beschäftigt, damit er sie nun in seinem Buch zusammen mit seinen Koautoren (Medizinjournalistin Krista Federspiel, Mathematikprofessor und Science-Blogger Ulrich Berger und der Apotheker Edmund Berndt) fundiert widerlegen kann.

Am Anfang des Buches steht eine kleine Einführung in die Welt der Medizin des Mittelalters. Das klingt erst einmal weit hergeholt, aber schnell wird deutlich, dass sich die damaligen Behandlungsmethoden von denen der heutigen Esoterikanhänger kaum unterscheiden. Der einzige Unterschied: Damals wusste man es einfach nicht besser. Umso erschütternder ist es, dass selbst heute noch Menschen auf Signaturlehre und Astrologie vertrauen, statt sich nach dem neusten Erkenntnisstand der modernen Medizin behandeln zu lassen.

Was folgt, ist eine fast schon detektivische Beweisführung von Theodor Much. Ob nun Homöopathie, Frischzellentherapie, Heilfasten, Reiki, Bioenergetik, Ayurveda, Geistheilung, Irisdiagnostik, Sauerstoff-Ozon-Therapie oder Osteopathie – Much führt sämtliche Facetten aus der schillernden Welt der Alternativmedizin auf, erklärt ihre Ursprünge und beschreibt, was welche Methode warum und wie verspricht. Und dann zeigt er, wie es wirklich ist. Much wird nicht müde, jedes kleine Detail unter die Lupe zu nehmen und zu erklären, warum etwas nicht wirken kann und wo die einzelnen Denkfehler der jeweiligen Methode verborgen liegen. Dabei führt Much aber keinen Kreuzzug gegen die Alternativen zur klassischen Schulmedizin, denn er bleibt in seiner Argumentation immer sachlich und ganz nah am Thema. Er zeigt lediglich auf, dass die zumeist wirkungslosen Alternativmethoden nur einen Effekt für deren Anwender haben: Sie sind teuer. Lassen Sie sich also von all den Scharlatanen nicht das Geld aus der Tasche ziehen, sondern vertrauen Sie Ihre Gesundheit lieber einem richtigen Arzt an. Denn der weiß, was er tut.

06.05.2013 14:20:31, Autor: Nicole Korzonnek / durchblick gesundheit April–Juni 2013