Kritik am TSVG

Das denken Ärzte über die Spahn-Reform

Gegen das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geplante „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ (TSVG) laufen Ärzte im ganzen Land Sturm. Sie warnen vor einem Schritt in Richtung Staatsmedizin, unverhältnismäßigen Eingriffen in die Praxis-Organisation und problematischen Folgen für chronisch Kranke. Wir haben nun die üblichen Stellungnahmen von Funktionären beiseite geschoben – und fragen die Ärzte direkt in den Praxen: Was stört Sie an der Spahn-Reform?

Halt - dieses Gesetz gefährdet nach Auffassung der Ärzte die Freiheit der Praxen und eine gute Patientenversorgung.
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Nach einem entsprechenden Aufruf trudeln nun täglich neue Antworten von Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten aus allen Regionen ein – authentische Stimmen von Menschen, die tagtäglich die Versorgung der Patienten in Deutschland übernehmen. Sie wollen Patienten, Politikern und Medien öffentlich und unter vollem Namen vor einer gefährlichen Fehlentwicklung warnen.

Im Folgenden finden Sie die ersten Stellungnahmen in einer Übersicht, die laufend ergänzt wird:

Warum sind Sie gegen das Spahn-Gesetz, Herr Doktor?

- Für Notfälle habe ich immer offene Sprechzeiten gehabt. Pflichtsprechstunden, in denen keine anderen Patienten einbestellt werden, sind Unsinn. Wenn dann kein Patient kommt, sitze ich vor einem leeren Wartezimmer und kann dafür keine Patienten einbestellen. Dann werden noch weniger Patienten behandelt. Arzt in der Praxis ist ein freier Beruf. Ich möchte meine Termine so festlegen, wie ich arbeiten will. Wenn ich weniger arbeite, verdiene ich auch weniger. Sonst kann man Ärzte gleich als Beamte einstellen. Sie haben dann feste Dienstzeiten, Urlaubsansprüche und eine schöne Pension. Die Politik muss sich nur festlegen.
Dr.Albert Sinner, Augenarzt, 69412 Eberbach

- Das TSVG ist in meinen Augen ein bürokratisches Monster, welches sich in keiner Art positiv auf die Parientenversorgung auswirken wird. Im Gegenteil. Es wäre wesentlich sinnvoller, vernünftige Rahmenbedingungen für eine effiziente Arbeit am Patienten zu schaffen. Außerdem ist das TSVG ein Frontalangriff auf meine Freiberuflichkeit: Ich trage das volle Risiko und muss mir vorschreiben lassen, wie ich zu arbeiten habe?
Herbert Meuser, HNO-Arzt 33758, Schloß Holte-Stukenbrock

- Das Erstzugangsrecht soll den Psychotherapeuten genommen werden. Das bedeutet unzumutbare Belastungen für Patienten. Statt die Versorgung zu verbessern, werden neue Hürden aufgebaut. Darüber hinaus werden Psychotherapeuten diskriminiert und in ihrer Kompetenz beschnitten.
Anne-Marie Schlösser, Psychologische Psychotherapeutin und Psychoanalytikern, Göttingen

- Bevor Sprechstundenzeiten zwangsweise ausgeweitet werden, sollten erst mal alle Leistungen bezahlt werden: Ende der Budgetierung. Quantität vor Qualität zu stellen, war schon immer ein Irrweg. Weitere Eingriffe in die Freiberuflichkeit sind nicht mehr tragbar, deshalb auch die Republikflucht.
Dr. V. Berges, Orthopädie, München

- Das TSVG verschleiert die tatsächlichen Probleme und wird diese nicht lösen.
Dr. Annette Berndt, Internistin (Hausarzt), Dresden

- Ich möchte gerne weiterhin Herr über die Organisation meiner Praxis bleiben. Ich möchte weiterhin Termine nach Dringlichkeit vergeben und nicht mir von einer TSS aufdrücken lassen. Ich habe ohnehin täglich 7 bis 10 Puffertermine für akute Fälle. Diese Arbeitsweise hat sich in 30 Jahren zu meiner und der Zufriedenheit meiner Patienten bewährt. Ich brauche weder Spannung und seinen unreflektierten Aktivismus noch eine TSS, die mir meine eingespielten Abläufe durcheinander bringt.
Jost Wilhelm, HNO, Berlin

- Das TSVG löst aus meiner Sicht das Problem nicht.
1. Wir haben eine gut funktionierende Frauenarztpraxis mit Bestellsystem, reguläre Termine gibt es mit 4 Wochen Vorlauf. Bei dringenderen Fragestellungen, zB. Schwangerschaft, gibt es eher einen Termin, Notfälle nehmen wir jeden Morgen 8 Uhr dran. Das wissen die Patienten auch.
2. Es gibt jeden Tag 2-4 Patienten, die einen Termin erhalten haben, diesen aber nicht wahrnehmen. Dieser Termin fehlt dann mögl. anderen.
3. Die Öffnungszeiten der Praxis spiegeln nicht wieder, was vor und nach Sprechstunde noch erledigt wird, an Administration, Telefonaten mit Pat., Befunden, amb. Operationen. Wir arbeiten mehr als an der Tür steht und sind nicht auf dem Golfplatz zu finden.
4. Wenn ich am Quartalsende feststellen muss, dass ich die hinterlegte Arbeitszeit von 840 Stunden überschreite, oder das Regelleistungsvolumen überschritten habe, dann sind es nur noch die netten Patienten und die Liebe zu meinem Beruf, die mich weitermachen lassen. Wenn endlich der Deckel vom Budget-Topf genommen würde, wäre das vermeintliche Problem nur halb so groß.
Gruß aus Rostock. Dr. Carolyn Troeger, Frauenärztin, Rostock.

- Terminvergabe ohne Sachbezug und Rückfrage sind gerade im urologischen Bereich ohne Sinn und Verstand, eine Vergabe über "Callcenter" halte ich für unangemessen, sind sicher im Einzelfall möglich, aber in unserem städtischen Umfeld nicht erforderlich!
Dr.Bick, Urologe, Bremen

- Die Terminknappheit in meiner Fachgruppe hat eine Eigendynamik entwickelt: Patienten vereinbaren in mehreren Praxen Termine, suchen sich dann den Termin aus, der Ihnen am besten passt, ohne die anderen Termine abzusagen. Die Folge: Noch nie hatten wir so lange Anmeldezeiten und gleichzeitig so viele Leerstände. Freie Termine, die wir der KV melden, werden überdurchschnittlich häufig nicht wahrgenommen und nicht abgesagt – freilich ohne dass wir hieraus einen Entschädigungsanspruch gegen die KV ableiten können. Überaus misslich wäre, dieses Verfahren, das seine Dysfunktion bereits bewiesen hat, noch weiter auszubauen. Speziell in meiner Fachgruppe ist dies ohne den direkten Kontakt mit dem Patienten auch gar nicht möglich, weil wir Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahmen und mögliche Kontraindikationen direkt erfragen müssen, um das geeignete Untersuchungsverfahren auswählen zu können oder zu ermöglichen. Solche Fragen können einer Servicestelle nicht gestellt werden, weil deren Mitarbeiter davon schlichtweg keine Ahnung haben. Die unausweichliche Folge wären frustrane Termine in großer Zahl, verärgerte Patienten, weitere Leerstände, noch längere Anmeldezeiten – siehe oben unter Eigendynamik.
Jochen Wintzer, Radiologe in Bielefeld

- Wir haben in unserer Gemeinschaftspraxis seit Jahren eine Notfallsprechstunde von einem Zeitfenster von 30 bis 60 Minuten während der Mittagszeit integriert. Die Patientinnen mit akuten Beschwerden rufen morgens an und bekommen in der Regel am gleichen oder nächsten Tag einen Notfalltermin. Eine Notwendigkeit von extern organisierten Terminen, die im Verwaltungsaufwand viel Geld kosten, besteht meines Erachtens nicht.
Dr. Chris Schlicker, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Remscheid

- Wir sind auch wichtige Arbeitgeber, die wohnortnah und familienfreundliche Arbeitsplätze vorwiegend Frauen bieten können. Wir hatten früher offene Sprechstunden, da kamen dann 10.30 Uhr oder später oft 12, 14 manchmal 16 Patienten, die hübsch ausgeruht und befrühstückt alle noch drankommen wollten. Die Sprechstunde ging dann sehr lange. Jetzt rufen die Patienten zwischen 8 und 9 Uhr an, müssen dann schonmal die Wahlwiederholungstaste drücke, bekommen dann aber einen schnellen Termin ohne lange Wartezeit. Ich finde, man kann uns die Praxisorganisation ruhig selbst überlassen.
Dr. Christine Hermann, Allgemeinmedizin, Renningen

- 5 freie Notfallsprechstunden pro Woche, Erhöhung der Sprechstundenzeit auf 25h pro Woche: Wo soll das hinführen? Ich biete 23h Sprechzeit pro Woche an, liege immer 10 % über dem Durchschnitt der Fallzahlen. Sollen wir noch mehr umsonst arbeiten? Das Honorarverteilungsvolumen wurde jetzt auch eingefroren. Wenn 25h Sprechzeit pro Woche kommen, dann arbeite ich langsamer, ich werde aber sicher nicht noch mehr Patienten behandeln. Irgendwann geht es auch auf die Gesundheit der Ärzte. Durch mehr Sprechzeiten werden nicht mehr Patienten behandelt werden. Wer soll die Extrabudgetierung für Notfälle regeln? Das ist ein riesiger, teurer bürokratischer Aufwand!! Herr Gassen hat recht: Durch Wegfall der Budgetierung wird sich Angebot und Nachfrage regeln. Ich bin ausdrücklich für den Wegfall des Budgets!! Die Ausweitung der Terminservicestellen halte ich für Unsinn. Ich halte pro Woche 2 Termine für Notfälle von der KV vor. Innerhalb eines Jahres sind 2 Patienten angekündigt worden, die hier nie!!! aufgetaucht sind. Was für ein teurer Schwachsinn!! Viele Grüße aus Berlin,
Dr. Christine Sedlatzek, FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe, Berlin

- Das TSVG ist eine weitere Zwangsmaßnahme, die davon ausgeht, dass die Ärzte ungezogene Kinder sind, die man erziehen muss. Motivierungsmaßnahmen würden Geld kosten, daher erfolgen diese nicht. Wir Ärzte tun unser Bestes, um unsere Patienten gut zu versorgen. Patienten verstehen das und erwarten in der Regel keine Rundumversorgung, die sie auch selten brauchen. Wenn etwas notfallmäßig geschehen muss, geschieht es auch in unserem Land. Das Gesetz ist populistisch, zeigt mit dem Finger auf die "faulen, wohlhabenden" Ärzte, um damit von den strukturellen Mängeln im Gesundheitssystem abzulenken. Ich als Psychotherapeutin habe, seit die Richtlinien verändert wurden, mehr als mein Soll an Sprechstunden für neue Patienten erfüllt. Weitere Gängelungen, auch für meine organmedizinisch tätigen Kollegen, sind ein Schlag ins Gesicht der Selbstverwaltung und dienen keineswegs der besseren Versorgung, weil die überwältigende Mehrheit der Ärzte ihren Beruf sehr ernst nimmt und nicht "mittwochs golfen geht", sondern ohnehin schon mehr Sprechstunden anbietet bzw. mehr arbeitet, als der eigenen Gesundheit dienlich ist. Das Gesetz dient letztlich nur der weiteren Aushöhlung der jetzigen Versorgungsstruktur - hin zu Klinikambulanzen und MVZs und der Abschaffung des Facharztsystems. Am Ende dieser Entwicklung steht eine Staatsmedizin wie in GB. Und wie gut die für die Patienten funktioniert, davon möge sich jeder selbst überzeugen. Es geht bei dem TSVG nicht um die bessere Versorgung der Patienten - es geht darum, mit noch mehr Reglementierung und Bürokratisierung ein System zu schaffen, das angeblich mehr Versorgungssicherheit schafft - doch die Versorgung wird dadurch eher schlechter werden. Dass in Kauf genommen wird, den Ärztestand systematisch und fortgesetzt zu verleumden und schlecht zu reden, ist an sich schon ein Armutszeugnis - aber eben gängige politische Praxis: "Fake News" im schlimmsten Wortsinne.
Christine Nirschl, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Pöcking bei Starnberg

- Es bringt einen Flut an zusätzlicher Bürokratie, anstelle einer einfachen Lösung – nämlich die Abschaffung der Budgetierung. Dann gäbe es keine Terminprobleme! Auch müssten die Regresse und Plausibilitätsprüfungen abgeschafft werden. Dann kann jeder Arzt so viel arbeiten wie er möchte oder kann.
C. Feld, Chirurg und Unfallchirurg, Siegen

- ...ein aktuelles Zitat von meiner Homepage: www.dr-oberbillig.de: „Aus aktuellem Anlass: Durch Nichterscheinen von 5 Neupatienten seit 03.01.2019 konnten wir aktuellen Notfällen nur eingeschränkt helfen.“ Angesichts dieses Verhaltens ist die Forderung nach Terminservicestellen wegen mangelnder Facharzttermine eine Farce!! Hinzuzufügen ist eine weitere Nichtinanspruchnahme eines NEUTERMINS trotz vorherigem Anruf einen Tag zuvor und der Zusage des Kommens. Aus meiner Sicht MÜSSEN die Krankenkassen ihren Mitgliedern mitteilen, dass in den AGB steht, dass sie einer "Mitwirkungspflicht" unterliegen. Ich werde nach den Erfahrungen der ersten 10 Tage in diesem Jahr NICHT an den Terminservicestellen teilnehmen und empfehle das auch allen anderen KollegInnen.
Dr. med. Claus Oberbillig, Facharzt für Orthopädie, Wiesbaden

- Das TSVG wird die Freiheit der Ärzte als Freiberufler beschneiden, aber vor allem wird es keinerlei Nutzen haben: Patienten mit akuten Beschwerden kommen auch jetzt in die Praxis – und abhängig von den Beschwerden – zu ihrer Behandlung. Freie Sprechstunden können auch nur begrenzt Patienten aufnehmen. Die, die nicht mehr rangenommen werden können, werden unzufriedener sein als vorher. Viele Praxen arbeiten mehr als die offizielle Sprechstundenankündigung, um überhaupt irgendeinmal Feierabend zu haben. Wie wollen Hausbesuche und OPs mit erfasst werden? Und letztendlich findet sich sicher auch ein Weg, dem neuen Gesetz nur auf dem Papier zu entsprechen, die Psychotherapeuten machen es vor. - Alles in allem bloß den Steuerzahler belastende, Unzufriedenheit stiftende Schaumschlägerei.
Irina Cleemann, Frauenärztin, Berlin

- Meines Erachtens handelt es sich beim Arztberuf zumindest offiziell immer noch um einen sog. freien Beruf - keiner hat das Recht, sich hier in die Termingestaltung einzumischen. Natürlich haben wir einen Versorgungsauftrag und diesen nehmen wir ernst. Aber wer fragt uns, wie viel Zeit wir mit Nichtigkeiten zubringen müssen, die leider zeitlich gar nicht dargestellt werden? Und ich rede hier nicht von der obligaten Fortbildung, die zumeist in der "Freizeit" stattfindet - das machen wir doch gerne! Es geht auch darum, dass es wie überall, ein Nehmen und ein Geben ist und dass die Entwicklungen der Gesundheitspolitik in den letzten Jahren die Wertschätzung unseres Berufsstandes stark untergraben haben - und es ist doch die Wertschätzung, die uns neben dem Honorar weitermachen lässt. Die zunehmende Fremdbestimmung untergräbt die Wertschätzung unseres Berufs und das ist ganz schlecht für unsere Motivationslage.
Dr. Frank-Jürgen Wosch, Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner, Hanau

- Vehementer Eingriff in meine eigene Praxisorganisation und Freiberuflichkeit: - zu meldender Termin blockiert eigene Terminvergabe - Fremdentscheidung über Notwendigkeit -Patientenentscheidung über medizinische Notwendigkeit der fachärztlichen Behandlung.
Dr. Dorothee Appel, Fachärztin für Orthopädie, Wiesbaden

- Aus meiner Sicht, d.h. was mich und die mir bekannten Kollegen betrifft, sind wir alle gerade am Limit. Die, deren Lebenssituation (Familie, Gesundheit) es zulässt, arbeiten ohnehin bereits weit mehr als 25 Stunden, diejenigen, die - wie ich - "nur" 20 Stunden arbeiten, tun dies nicht, weil sie faul sind, sondern weil ihre derzeitige Lebenssituation es nicht anders zulässt. Meist handelt es sich dann - wie in meinem Fall - um Mütter mit Kindern, die -stets kurz vorm Burn-Out - versuchen, Familie und Beruf/Selbständigkeit, unter einen Hut zu bekommen. Und die Medizin - auch die ambulante - wird zunehmend weiblich! Sollte ich gezwungen werden, mehr als 20 Stunden Sprechzeit anzubieten, muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich das noch leisten kann (und auch will, da die Selbständigkeit mit Personalkosten und -verantwortung auch eine Zusatzbelastung zur medizinischen Tätigkeit darstellt), oder ob ich mir dann eben doch (auch aus Rücksicht auf meine Familie) einen anderen Aufgabenbereich suchen und mich aus der ambulanten Versorgung zurückziehen muss. Klar kommt dann als Gegenargument: Dann gib doch einen halben Sitz ab. Aber meine Kinder werden auch irgendwann groß, so dass ich dann wieder mehr arbeiten kann - aus diesem Grund (da man ja nicht weiß, wie sich der Arbeitsmarkt bzw. die Versorgungssituation entwickeln wird) habe ich eben gleich einen ganzen Sitz übernommen, mit der Option zu gegebener Zeit meine Sprechzeiten auch auszuweiten. Das Gesetz in seiner jetzigen Form wird die Situation eher deutlich verschärfen, da die Hürde, sich niederzulassen, noch höher gesetzt wird.
Dounia Ben Salah, hausärztlich tätige Internistin, Bietigheim-Bissingen

- Dieses Gesetz vermittelt den Eindruck, als ob es an faulen Ärzten liegt, dass die Wartezeiten ansteigen, statt die wirklichen Probleme anzupacken: 1. Ein Budget 2. Zu wenig Arztzeit.
Zu 1.: Begrenzte Mittel führen immer zu begrenzten Leistungen! Trotzdem arbeiten die Ärzte weiterhin mehr als das Budget hergibt, so dass im Schnitt 10-20% der Leistungen UNENDGELTLICH erbracht werden. Zu 2.: Immer mehr von den älteren Kollegen gehen in Rente. Das Risiko einer eigenen Praxis wollten bei dieser Politik immer weniger jüngere Kollegen eingehen. Stattdessen wird dann eine Anstellung z.B. in einem MVZ gesucht, halbtags, oder mit maximal 40 Arbeitsstunden in der Woche, statt wie in einer eigenen Praxis üblich 50-60 Stunden. Übrigens 25 Stunden im TSVG vorgeschriebene Sprechzeit, das hieße dann für mich und die allermeisten Kollegen, die Zeiten EINZUSCHRÄNKEN. Auch wenn ich es für die Patienten bedauere: Bei der geringen Wertschätzung, die die tägliche Arbeit in der Praxis durch die Politik erfährt, spiele ich immer mehr mit dem Gedanken die Arbeitszeit tatsächlich auf Budgetniveau herunter zu fahren.
Dr. Schwarzhoff, Gastroenterologe, Elmshorn

- Seit 1980 habe ich unter mehreren politischen und organisatorischen Bedingungen ambulant gearbeitet. Keine organisatorische Form hat sowohl die Ärzte, Mitarbeiter oder Patienten befriedigt. Eine Tatsache habe ich aber gelernt: Ernsthaft kranke Patienten hatten keine Probleme mit Wartezeit, Termin oder Entfernung zur Behandlungseinrichtung. War eine Weiterbehandlung dringend notwendig, habe ich die Patienten zu einem mir als kompetent erachteten Kollegen persönlich weitergeleitet. Ich bin fast nie enttäuscht oder abgewiesen worden. 1980- 1992 gab es wesentlich weniger Ärzte und danach gab es auch keine wesentlichen Engpässe aber gesundheitspolitische Regularien , Kürzungen, Regresse , Diffamierungen und Journalisten und Juristen , die die Arbeit weniger schwarzer Schafe verallgemeinerten und alle anderen Mitarbeiter unter Genaralverdacht stellten. Fragt die Patienten zu einem bestimmten Arzt, bei dem sie in Behandlung sind und klärt die Anschuldigungen.
Dr. Hegenscheid/ Gynäkologe

- Ich habe über Jahre nur an 2 halben Tagen der Woche Sprechstunden mit Terminvergabe (einmal für Babys und Kleinkinder, einmal für Privatpatienten, damit die mir nicht in die Kassensprechstunde reinplatzen). An den anderen Tagen bestand freie Sprechstunden mit täglichen Arbeitszeiten bis zu 12 Stunden. Dabei waren die Wochenend- und Mittwochnachmittags-Notfalldienste nicht mitgerechnet. Das waren in der Regel durchschnittlich 30-35 Sprechstunden pro Woche. Das führte regelmäßig zu Überschreitungen der Fallzahlen im Fachgruppendurchschnitt, so dass ein großer Teil der Arbeit wegen Fallzahlbegrenzung und Regelleistungsvolumina nicht oder nur geringfügig vergütet wurde. Nach einem Regress von über 120.000 DM und einem Schlaganfall wurde vieles anders... Idealismus und Motivation waren grundlegend und nachhaltig zerstört. Ich habe die Praxis und die Kassenzulassung abgegeben und führe jetzt eine Selbstzahlerpraxis.
Dr. P. Henning Orthopäde, D-Arzt, Chirotherapie auf dem Lande, Schneverdingen

- Bezogen auf unseren täglichen Praxisablauf ist ein solches bürokratisches Monster völlig daneben. In unserer Allgemeinpraxis klapp die Terminvergabe völlig reibungslos. Jeder bekommt bei akuten Problemen noch am selbe Tag einen Termin, die Wartezeiten in der Praxis sind sehr kurz, wofür unsere Damen von unseren Stammpatienten immer wieder ein Lob bekommen. Eine offene Sprechstunde wird nicht benötigt. Dadurch würde unsere bisher gute Organisation eher durcheinander geraten. Es ist völlig unsinnig, aus großer Distanz bei völliger Unkenntnis der Vorgänge an der Basis eine "Verbesserung" der Verhältnisse erreichen zu wollen. Alle weit vom Geschehen entfernten Entscheidungsträger sollten erst mal ein Praktikum hier absolvieren um die realen Abläufe im Alltag kennen zu lernen (gilt übrigens genauso für die Bereiche Alten- und Krankenpflege!) Die Arroganz und Ignoranz unserer Politiker wird immer unerträglicher! Was hat die zunehmende Reglementierung bisher gebracht außer mehr Bürokratie und immer weniger Zeit für die Zuwendung für unsere Patienten? Fazit: das TSVG ist noch unnötiger als ein Kropf!
Dr. Johannes Rudolph, Allgemeinmedizin (Hausarzt), 79232 March

- Unsinn bei Budgetierung und Regressandrohung
Dr. Eckart Lohr, Internist, Ratingen

- Welche Automobilfirma würde es zulassen, dass das Verkehrsministerium anruft und bestimmt, wann ein bestimmtes KFZ ausgeliefert werden muss! Jede Praxis hat ihre eigenen Strukturen, die über Jahre gewachsen sind und nicht einfach von außen umgestoßen werden können. Absolutes Chaos und verlängerte Prozesse und damit Wartezeiten wären die Folgen!
Dr Nikolaj Pritzl, fachärztlicher Internist, Chieming

- Das TSVG ist ein massiver Eingriff in die Freiberuflichkeit und in die Selbstverwaltung. Die staatlichen, kommunalen und behördlichen Eingriffsmöglichkeiten sind ein Paradigmenwechsel. Es geht mir nicht nur um die Kritik an einzelnen Regelungen, mir geht es um eine prinzipielle Kritik. Durch das TSVG wird ein System radikal "verstaatlicht".
Dr. Michael Eckstein, Facharzt für Innere Medizin (Hausarzt), 68799 Reilingen

- Unsere Gemeinschaftspraxis wird von 3 Ärzten einschließlich Terminverwaltung geführt. Für jeden von uns Ärzten gilt, dass > 35 Stunden/Woche Patienten vor uns sitzen. Ein Eingriff in unsere effektive Terminverwaltung würde eine wirksame Behandlung unserer Pat. verhindern. Sie ist sowohl aus Sicht der Patienten als auch der Ärzte kompromisslos abzulehnen.
Dr. Otto Hoffmeyer, Arzt f. Kinder- und Jugendpsychiatrie, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie f. Kinder und Erwachsene, Bad Kissingen

- Bin ja schon viele Jahre Rentner, aber so ein Gesetz dass nur der Desavuierung der Ärzteschaft dient u. Ausblicke auf ein autoritär, staatlich geführtes System bietet, hat es bisher noch nie gegeben.
Dr. Otto Zitzelsberger Stettinerstr.2a, 95336 Mainleus

- Ein freiberuflicher Stand wie die niedergelassenen Ärzte darf nicht staatlich in der Berufsfreiheit beschränkt werden, ein Budget für Kassenpatienten ist eine Behinderung der Patientenversorgung. Dass es auch anders geht, zeigt z.B. die AOK BW mit dem Facharztprogramm, in dem Patienten innerhalb von VIER WOCHEN einen Termin bekommen, so oft es nötig ist und so oft der Hausarzt es wünscht. Ein Staat, der seine eigentlichen Hausaufgaben nicht in den Griff bekommt (siehe Flughafen Berlin, Elbphilharmonie, Bundeswehr) sollte sich nicht erdreisten, einem hoch-professionellen Berufsstand in die Arbeit zu pfuschen. Politiker wie Herr Spahn, die noch nie ihr eigenes Geld außerhalb der Politik verdient haben, sind völlig unqualifiziert zum Bestimmen der Berufsabläufe niedergelassener Ärzte und sollten sich hier raushalten. Die staatliche Versorgungsdiktatur der Medizin hat ja in der DDR schon "hervorragend" funktioniert - unser momentan weltweit beneidetes Gesundsheitssystem braucht sicher vieles, aber keine Gängelung durch ideologisch verblendete unfähige Politiker.
Dr. Strohm, Kardiologie, 76530 Baden-Baden

- Ich denke, es wäre von Seiten der Politik sinnvoller, die Ärztinnen und Ärzte nicht durch Gängelei und Bevormundung aus dem Land zu vertreiben. Wir arbeiten gern, müssen aber nicht fachfremde "Aufpasser" wie Herrn Donald Spahn akzeptieren. Termine für Patienten gibt es in meiner Praxis und nicht von irgendeiner Vermittlungsstelle. Besonders schwer erkrankte Kinder haben keine Wartezeit, eine Vermittlungsstelle ist überflüssig wie ein Kropf.
Dr. Reinhard Kennemann, Kinder- und Jugendarzt in Essen- Katernberg

- Ich befürchte eine zunehmende Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung durch Eingriffe durch die Politik, die wiederum nur durch Lobbyisten geprägt ist.
Dr.Kay Rohmann, HNO-Arzt, Düsseldorf

- Edle Freiwilligkeit des Hippokrates (Eides) soll offensichtlich einem sanktionierbaren Gesetzeszwang weichen. Pessima res publika, plurimae leges
Thomas Hobst, Orthopäde in Bamberg

- Der Termindruck der Patienten entsteht ganz überwiegend nicht durch medizinische Dringlichkeit, sondern sehr häufig durch Ungeduld der Patienten. In der hausarztzentrierten Versorgung müssen die Patienten mit ihrem Problem zuerst zum Hausarzt. Dieser kann die Dringlichkeit zusammen mit dem Patienten viel besser abschätzen und im dringenden Fall besorgt der Hausarzt für den Patienten eine raschen Termin beim richtigen Facharzt. Funktioniert wunderbar. In den 90er Jahren gab es bei gleicher Bevölkerung und gleicher Krankheitslast das Problem nicht! Vielen junge Patienten gehen jetzt ohne Hausarztkontakt zum falschen Facharzt und viele durch Terminservicestellen übermittelten Termine werden von den Patienten nicht wahrgenommen--> dadurch kann der Terminengpaß noch verschärft werden! Das absurde TSVG geht somit völlig am Problem vorbei, eine konsequente HzV (Hausarztzentrierte Versorgung) ist eine gut funktionierende Lösung.
Dr.Thomas Sterzing, Hausarzt, 78628 Rottweil

- Dieses Gesetz ist im Rahmen der Budgetierung unhaltbar. Wir arbeiten momentan schon an Ende des Quartals umsonst. Und das auch dann noch am Samstag? Pro Patientin 2,50 € Zuschlag, dafür würde sich kein Handwerker rühren.
Dr.Urte Steinert, Frauenärztin, Nürnberg

- Wenn Bedarf an Mehrarbeit besteht, mache ich es gerne und blocke Patienten nicht ab. Ich möchte selber regeln wie viele Patienten ich behandeln möchte, um die Qualität zu erhalten, die ich bieten möchte. Ein Mehrangebot an Sprechzeiten, bringt die in die Praxen, die nicht wirklich den Bedarf haben oder das System ausnutzen.
Petra Wendler, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Neustadt Weinstrasse

- Reiner Populismus! Die Probleme der Demographie werden in keiner Weise angegangen. Mehr kann ich nicht arbeiten und Terminprobleme gibt es in meiner Praxis nicht. Es ist sehr zweifelhaft ob ich noch einen Nachfolger für meine Praxis finden werde. Die zunehmende Reglementierung und Bürokratisierung der ambulanten Medizin wirkt sicher noch abschreckender auf junge Kollegen. Mit diesem Gesetz wird die Versorgung der Kassenpatienten eher verschlechtert als verbessert.
Dr. med. Eberhard Wochele, Hausarztinternist, Mannheim

- TSVG ist der Weg in die Planwirtschaft. Alle Gängelungen der Politik mit TSVG, Budgetierungen, Regelleistungsvolumen und Pauschale, Bereitschaftsdienstverpflichtungen Und nationalen Versorgungsleitlinien lassen mich daran Zweifeln , ob ein niedergelassener Arzt nicht schon Scheinselbständig ist. Dann muss die Politik aber die Lohnnebenkosten der letzten 20 Jahre nachzahlen.
Dr. Andreas Kühn, Anästhesie mit Schmerztherpievereinbarung, Künzelsau

- Es gibt keinen Terminmangel - es gibt dagegen viele no show Patienten, die anderen die Termine wegnehmen und den Praxen unbezahlten Mehraufwand verursachen - diese Patienten müssen diszipliniert werden. Noch mehr Bürokratie und Regulierung der Ärzte brauchen wir nicht, dafür Entbudgetierung sofort, leistungsgerechte, kostendeckende Honorare!
JC Barry, Augenarzt, Solingen

- Totalitäre (gerade auch populistische, selbstherrliche) Beherrschung über komplizierte Sachlagen statt Beratung, sorgfältiges Abwägen und Nutzen von fundiertem Fachwissen ist abscheulich und Angst erregend. Dass Klimawandel im Gang ist, kann nicht ein Staatschef oder ein Parteiführer einfach so entscheiden. Deshalb darf ein Gesundheitsminister ("die Politik") auch nicht schnell von oben herab in Praxisabläufe oder Adipositasbehandlung auf Kosten der Solidargemeinschaft oder der Patienten eingreifen.
S.Braun, Neurologie Psychiatrie

- massive Beeinträchtigung des Praxisablaufs, Ende der Freiberuflichkeit
Dr. Jürgen Gade, Allgemeinarzt, Starnberg

- Eine unplanbare (sog. freie) Sprechstunde führt zu einer völlig unzureichenden Ergebnislage und Versorgung. Wenn wenig Patienten kommen, wäre für andere Patienten Zeit gewesen. Wenn (zu) viele Patienten kommen, leidet die Qualität der Arbeit, weil automatisch Stressvermeidung bei allen Beteiligten einsetzen wird. Dazu gehört auch, dass ich damit meine eigene Gesundheit schützen muss, ich bin nämlich ein ganz normaler Mensch, der genauso unter Stress leidet, wie viele andere Menschen auch. Für diese Menschen wird - selbstverständlich - sogar gewerkschaftlich gekämpft, um die Arbeitssituation zu verbessern. Ich nehme für mich und meine Angestellten in Anspruch, die Optimierung der Sprechstunde genauso selbstverständlich umzusetzen. Eine freie, also nicht planbare Sprechstunde, ist Stress für alle und macht uns krank. Bisher hat es auch gut funktioniert: Notfälle kommen trotzdem dran und das über die gesamte Sprechstundenzeit. Was gibt es da noch zu verbessern?
Dr. O. Hoppe, Augenarzt, Köln

- Das Ganze ist ein Projekt zur Abschaffung der freiberuflichen Niederlassung. Die Etablierten werden solange gepiesackt, bis sie klein beigeben oder frustriert hinwerfen. Der Nachwuchs wird so verschreckt, dass er nicht mehr daran denkt sich nieder zu lassen. Also schnell her mit den Klinik-MVZs. Bin gespannt ob dieser Plan aufgeht. Aber egal bis dahin ist Herr Spahn längst Kanzler oder mehr....
Dr. Michael Schneider, Orthopädie und Unfallchirurgie, Sinsheim

- Diskriminierung von psychisch erkrankten Patienten. Es bedeutet einen erheblichen Eingriff in die ärztlichen Strukturen.
Dr. med. Michael Welle FA. Allgemeinmedizin, Sportmedizin, Kurarzt

- Meine Sprechstundenzeit überschreitet schon lange 25 h, beträgt zur Zeit ca. 40h. Ich arbeite abends bis 20:00h und trotzdem können wir vielen Terminanfragen aufgrund von Zeitmangel nicht gerecht werden. Die Erhöhung der Sprechstundenzeit bringt hier keine weiteren Termine, vor allem nicht für Neupatienten. Offene Sprechstunden sind in gynäkologischen Praxen nicht managebar, da einzelne Patientinnen mit speziellen Problemen wie Kinderwunsch, Tumornachsorge und auch Neupatientinnen längeren Zeitbedarf haben und eingeplant werden müssen. Soll ich am Ende der festgelegten Zeit für die offene Sprechstunde noch wartende Patientinnen nach Hause schicken? Eine Erweiterung der Arbeitszeit durch Überhang kann ich meinem Personal und auch mir nicht zumuten. Zumal das Budget erfüllt ist und weitere Patientenkontakte nicht angemessen bezahlt werden, so dass die zusätzlichen Kosten , z.B. durch Überstunden, nicht gedeckt werden. An die TSS gebe ich bist jetzt keine Termine , da die Termine für unsere Patientinnen kaum ausreichen. Das wir durch die offenen Sprechstunden noch enger.
Elke Lerch, Gynäkologin, Dülmen

- Terminmanagement ist eine individuelle Angelegenheit. Notfälle bekommen immer einen zeitnahen Termin, Routineuntersuchungen können und müssen warten. Die ganze Diskussion ist politisch gewollt und entspricht nicht der Wirklichkeit in der Praxis. Patienten müssen lernen, dass ein Notfalltermin kein Wunschtermin ist. 10% der vereinbarten Termine werden von Patienten ohne Rückmeldung nicht eingehalten. Eine staatlich verordneten offene Sprechstunde führt zu Chaos in der Praxis und bei fehlendem Bedarf zu wirtschaftlichen Einbußen, die sich kein Arzt mehr leisten kann.
Dr. Elisabeth Geishauser, Gynäkologin, Simbach/Inn

- Das Gesetz erzeugt ein Bürokratiemonster, das viel Geld verschlingen wird, ohne die Versorgung der Patient*innen zu verbessern. Die Terminservicestellen sind ein Geldvernichtungsprojekt. Der Anreiz für junge Ärzt*innen sich niederzulassen, wird bei so viel staatlichen Reglementierungen immer geringer. Die Anzahl der Niedergelassenen wird abnehmen, die Wartezeiten werden zunehmen, da helfen auch keine Terminservicestellen.
Eva Waldschütz, Frauenärztin, Gruiten

- Aus allgemeinmedizinischer Sicht ist Drittorganisation unqualifizierte Bevormundung, "Akutfall"-kontraproduktiv. Priorisierung gehört in ärztlichen Erfahrungsbereich!
Freudenhammer, Allgemeinmedizin u.a. Gelsenkirchen

- Bereits jetzt arbeitet unsere Schwerpunktpraxis für Krebspatientinnen länger als 25 (Sprech)stunden. Die ärztliche Selbststimmung und Freiberuflichkeit unseres Berufsstandes sind eine zivilisatorische Errungenschaft, die die Versorgung in einem liberalen System garantiert. Deren politische Aushebelung empfinde ich als unerträglich. In einem staatlich und zentralistisch gelenktem "Gesundheitswesen" möchte ich mich nicht engagieren.
Dr. Georg Heinrich, gynäkologischer Onkologe, Land Brandenburg

- Es entsteht ein unnötiger Bürokratischer Aufwand. Durch ein Ende der Budgetierung wären ausreichend Termine vorhandenen, der Pat könnte wohnortnah bei ihm bekannten Ärzten versorgt werden.
Dr. G. Brüggemann, hausärztlicher Internist, 29303 Bergen

- Als Kinderarzt arbeite ich am obersten Rand meiner konditionellen Möglichkeiten und bin nicht in der Lage, noch mehr Termine anzubieten und Patienten aufzunehmen. Die Einmischung der Politik finde ich ignorant und übergriffig.
Dr. Geisler, Kinderarzt, Hilden

- für JEDEN Notfallpatienten bekommen ich bei allen Fachgruppen zeitnah einen Termin, wenn ICH es für nötig halte, NICHT der Patient!!
Gerd Schloemer, FA Allgemeinmedizin, Düren Mitglied der Vertreterversammlung KVNo

- Das TSVG greift unerträglich in meine freie Berufsausübung als Arzt und Unternehmer ein. Es ist eine weiterer Meilenstein auf dem Weg in die Staatsmedizin. Als Beispiele seien genannt: 1. die Steigerung der wöchentlichen Kassensprechstunden von 20 auf 25 Stunden für jeden niedergelassenen Arzt. In einem budgetierten System kann, will ich und darf ich meine Sprechstunden nicht beliebig ausweiten. 2. offene Sprechstunden bringen keinen Patienten mehr in meine Praxis, erhöhen aber die Wartezeit für alle Patienten, bedeuten mehr Chaos. Meine Bestellpraxis hat sich seit 32 Jahren bewährt. 3. Die Terminvergabe ist die ureigenste Aufgabe einer Arztpraxis. Damit ist meine erfahrenste Helferin vertraut. Nur sie kann in meinem Auftrag entscheiden, wessen Erkrankungen und Beschwerden dringlich, sehr dringlich oder überhaupt nicht dringlich sind. Terminservicestellen sind so überflüssig wie ein Kropf.
Dr. Gernot Petzold, Augenheilkunde, Kulmbach

- Der Arztberuf ist ein freier Beruf - nur dem Patienten und dessen Wohl verpflichtet. Wenn die Gesellschaft das nicht mehr garantieren möchte, sollte sie das offen ausprechen. Alle anderen Gedanken oder Regelungen sind Staatsmedizin. Auch das sollte dem Bürger offen und ehrlich vermittelt werden.
Dr. med. Gregor Grotmann, Anästhesiologe, Flensburg

- Obwohl „kausale Therapien" für das kranke Gesundheitswesen zur Verfügung stünden, wird aus rein politischen Gründen nur an den Symptomen rumgedoktert. Von fachfremden Berufspolitikern.
Dr. med. Günter Krause, Allgemeinmedizin, Hainewalde

- Obwohl Bayern laut Bedarfsplanung bzgl. der Strahlentherapie eine relevante Überversorgung aufweist, warten Patienten auf ihre Strahlentherapie. Wer soll nach Ihrer Meinung entscheiden, welche Patienten warten können? Die Wartezeiten bei uns sind übrigens kürzer als im benachbarten Ausland und in vielen OECD Ländern. Ärzte sind verpflichtet, die sich ihnen anvertrauenden Patienten nach vollständiger Aufklärung stets gründlich und sorgfältig lege artis zu behandeln, - und dies umfassend zu dokumentieren. Daraus ergibt sich, wann ein Patient behandelt werden kann. Die Terminvergabe muss die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter berücksichtigen. Es gilt das Arbeitszeitgesetz und die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Was würde sich verbessern, wenn diese Verantwortung in die Hände von Bürokraten gelegt würde? Die eingerichteten Terminservicestellen sind teuer erkauft mit den Beiträgen der Krankenkassen, die an sich für die Krankenversorgung erhoben werden. Diese nunmehr noch auszubauen, ist ein weiterer planwirtschaftlicher Eingriff, der Geld von der Krankenversorgung in die Verwaltung verlegt. Gleiches gilt für die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur. Warum nimmt die Politik nicht zur Kenntnis, dass Budgetierung der ärztlichen Leistungen zusammen mit starren Vorgaben (z.B. der Disease Managementprogramme) vermeidbare Ursachen der Terminknappheit sind? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Vorgaben sind soweit in Ordnung, wie man sie für die Allgemeinheit der Patienten am grünen Tisch machen kann. Sie passen aber nicht auf jeden Einzelfall. Das ist undenkbar. Es werden also im Einzelfall unnötige Leistungen erbracht, nur weil dies allgemein so gefordert wird. Und es wird immer mehr gefordert z.B. durch Strahlenschutzgesetz, Medizinproduktegesetz, DSGV, Hygiene, Leitlinien, zertifiziertes Qualitätsmanagement, Meldung an Krebsregister, EDV-Sicherheit, regelmäßige verpflichtende theoretische Schulung im Strahlenschutz, Arbeitszeitdokumentation wegen Mindestlohn, usw usf. Wenn die Politik der Meinung ist, dass mit Budgetierung eine Überversorgung vermieden werden kann, dann frage ich mich, warum das nur für Ärzte gelten soll. Es gibt eine Bedarfsplanung für Politiker. Wenn das Wahlergebnis zu Überhangmandaten führt, wäre dann nicht eine Kostendeckelung pro Parlament gerecht? Die budgetierten Ärzte sollen ja auch das Morbiditätsrisiko tragen.
Dr. R. Guttenberger, Strahlentherapie, Stein

- Ich bin Freiberufler und lasse mir doch nicht bis ins Detail vorschreiben, wie und wann ich zu arbeiten habe. Hat das schon mal jemand bei Anwälten, Architekten oder Tierärzten auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen? Ich sehe einen unerlaubten Eingriff in die freie Berufsausübung und den vertieften Einstieg in die Staatsmedizin. Niedergelassenen Ärzte arbeiten mit über 50 Stunden länger als der Durchschnitt der Bevölkerung . Mehr Zeit für Patienten kann man durch Bürokratieabbau und evtl. auch Anspruchsbegrenzung der Patienten (Notfalldienst!) erreichen.
Dr. Gleitz, Hausarzt, Bergneustadt

- Welcher niedergelassene, in Vollzeit arbeitende Arzt arbeitet unter 25h (für Kassenpatienten) in der Woche? Wie viele Pat. kann man in einer Facharztpraxis mit und ohne Termin in einer Stunde behandeln (zZ.6-10)? Man sollte die Vorgaben der Politik einmal konsequent einhalten und 4 Wochen Dienst nach Vorschrift machen mit der Folge : Wochen Wartezeit.
Maurer, Unfallchirurg in Rente, Kandel

- Das TSVG ist der verzweifelte Versuch eines Bundesgesundheitsministeriums, die Ärzteschaft gängeln zu können und die von jedem ungewollte Bürgerversicherung irgendwann in ein Gesetzgebungsverfahren zu bringen.
Dr. Günter Meiser, Am Grüneberg 6, 66119 Saarbrücken.

- Erst bashing, dann Populismus am Ende staatliche Planwirtschaft Wir sind selbständig. Unseren teuren Arbeitsplatz "Praxis" haben wir uns selber gekauft, organisieren ihn so optimal wie möglich und nach Erfordernissen (Zeitpunkte/Behandlungsdauer), die wir am solidesten bewerten können. Welche Fachkraft kann darin walten, wenn nicht wir und unsere Schwestern? Der Arbeitsaufwand ist horrend, leider nicht die Honorierung der von uns erbrachten Leistungen. Oder ist es normal, dass in anderen Branchen 1/3 der abgerechneten Leistungen nicht bezahlt werden? Bei uns ist das stets der Fall. Wäre die Ausschöpfung der Kapazitäten, die angeblich nicht von Ärzten ausgefüllt werden, besser zu erreichen, wenn Leistung gleich Gegenleistung ist? Selbstständige Kollegen, die weniger arbeiten als es ihre Kapazitäten zulassen, sind mir nicht bekannt. Angestellte haben da weniger Stress. Schnelle Abfertigung und häufigere Einweisungen an die Träger-Kliniken kenne ich. Ist doch das Ziel von Praxisaufkäufen, oder? Geht es hier eigentlich um Patienten oder vielmehr um weitere MVZs und Einweisungen? Herrscht wirklich so ein Behandlungsnotstand oder wird da ein Minister von Lobbyisten vor sich hergetrieben? Nebenbei empfiehlt man sich mit populistischem Aktionismus für mehr? Selbst in der DDR-Poliklinik hat der Arzt mit seinen Schwestern entschieden, wann wer behandelt werden muss und dem Patienten die Termine gegeben. Jetzt und hier in der Bundesrepublik sollen es außenstehende "Fachkräfte" (woher nehmen beim aktuellen "Fachkräftemangel"?) regeln. Was soll dabei tatsächlich für Patienten rauskommen? Sind für einen selbstständigen Arzt Patienten nicht auch wie Kunden, von denen man so viel, wie man kann bedient, wenn man es kann und honoriert bekommt? Aber auch hier gilt: Bäume können nicht in den Himmel wachsen. Weder das Honorar aber auch nicht die Leistungen, die erbracht werden können. Machen es alle übrigen Selbstständigen Mittelständler (Handwerker/Anwälte/... ) bald auch so: lassen sich ihre Kunden von außenstehenden Fachkräften in Bestell-Listen schreiben und tun wie befohlen? Das erhöht sicher deren Kapazität und Motivation mehr zu schaffen! Zeit: Keine Berufsgruppe verbringt so viel Zeit mit Pflicht-Weiterbildungen wie Mediziner. Auch Hausbesuche und das Büro wollen erledigt werden. Wie gesagt, Bäume werden auch durch doktrinierte Planwirtschaft nicht in den Himmel wachsen. Also ins MVZ gehen und mehr auf work-life-balance achten? Das kann nicht die Lösung sein, nicht wenn man Patienten Gutes und seinen Beruf "leben" möchte.
H.Filz, Urologe, Weimar

- Es gibt z.Zt. keinen Mangel an Terminen. Auch nicht bei den meisten Fachärzten. Arzttermine werden oft wegen Bagatellen in Anspruch genommen. Patienten erklären ihre Befindlichkeitsstörungen immer öfter zu Notfällen. Ca. 50% der Termine für Allergietestungen werden von Kassenpatienten in meiner Praxis regelmäßig nicht wahrgenommen. Das Personal muss vorgehalten werden und der Ausfall des Verdienstes wird nicht erstattet. Hierfür ein Gesetz zu machen, welches diesen Blödsinn noch fördert, ist der Gipfel. Die Ärzteschaft ist gezwungen, permanente Fortbildungen zu machen, ansonsten gibt es weniger Geld. Wann gibt es weniger Geld für Politiker wegen ausufernder Bürokratie. Wann müssen Politiker regelmäßig auf ihren Geisteszustand untersucht werden? Wenn kein positives Attest – dann weg vom Fenster. Das wäre auch mal ganz gut. Oft ist weniger mehr und deshalb brauchen wir im Gesundheitssystem kein TVSG. Wenn ich einen wirklich dringlichen Fall habe, dann wird dieser auch auf der Überholspur behandelt, egal wie er versichert ist. Und das ist bei mindestens 99% aller Mediziner/innen so. Herr Spahn, kümmern Sie sich um eine Abschaffung der Medizinerbesuchsflatrate seitens der Kassenpatienten. Oder bringen Sie Ihr Auto zu fünf verschieden Werkstätten vornehmlich nach 18:00 oder am Wochenende und lassen Ihre Inspektion dann für 25 Euro durchführen. Honorieren Sie endlich unsere Mehrleistungen, die Tag für Tag geleistet werden. Und machen Sie Ihre Hausausgaben. Praxis kann da nicht schaden.
Dr. Stefan Schumann, Facharzt für HNO, Belegarzt, Remscheid

Ein bisher funktionierendes Einbestellsystem werde ich mir nicht aus der Hand nehmen lassen, als Freiberufler werde ich mir nicht von Terminservicestellen vorschreiben lassen, wen ich wann zu behandeln habe. Wer dringend einen Termin braucht, dessen HA ruft an, ganz analog werden dann Infos auf dem kurzen Dienstweg ausgetauscht und das Procedere festgelegt.
Desgleichen werde ich nicht zulassen, dass von fremden Servern oder Smartphones auf meine EDV zugegriffen wird, ohne dass ich eine Kontrollmöglichkeit habe - Datenschutz geht vor, und bei fast 100 Regelungen, wie mir dem Router und der sonstigen Hardware der TI umzugehen ist, wird im Schadensfall immer ein Regelverstoß festzustellen sein und der schwarze Peter liegt bei mir.
Angesichts der beständigen Bemühungen, unseren Beruf in Deutschland immer "attraktiver" zu machen, werde ich meine Kassenarzttätigkeit vorzeitig beenden und damit nicht bis zum 65. Lebensjahr warten. Lebensqualität geht vor immer mehr Repressalien, Kontrolle und schlechter werdende Vergütung.
B.Meyer, Internist, Kulmbach


- Termintreue seitens der Patienten besteht nicht grundsätzlich, die grundversorgenden Kollegen haben eh schon mehr als 25 Std mit GKV Patienten zu tun und die Älteren unter uns, die etwas reduzieren möchten, hören gleich ganz auf und sind somit für die Grundversorgung verloren.
Dr. Hans-Rudolf Weiß, Physikalische & Rehabilitative Medizin, Orthopädie, Gensingen

- Nicht nur dass das geplante Gesetz tief in die Freiberuflichkeit dirigistisch eingreift, es widerspricht auch dem wissenschaftlichen Stand. Nach Grawe et. al. ist der Hauptwirkfaktor jedweder Behandlung die Therapeutische Beziehung. Es ist also suboptimal, Patienten zu „irgendwem" zu schicken, der irgendwelche Methoden anwendet und dabei noch nicht einmal Zeit zum Beziehungsaufbau hat. Diese ökonomische aber nicht psychologische Sichtweise wird keinen Behandlungserfolg bringen, sondern die Gesundheit eher noch verschlechtern!
Dirk Wisny, Niedergelassener Psychologischer Psychotherapeut, Berlin

- Ich entscheide über meine Sprechstunden selbst - da kann die Regierung samt komplett fachunkundigen "Gesundheitsministerchen" mit Bankausbildung machen was sie will...ich dulde kleine Einmischung durch den Staat. TSVG wird die Versorgung deutlich verschlechtern und zu einer Reduktion meiner GKV-Sprechstunde von 40/Woche auf ein Minimum führen. Telematikanbindung ist aus Datenschutzgründen komplett ausgeschlossen, bei einer Honorarkürzung werden sofortige rechtliche Schritte eingelegt.
C. V. Petrescu, Augenheilkunde, Schwelm

- Ich fühle mich durch das beabsichtigte TSVG in meiner eigenverantwortlichen und fachlich unabhängigen Ausübung meines freien Berufes eingeschränkt. Dies steht meiner Meinung nach im klaren Gegensatz zur gesetzlichen Definition einer freiberuflichen Tätigkeit und degradiert mich somit zum Angestellten einer planwirtschaftlichen Staatsmedizin nach Vorbild der DDR.
Dr. Boris H. May, FA für Orthopädie, Buchholz in der Nordheide

- Erstens unerträglicher Eingriff in die Freiberuflichkeit. Bei keiner anderen Berufsgruppe würde auch nur im Traum an eine solche Maßnahme gedacht werden! Zweitens völlig weltfremde Vorschriften, die die Versorgungssituation sogar verschlechtern würden! Eine zwangsweise offene Notfallsprechstunde müsste von der regulären Sprechstundenzeit weggenommen werden und würde dann hier fehlen.
Dr. Matthias Leidinger, Augenarzt, Höchberg

- Das TSVG erinnert mich an den schwarzen Humor zu DDR-Zeiten: Ein Jäger schießt seinen Hund tot. Dann tritt er ihn und ruft, >Gib endlich zu, dass Du ein Hase bist!<. Man kann sich doch Termine nicht aus den Rippen schneiden. Ich arbeite mehr als 25 Stunden pro Woche, biete 3 Abendsprechstunden an und arbeite auch samstags. Glaubt Herr Spahn allen Ernstes, dass meine Arzthelferinnen die Termine nicht so vergeben, wie es die Praxis erlaubt? Und das ist trotz der Zusatzsprechstunden nicht immer leicht. Der Protest gegen das TSVG hat auch nicht mit Geld zu tun. Selbst wenn die AOK endlich aufhören würde, ein Drittel unseres Honorars nicht zu erstatten, hätte der Tag nur 24 Stunden. Wie soll das weitergehen, wenn tatsächlich demnächst mehr Ärzte in den Ruhestand gehen? Will Herr Spahn dann über ein TSVG 2 (ein "Tages-Stunden-Vervielfältigungs-Gesetz") nachdenken? Tatsächlich Kranke akzeptieren Wartezeiten. Nur Menschen mit gesteigertem Anspruchsdenken wollen Wunschtermine sofort - und natürlich nur beim Wunscharzt.
Dr. Karlheinz Bayer, Allgemeinarzt auf dem Land mit Sitz in Bad Peterstal

- Ich bin niedergelassener Kinderchirurg in Stuttgart, Einzelpraxis, meine wöchentliche Arbeitszeit liegt bei 58 bis 60 Stunden pro Woche, je nachdem wie viel Büroarbeit ich Sonntags noch machen muss, meine Sprechstundenzahl liegt trotz der vielen ambulanten OP´s bei knapp 25 Stunden. Mittwoch Nachmittag stehe ich im OP und nicht auf dem Golfplatz.
Dr. Dieter Rhein, Kinderchirurg, Stuttgart

- Anstatt zuzugeben, dass tatsächlich ca. 5.000 Ärzte fehlen und dringend an allen ausbildenden Hochschulen zusätzliche Studienplätze zu finanzieren, stellt der Minister Spahn alle Ärzte generell als faules Pack hin, welches mit nach seinem Wortlaut "Zuckerbrot und Peitsche" von 20 auf 25h pro Woche für den Kassenpatienten getrieben werden muss. In unserem Ärztekreis um Wetzlar sind über 180 fleißige Ärzte, die, wie ich auch, alle über 45h pro Woche arbeiten und Mittwochs nicht auf dem Golfplatz stehen oder ihren (nicht vorhandenen) Ferrari putzen, sondern Haus- und Altenheimbesuche bis spät Abends machen oder wie ich operiere ohne Mittagspause, das können sich unsere verfetteten Politiker gar nicht mal vorstellen. Zusammenfassung: Anstatt Probleme anzupacken und mit den Ärzten zu arbeiten, wird ein unnötiger Druck aufgebaut, um die immer weniger werdenden Ärzte noch zu vergraulen. Dieses Gesetz ist kein Gesetz sondern ein Schlag ins Gesicht der Ärzte, die mit ihrer vielen unbezahlten Mehrarbeit ohnehin schon am Limit arbeiten. Es bringt NICHTS für die Patienten an zusätzlichen Terminen.
Dr. med. B.Picken, Allgemein- und Unfallchirurg, D-Arzt, Sportmedizin, Bergstr. 26, 35578 Wetzlar

- Nicht zu akzeptierender Eingriff in meine Praxisorganisation. Für mich stellt sich hier dann auch ganz klar die Frage nach der Scheinselbständigkeit.
Gerald Storm, FA Allgemeinmedizin, Gersthofen

- Ablehnungsgründe 1. Eine Verletzung der Schweigepflicht durch unkontrollierbare Preisgabe von Patientendaten ist ein Straftatbestand. Dazu kann mich keiner Zwingen. Nein zur Telematik-Zwangsanbindung. 2. Mit 25 Kassenarbeitswochenstunden ist der Status der Scheinselbständigkeit von Kassenärzten definitiv erreicht. Das hätte auch sozialrechtliche Konsequenzen. 3. Von arbeitsüberlasteten Praxen 5 offene Sprechstunden pro Woche zu fordern bedeutet, 5 Terminsprechstunden zu streichen.
Dr. med. Bernd Irle, FA Allgemeinmedizin, Essener Strasse 31, 45529 Hattingen

- Freie Sprechstunden bedeuten Chaos und Unzufriedenheit. Die ständige Gängelung des freien Arztberufes, das ständige Ärzte-Bashing muss ein Ende haben. Die Arbeitsbelastung insbesondere auch durch Notdienste ist gewaltig und sollte dementsprechend gewürdigt werden.
Dr. Finn, HNO, Grevenbroich

- Seit Jahren bin ich als niedergelassener Arzt tätig und erlebe zunehmende bürokratische Regulierung des Gesundheitssystems, die dazu führt, dass immer weniger Ärzte bereit sind im niedergelassenem Sektor zu arbeiten. Die Praxen werden durch enttäuschte Ärzte, die keine Nachfolger finden, an Konzerne verkauft, die am Ende auch nur an Ihre eigenen Gewinne denken und die Interessen der Patienten auf der Strecke bleiben. Das neue Gesetz verursacht weitere bürokratische Hürden, so dass die bereits im System tätige verlieren und nachrückende überhaupt keine Lust verspüren in dem System zu arbeiten. Am Ende leidet der Patient, weil immer weniger Behandlungsoptionen zu Verfügung stehen. Die Politik sollte sich eher mit der Deregulierung, bürokratischer Entlastung und leistungsbezogener Vergütung statt Pauschalierung zuwenden, damit der Beruf des niedergelassenen Arztes auch für die nachrückende Ärztegenerationen attraktiv bleibt. Die Effektivität des deutschen Gesundheitssystem resultiert eben aus dem Prinzip der selbstverantwortlicher Führung der Praxen. Lieber Herr Spahn lassen Sie uns in Ruhe für unser Patienten arbeiten, wir sind nicht die Bösen im System, wir sind die Leistungserbringer! Keine von uns arbeitet 38 Stunden pro Woche, die Meisten wahrscheinlich das Doppelte. Verursachen Sie mehr Bürokratie, nehmen Sie noch mehr unserer Zeit, die wir besser für Patienten aufwenden sollen!
J.Bata, Chirurg, Neu Wulmstorf

- Ich habe einen "Freien" Beruf! Staatsmedizin und Gleichschaltung erinnern an dunkle Kapitel der Geschichte. Wir brauchen Vertrauen, keine Mißtrauenskulatur und Bevormundung. Ich bin kein Kind!
Jost Schneider, Pädiatrie, Karlsruhe

- Bei weltweit praktisch nicht erreichter Terminvergabe – sowohl bei Gebiets- als auch bei Hausärzten – führt das TSVG lediglich zu einem zunehmenden und indikationsfernen Anstieg eines nicht vorhandenen Bedarfs. Beim TSVG bleibt eine indikationsgerechte auch hinsichtlich der Dringlichkeit außen vor.
Prof.H.Koch, FA IM u. Angiologie, Rietz-Neuendorf

- Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ist eine Zumutung für niedergelassene Ärzte: Hier wird ein völlig überflüssiges und teures Bürokratie-Monstrum installiert! Unsere Patienten brauchen keine teure Vermittlungsstelle, jeder Akutpatient bekommt noch am selben Tag einen Termin. Über die geforderten 25 Mindestsprechstunden kann ich nur lachen: Wie in Hausarztpraxen allgemein üblich, bieten wir mind. 31 Stunden an. Darüberhinaus gibt's ja auch noch den Notfalldienst. Hier sollte die 7T/24h-Rundum-Versorgung nicht noch weiter mit Bagatellfällen belastet werden. Aber da traut sich leider niemand, dem Patienten mehr Eigenverantwortung zuzumuten. Mit einer (kleinen) Notfallgebühr ließe sich bestimmt die Wartezeit im Notdienst verbessern - aber damit bekommt man keine Wählerstimmen.
Neithart Zimmermann, Kinder- und Jugendarzt, Mönchengladbach

- BDZ rund um die Uhr zu öffnen, widerspricht den sonstigen Bestrebungen der Politik, den Hausarzt zu fördern – und der Erkenntnis, dass die Gatekeeper-Funktion des Hausarztes sehr viel Kosten spart. Außerdem sind BDZ-Kosten von den Ärzten zu tragen, besonders in Form von zusätzlicher Arbeitszeit, was zusätzlich die 25 Stunden Forderung in Frage stellt. Ein weiterer Punkt, das sowieso schon hohe Anspruchsdenken von Patienten zu unterstützen. Dies wird mit dem Vorhaben, die Terminservicestellen auch 24 Stunden erreichbar zu machen, auf die Spitze getrieben – wieder auf Kosten der Ärzte. Welcher Mensch muss einen 4 Wochen Termin um Mitternacht vermittelt bekommen? Völlig unnötig, dies reicht zu normalen Werktags-Arbeitszeiten. Notfall-Termine müssen sowieso kurzfristig über die Hausärzte BDZ oder 112 vermittelt werden. Patienten werden derzeit gerade in Deutschland notfallmäßig weltweit am besten versorgt.
Thorsten Koech, Allgemeinarzt, 54340 Leiwen

Das TSVG darf nicht kommen, weil es aus einem auf Freiheit basierendem Gesundheitssystem ein staatsmediznisches Sklavensystem macht. Der versklavte Arzt darf seine Termine nicht mehr selber ausmachen, sondern hängt an der Terminservicestelle.
Der Arzt darf nicht mehr bestimmen, wen er behandelt (Zwangszuweisung von Patienten über die TSS), wann er behandelt (25 Pflichtsprechstunden, offene Sprechstunden, demnächst mit Kontrolle der Öffnungszeiten), wie er behandelt (der Bundesgesundheitsminister bestimmt, welche Behandlungen auf Kasse sind und welche nicht) und demnächst auch nicht mehr wo er behandelt (Portalpraxen 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche).
Für die Patienten heißt das, dass es chronisch Kranke schwer haben werden, zu einer langfristig geplanten gut geführten Therapie zu kommen, denn sie sind weniger "wertvoll" als akut Erkrankte. Es heißt, dass Sie im Akutfall von der TSS "verschickt" werden. Es heißt, dass sie mehr Chaos in den Praxen vorfinden werden und längere Wartezeiten.
Und das Ganze geht auf Kosten der Ärzteschaft (wir bezahlen die Terminservicestellen, wir organisieren die Praxen um und warten ggf. in der offenen Sprechstunde auf Patienten, die nicht kommen) und auf Kosten der Patienten (die bezahlen mit ihrer Gesundheit). Und in Gedanken macht Herr Spahn schon mal die Grenzen dicht, damit die Ärzte dieser Sklaverei nicht entkommen können.
Dr. Ilke Enger, Internistein, Neutraubling

- Die Praxen sind schon übervoll – Arzte und Personal arbeiten jetzt schon am Limit. Das TSVG kostet die Praxen noch mehr Zeit, die den Patienten verloren geht!!!
DM Oehmig, Augenarzt, Penig

- Datensicherheit ist das 2. Hauptproblem der Welt neben dem Klimawandel, ich möchte nicht, dass die Inhalte der Patientinnengespräche aus meiner digitalen Patientenakte jemals von einer außen stehenden Person gelesen werden könnten. Ich bin davon überzeugt, dass man die Patientinnendaten nicht schützen kann, wenn man einmal vernetzt wurde. Wenn sogar ein Schüler die Politiker hacken konnte, wird es auch Möglichkeiten für andere geben. Ich lasse mich nicht zwingen, EDV Technisch aufzurüsten, und immer mehr EDV Probleme zu bekommen, die Gewinner sind die Softwarefirmen. Ich verweigere die Anbindung und gebe meine Praxis zum 1.4.19 vorzeitig auf.
Dr. med. Christiane König, Gynäkologie und Geburtshilfe, Bremen

Das TSVG dar nicht kommen, weil es der letzte Baustein ist, den ehemals freien Beruf des selbstständigen Arztes mit seinen Werten, allen voran dem Patienten verpflichtet zu sein, in einen von Staatsmedizin eingeschränkten Angestellten zu wandeln.
Weder Zeit, Ort, Dauer noch Art und Weise der Tätigkeit inclusive Therapieentscheidung sind frei wählbar und damit am Wohl von Patient und Arzt orientiert, sondern werden totalitär zu Gunsten einer Kostendämpfungsmedizin auf Seiten der Ärzteschaft, bei uneingeschränktem Konsumversprechen auf Seiten der Leistungsnehmer mit den Folgen von Qualitätsverlust, fehlender Empathie und individueller Therapieentscheidung geopfert.
Die Werzeuge sind engste staatliche Vorgaben inclusive Strafmaßnahmen, wie Regresse für notwendige Verordnungen und Strafzahlungen bei Verweigerung, kontrolliert durch Zwangsvernetzung getarnt als digitaler Fortschritt bis in jede Praxis hinein und Vernichtung der ärztlichen Schweigepflicht.
Was bleibt für all die Kollegen und Kolleginnen die freiberufliche Ärzte bleiben wollen, ist die Flucht aus der Staatsmedizin. Die Leidtragenden werden die gesetzlich Versicherten sein.
Dr. med. Astrid Schmidt, Orthopädin, Bürgstadt

- Wir Allgemeinärzte tun doch schon alles für unsere Patienten. Kurzfristige Termine sind immer möglich, Notfallbehandlungen und Hausbesuche sowieso, wir sind auch einmal länger da, wenn es sein muss – und das, ohne an Geld und entsprechende Belohnung zu denken. Was sollen wir noch umsonst tun? Meine Sprechzeiten sind nach hinten offen, wenn der Bedarf besteht, aber noch mehr Zeiten in der Praxis ist auch für das Personal nicht tragbar.
Dr. Susanne Kappler-Danner, Oberndorf, Fachärztin für Allgemeinmedizin

- Man darf autoritäre Systeme sich nicht weiter etablieren lassen – ich bin Demokrat.
Dirk Ueberhorst, Much, Hausarzt, Allgemeinmedizin

- Ein unerträglicher Eingriff in die Berufsausübung – mit gleichzeitiger Unterstellung von "Faulheit" einer nicht unerheblichen Anzahl von Ärzten. Müssen wir uns eigentlich alles gefallen lassen, was Politiker und/oder Kassenvertreter durchzusetzen versuchen in der Annahme, alles besser zu können und zu wissen als die Ärzte selbst?
Matthias Löcher, Facharzt für Chirurgie Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Berlin

- Unter anderem ist geplant, die Indikation für Psychotherapie vor Aufnahme einer Kurzzeittherapie von dazu beauftragten Ärzten überprüfen zu lassen. Nach sechs Jahren Studium und sechs Jahren Facharztweiterbildung kann ich das selbst, dazu diente die Weiterbildung. Hier geht es um ein Therapieverhinderungsgesetz, um Psychotherapie zu erschweren und so Kosten einzusparen - empörend, bevormundend und respektlos gegenüber den Niedergelassenen! Und gegenüber den Patienten faktisch ein Misstrauensvotum, sie hätten keinen Leidensdruck und es muss zunächst überprüft werden, ob sie einen Therapeuten brauchen. Übertragen auf somatische Erkrankungen: Bevor der Patient mit einem Beinbruch behandelt wird, überprüft ein Gutachter, ob ein Beinbruch vorliegt.
Anne C. Merkert, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Dillingen an der Donau

- In unserer Praxis wird seit jeher eine Notfallsprechstunde 2 x täglich angeboten. Andere Kollegen machen das genauso. Was soll der bürokratische Aufwand? Und: Wir bekommen diese zusätzlichen Fälle eh nicht bezahlt. Reine Selbstdarstellung von Herrn Spahn.
Dr.G.Hasenbein, Ophtalmologie, Hamburg

- Eine vorgeschaltete Instanz zur Beurteilung der Notwendigkeit für eine psychotherapeutische Behandlung bedeutet eine ungleiche Behandlung und Diskreditierung von psychisch Kranken. Das ist mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes nicht vereinbar.
Dipl.-Psych. Dr. med. Frieder Nau - Facharzt für Neurologie und Psychiatrie - Psychologischer Psychotherapeut - Köln

- Mit großer Irritation und Besorgnis habe ich den Kabinettsentwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) mit dem Vorschlag zum §92 Abs. 6a SGB V, welcher eine vorgeschaltete Steuerung des Zugangs zur Psychotherapie vorsieht, zu Kenntnis genommen. Aus meiner Perspektive drückt dieser vor allem Misstrauen gegenüber PatientInnen und BehandlerInnen aus. Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation sollen demnach ihre persönlichen Anliegen (oft schmerzhaften, teilweise auch schambesetzten Themen) einer Person darstellen, die ihnen in dieser Situation nicht nur keine Hilfe anbietet, sondern eine Art Vorselektion durchführt, also den Betroffenen und seine Erkrankung bewertet und über den weiteren Weg der Hilfestellung entscheidet. Es entsteht also eine besondere Art Abhängigkeitsverhältnis und aus meiner Sicht die Gefahr, dass die durch viele Aufklärungskampagnen langsam rückläufige Verunsicherung und Angst vor Stigmatisierung bezüglich der Inanspruchnahme von Hilfe in psychischen Belastungssituationen wieder erhöht und damit eine neue Hürde für die Betroffenen darstellt. Zurückhaltung beim Nachsuchen von Hilfe kann eine Chronifizierung der Beschwerden zur Folge haben – ein Zustand, der aus Sicht der Patienten nicht zumutbar und aus Sicht der Kostenträger mit Sicherheit nicht wünschenswert hinsichtlich der Kostenentwicklung ist. Da ich gleichzeitig zu den o.g. Maßnahmen weiterhin verpflichtet bin, die Indikation für mein Behandlungsangebot selbst zu prüfen, ist also die „Vorselektion" für den Patienten / die Patientin wenig aussagekräftig. Vielmehr erleben sie sich dann erneut auf dem Prüfstand, was die eben dargestellte Problematik weiter forcieren würde. Erst 2017 wurde mit der Überarbeitung der Psychotherapierichtlinie eine gestufte Versorgung eingeführt, die einen schnelleren Erstkontakt, eine qualifizierte Diagnostik und Indikationsstellung sowie – bei besonderer Dringlichkeit – eine kurzfristige therapeutische Behandlung ermöglicht. In ersten Untersuchungen gibt es Hinweise auf eine gute Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Eine weitere Evaluation steht aus, ist aber vorgesehen. Sinnvoll erscheint es, diese abzuwarten, um über die Notwendigkeit weiterer regulierender Maßnahmen, die in oben beschriebener Weise in die Selbstbestimmung der PatientInnen empfindlich eingreifen, prüfen zu können. Entsprechend der o.g. Gründe – insbesondere aber vor dem Hintergrund unser aller Wunsch nach einem erleichterten Zugang und einer besseren (schnelleren), aber dennoch suffizienten Versorgung der PatientInnen – ist eher mit einer Verschlechterung, als einer Verbesserung der Versorgungssituation der PatientInnen zu rechnen. Deshalb ist einzig eine entsprechende ersatzlose Streichung dieses Passus im TSVG vertretbar.
Silka Ringer, in Schkeuditz praktiziertende Psychologische Psychotherapeutin

- Das geplante TSVG ist untragbar, da es in polemischer Art und Weise schon in der Namensgebung den gesetzlich versicherten Patienten (Wählern) Verbesserungen verspricht, die nicht eintreten werden. Eine Verbesserung der Terminsituation ist nur durch ausreichende Bezahlung zu erreichen. Das heißt Abschaffung der Budgetierung und Wiedereinführung der Einzelleistungsvergütung. Das geplante TSVG ist untragbar, da es weitreichende Eingriffe in die Organisationsstruktur meiner freiberuflich und selbständig geführten Arztpraxis vorsieht. Es stellt einen weiteren Schritt in die Staatsmedizin dar. Ich verbitte mir Vorschriften, wie die Einführung einer offenen Sprechstunde und die Vergabe von Terminen über Servicestellen. Schließlich beteiligt sich der Gesetzgeber auch nicht an meinem Kredit, der mir die Tätigkeit in freier Praxis erst ermöglicht hat. Das TSVG ist untragbar, da ich mich nicht an die Telematikinfrastruktur zwangsanschließen lassen werde. Datenschutz und Schweigepflicht sind für mich wichtiger als die Gewinne der IT-Branche. Das geplante TSVG ist untragbar, da es eine kostensteigernde bürokratische Überregulation darstellt und nichts an den wahren - und auch der Politik bekannten - Problemen ändert. Das geplante TSVG ist untragbar, da es die Gesetze des Marktes ignoriert, eine unkontrollierte Steigerung der Nachfrage bewirkt bei gleichzeitiger zunehmender Reglementierung und damit Reduktion des Angebotes. Das Versprechen einer vollumfänglichen Versorgung zu jeder Tages- und Nachtzeit am besten beim Wahlarzt ist nicht umsetzbar. Dieser Gesundheitsminister ist untragbar, da er immer nur ÜBER die Ärzte redet und nie MIT den betroffenen Ärzten.
Dr. Matthias Georgi, konservativ tätiger Orthopäde, Hamburg

Was mir und vielen Kollegen zunehmend aufstößt, ist das ZUVIEL an staatlicher Bevormundung und das ZUWENIG an Mitspracherecht bei politischen Entscheidungsprozessen. Das ist übrigens ein gesamteuropäisches Problem und betrifft alle Bürger.
Die Grenze jeglicher Toleranz ist erreicht, wenn nun versucht wird, freiberuflichen Ärzten in deren Unternehmen hinein zu regieren unter Androhung von Strafzahlungen und sonstigen Zwängen.
Bernhard Salomon, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Weiden

- Die Zahl der für wirklich kranke Menschen verfügbare Termine würde deutlich sinken, da ein Fünftel der Kapazität für Menschen verbraucht wird, die sich spontan "mal so" zum Arzt gehen wollen, Dies werden junge, flexible, aber keine wirklich kranken Menschen sein. An schönen Tagen und bei Regen würde keiner kommen. Wenn keine Mengenbegrenzung innert der 5 Stunden zulässig wäre, würde es auch hinterher kaum eine Sprechstunde möglich sein, da keine Planbarkeit bestünde oder keine Mittagspause oder einn Feierabend denkbar. Dieser ist eh sehr spät schon. Das hält auf Dauer keine Gesundheit aus. Die versprochene Mehrbezahlung ist ein Witz als Zuschlag auf einen Witz. Das ganze trägt sich nicht.
Markus Diel, Dermatologie. Stuttgart

- Das TSVG ist eine Zumutung, weil 1. ein bestehender Vertrag einseitig geändert wird. 2. ein nicht hinnehmbarer Eingriff in die Praxisorganisation erfolgt. 3. seit Jahren 20 - 40% meiner Tätigkeit nicht bezahlt wird. 4. eine zusätzliche Behandlung von Patienten nicht zu einer Erhöhung des Honorars führt, sondern sich erst nach 4-8 Quartalen evtl. bemerkbar macht., da es sich ja um eine unerwünschte (!!) Ausweitung der ärztlichen Tätigkeit handelt. 5. die Sprechstundenanzahl jetzt bereits über 25 Std./Woche liegt. 6. es nicht zu einem mehr an Terminen führt, da es mich motiviert, die Sprechstundenzeiten auf 25 Std./Woche nach unten anzupassen.7. wir keine Leistungserbringer sondern Ärzte sind und der Umgang mit uns einfach nur unterirdisch ist. 8. ich mein eigener Chef bin und es nicht nötig habe mir von irgendjemandem Vorschriften machen zu lassen und mich kontrollieren zu lassen.
Dr. M. Holl, PRM, Rastatt

- Die Einmischung in meine Patientenversorgung durch die Politik nervt. Herr Spahn kann ja mal bei mir einen Tag verbringen, dann sieht er, dass wir jetzt schon mehr machen als für uns und manchmal auch für die Patienten gesund ist. Wenn ich statt 120% jetzt 150% arbeiten soll - mache ich das - aber das geht nur mit einem deutlichen Zuschlag (um mehr Personal einzustellen, diese auch an Samstagen und abends höher zu bezahlen). Eine Budget oder Abstaffelung ist da leider kontraproduktiv.
Dr. Mike Müller-Glamann, Hausarzt, Hamburg

- 1. Das TSVG widerspricht der bisherigen ärztlichen Schweigepflicht und dem Datenschutz 2. Der Arzt haftet hierdurch alleinig bei Datenschutzverletzungen, die Institutionen sind davon befreit 3. Das TSVG zerstört damit das Vertrauensverhältnis zum Patienten 4. IT-Telematik ist hackbar und damit unsicher, dies bedeutet langfristige Folgeschäden für die Patienten
Dr. Martin Gliese, Neurochirurg, Sinzing

- Meine Praxisöffnungszeiten betragen 27 Stunden pro Woche. Ich bin IMMER 1 - 1 1/2 Stunden vor und nach der Praxis da, um Verschiedenes vorzubereiten, und nach der Praxis die notwendigen Dinge aufzuarbeiten, zu denen ich während der Sprechstundenzeiten nicht komme. Auf diese Weise komme ich auf 40 bis 45 Stunden Arbeitszeit pro Woche (also weit mehr als der durchschnittliche Arbeitnehmer). Rechnet man die Fortbildungsveranstaltungen in den Qualitätszirkeln, Uni-Kliniken und auswärtigen Fortbildungszentren dazu, und bezieht die Bereitschaftsdienste in diese Rechnung mit ein. liege ich mit meiner durchschnittlichen Wochenarbeitszeit bei 50 bis 60 Stunden pro Woche. Eine weitere Ausdehnung meiner Arbeitszeit lehne ich ab. Ich lebe schließlich nicht um zu arbeiten. Minister Spahn ist Bankkaufmann und hat vom Gesundheitswesen Null Ahnung. Er sollte wie der sprichwörtliche Schuster bei seinen Leisten bleiben. Wenn ein Berufsfeld so reformiert wurde, dass der berufliche Nachwuchs wegbricht, ist dieses Berufsfeld kaputt reformiert worden - und das ist sicher kein Zufall. Darüber sollte er sich einmal Gedanken machen.
Dr. med. Peter Kohl, Freudenstädterstrasse 56 72202 Nagold

- Ich finde, dass es im Sinne der medizinischen Versorgung der Bevölkerung nicht angehen kann, dass eine ganze Berufsgruppe selbstständiger Unternehmer permanent unter gesetzlichen Druck gesetzt wird, anstatt wie in allen anderen Bereichen der Marktwirtschaft mit Anreizen zu arbeiten. Nach fest kommt ab.
MfG Peter Franz, Allgemeinmedizin, Ehringshausen

- Sprechstunde Montags und Donnerstag bis 19 Uhr offiziell, meistens bis 20 Uhr, insgesamt über 40 Stunden Sprechzeiten in der Woche, ohne das Bürokratiemonster einzurechnen...
Dr. Paul Kistler 85290 Geisenfeld , Frauenarzt

- Kein einziger gemeldeter Termin an die Servicestelle wurde in Anspruch genommen, weil wir jeden Tag eine Notfallsprechstunde haben! Ich arbeite, wie ich bezahlt werde. Erzählt einem Verdi-Mitglied, das er weniger Geld bekommt und mehr arbeiten muss! Bei uns Ärzten gang und gebe. Jeder Arzt wird gerne und mehr arbeiten, wenn die Budgetierung wegfällt! Dann gibt es keine Probleme mehr mit mangelnden Terminen!!! Und was fehlt?: Krankenkassen kontrollieren, horten widerrechtlich Versicherungsgelder, verweigern Leistungen und reden wider besseren Wissens in Behandlungen rein!
P.Kistenbrügge, Frauenarzt, Hannover

- Die geforderte Stundenzahl wird bei weitem sowieso überschritten - ein sinnvolles betriebswirtschaftliches Arbeiten ist bei einer Ausdehnung nicht sinnvoll. Man bekommt Mehrarbeit sowieso abgestaffelt bezahlt - der bürokratische Mehraufwand ist unverhältnismäßig zur Vergütung, z.B. wer überprüft denn ob es sich um einen Neupatienten handelt.
Ulf Petzke, Facharzt für Orthopädie, Rösrath

- Kostenintensives Verwaltungsmonster! Wir arbeiten eh schon über der Belastungsgrenze und haben keine Termine mehr. Eine zusätzliche offene Sprechstunde ist seit Jahren schon implementiert Gerade im hausärztlichen Bereich ist es wichtig, seine eigenen Patienten zu kennen und zu behandeln. Gilt im Umkehrschluss auch für die Patienten. Ältere Patienten ohne EDV Affinität sind meist mit solchen Verwaltungsmonstern überfordert
Dirk Rabehl, Allgemeinarzt, Koblenz

- Solange uns vorgeschrieben wird, wie viele Patienten wir behandeln dürfen – und sollten wir mehr behandeln, die Behandlungskosten gestrichen werden –, solange uns vorgegeben wird, wie viel Geld für die Behandlung zur Verfügung steht, Grenzen bei Physiotherapie, Arzneimitteln etc. bestehen und wir bei Überschreitung dieser Grenzen mit unserem Privatvermögen haften. Solange die Kassen unsere Leistungen kürzen, wenn wir die Patienten zu gut behandeln. So behandeln wir, wie sie es wegen Ihrer Krankheit verdienen, solange ist es unverschämt, noch mehr Arbeit zu verlangen, noch mehr die Grenzen zu überschreiten. Wir arbeiten nicht nur am Patienten in der Sprechstunde, sondern in Pflegeheimen und bei Hausbesuchen. Wir stellen Anträge für Rehabilitation, Gutachten für Antrage auf Schwerbehinderung, den Betrieb der Praxis, müssen uns zwangsfortbilden. All dies führt zu einer 50-70 Stundenwoche. Je nach Größe der Praxis. Und nun sollen wir noch mehr arbeiten? Wir tun dies gerne für die Gesundheit unserer Patienten, doch dazu müssen auch wir gesund bleiben. Jeder LWK Fahrer müsste seinen Führerschein abgeben, wenn er so lange hinter dem Steuer sitzt. Soll die Politik es doch ehrlich machen: Einrichtung staatlich oder von der Krankenversicherung geführter Praxen. Angestellte Ärzte, 38.5 Stunden Woche, bezahlten Urlaub, Überstundenvergütung, Nacht- und Wochenendzuschlag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Krankengeld. So wie jeder andere Arbeitnehmer auch. All das gibt es für uns nicht. Dies würde die Gesundheitskosten im ambulanten Sektor mindestens verdoppeln. Und das wissen auch alle Beteiligten, die Krankenkassen, die Politik. Deshalb werden Lügen und Halbwahrheiten genutzt, um Stimmung gegen die Ärzte zu machen, den Eindruck zu erwecken, wir würden nur faulenzen. Nur um Ärzte zu Zwangsarbeit zu verpflichten, bei voller persönlicher Haftung. Auch auf Kosten der Gesundheit der Ärzte.
Clemens Schneider, Facharzt für Allgemeinmedizin, Adelebsen bei Göttingen

- Ich bin zwar nicht mehr direkt betroffen, da ich kein Mitglied mehr in der KV bin, aber ich habe lange genug im System gearbeitet um zu wissen, dass das der falsche Weg ist. Er führt lediglich zu mehr Frust und Bürokratie, ist gegenüber den Kolleginnen und Kollegen schlicht respektlos und verkennt deren engagierten Einsatz.
Dr. med. Monika Bär-Degitz, FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie, 76889 Klingenmünster.

- Das TSVG ist gerade für Patienten mit psychischen Störungen eine Katastrophe, weil: - die geplanten Gesetzesvorgaben darauf hinauslaufen, sich mit ihrem Behandlungsanliegen vor jeglichem Beginn einer Psychotherapie erst einmal quasi rechtfertigen zu müssen, - die Anzahl verfügbarer Psychotherapieplätze nochmals reduziert und damit die Wartezeit auf entsprechende Behandlungen nochmals verlängert verlängert wird, - die in Aussicht gestellte bessere Steuerung von Behandlungsbedürftigen zu entsprechenden Hilfsangeboten längst mit der Einführung psychotherapeutischer Sprechstunden erreicht worden ist, - das Recht auf freie Arztwahl untergraben bzw. unmöglich gemacht wird, - die Notwenigkeit zentraler Bestimmungen des TSVG durch den Gesundheitsminister noch wie vor mit mehreren nachweislich falschen Behauptungen begründet wird.
Bernd Nolde / Psychologischer Psychotherapeut / Dortmund

- 5 offene Sprechstunden bedeuten Chaos in der Praxis . Diese 5 Stunden müssen den Terminpatienten weggenommen werden, d.h. uns fehlen 120 Termine pro Monat und die Wartezeiten verlängern sich. Wir haben ein gut funktionierendes Bestellsystem, was damit zunichte gemacht wird. Dem Ärztehopping wird damit Vorschub geleistet.
Dipl.-Med. Beate Pech, Frauenärztin in Zwickau/Sachsen

- Das TSVG in der gültigen Fassung muss unbedingt verhindert werden, da offene Sprechstunden in einer Facharztpraxis mit gezielten Untersuchungen zu chaotischen Zuständen führen wird. Eine bedarfsgerechte Planung ist dann nicht mehr möglich und die Wartezeiten werden sich verlängern.
Dr. S. Ose, HNO, Sondershausen

- Das TSVG versucht, ein gefühltes Problem "Terminschwierigkeiten" durch staatsdirigistische Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Dabei existiert dieses Problem eigentlich nicht. Und da, wo es tatsächlich längere Wartezeiten gibt, liegt es nicht am Engagement der Kolleginnen und Kollegen, sondern an einem schlichten Mangel an Ärzten (z. B. Neurologen). Da wird ein Gesetzt nichts dran ändern. Zudem arbeiten die Ärzte pro Woche ohnehin etwa 51 Stunden im Durchschnitt, und zwar trotz der Budgetierung. Ihnen also latente Faulheit zu unterstellen ist schlicht unverschämt. Andersherum, einfach darauf zu verweisen, dass dann ja das Gesetz die fleißigen Ärzte gar nicht tangiere geht ebenfalls an der Sache vorbei, denn dann ändert auch die Erhöhung der Sprechstundenzahl, siehe oben, nichts. Freiberuflichkeit ist ein hohes Gut zum Wohle des Patienten. Staatsdirigismus unterhöhlt diese. Budgets und "Gebührenordnungen" zwingen zu kostenloser Mehrarbeit. Das ist demotivierend. Keinem anderen Berufszweig in Deutschland wird so etwas zugemutet. Und die GKV hockt auf ca. 30 Mrd. Euro und tut so, als gehöre das Geld ihr persönlich. Dabei verwaltet sie es nur. Schließlich: Durch billiges Ärztebashing löst man keines der anstehenden Probleme. Respekt für unsere Arbeit, eine angemessene Entlohnung ohne Budgets und eine bedarfsgerechte Studienplatzzahl für Medizin, das wären die Probleme, denen sich der Gesetzgeber einmal zuwenden sollte!
PD Dr. Jan Löhler, HNO-Arzt, Bad Bramstedt

- Volle Krankenhausambulanzen, lange Wartezeiten. Leere Bereitschaftspraxen, wenige Patienten im Hausbesuchsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen. Es bestehen regionale Mängel in der Ärzteversorgung, die nicht durch mehr Regulation gelöst werden können. Zusätzliche externe Eingriffe in die Praxisorganisation erschweren sogar ein flexibles Reagieren auf Notfälle und dringliche Termine. Es besteht ein flächendeckendes Bereitschaftssystem von in Diensten organisierten Ärzten, das für den gesetzlich versicherten Patienten unter der Rufnummer 116117 erreichbar ist. Diese Ärzte sind in der Regel langjährige erfahrene und in Praxen tätige Fachärzte. Die Ärzte in diesen Diensten stehen ausschließlich für Hausbesuche oder Besuchen in Bereitschaftspraxen zur Verfügung und müssen nicht zusätzlich stationäre Patienten versorgen. In den Krankenhausambulanzen sind häufig jüngerer Kollegen mit weniger Erfahrung, die zusätzlich mit der Versorgung von schwer kranken Patienten im Krankenhaus und lebensbedrohlichen Notfällen betraut sind. Das Krankenhaus verursacht auch für Ambulanzpatienten deutlich höhere Kosten als die Betreuung im Bereitschaftsdienst. Eine stärkere Bewerbung dieses Notfalldienstes und eine Krankenhauspauschale, wie sie für stationäre Behandlungen sonst auch gezahlt werden muss, können helfen die Krankenhausambulanzen zu entlasten, um dort für bedrohliche Erkrankungen und Notfälle Kapazitäten zu schaffen. Ihr Hausarzt kennt sie am Besten - Vor dem Facharzt zum Hausarzt Die Wartezeiten bei den Fachärzten würden deutlich entlastet werden, wenn vor Aufsuchen eines Facharztes der hausärztlich betreuende Arzt des Vertrauens aufgesucht wird und ggf. notwendige Untersuchungen bereits dort veranlasst oder falls dringlich erforderlich ein Termin vom Hausarzt vermittelt wird. Selbstverständlich sollten Facharzttermine zu notwendigen regelmäßigen Kontrollen auch weiterhin unabhängig stattfinden, aber für diese hat der Patient entweder ohnehin schon einen Termin oder kann für diese Routinekontrolle auch eine längere Wartezeit akzeptieren. Gegen den Ärztemangel durch einen attraktiven freien Arztberuf mit weniger Bürokratie und fairer Bezahlung ohne feste Budgets Seit der Einführung der Budgetierung 1992 durch den damaligen Gesundheitsminister findet unter Berücksichtigung von Inflation und Tarifverträgen für angestellte medizinische Fachkräfte und Ärzte eine stetige Entwertung der ärztlichen Leistung statt, die durch die marginalen Steigerungen des GKV-Entgeltes nicht ausgeglichen werden. Auch die privatärztlichen Leistungen sind im wesentlichen seit 1982 ohne Anpassung geblieben (bis auf die Umrechnung in Euro). Eine Stärkung der ärztlichen Freiberuflichkeit durch eine Vergütung ohne Budget, ein Nachholen der verlorenen Jahrzehnte von "Minusrunden" und ein Abbau von Vorschriften / Eingriffen in das ärztliche Handeln, wäre ein wichtiger Schritt mehr Ärzte zur Niederlassung in eigener Praxis zu motivieren.
Dr. D. Sieber, Facharzt für Innere Medizin / Angiologie, Bernried am Starnberger See

- Ich betreibe eine orthopädische Praxis mit breitem Spektrum u.a. auch ambulanten Operationen. Eine Ausweitung der Sprechstunden geht nur zu Lasten dieser Zeit- und arbeitsintensiven Zusatztätigkeiten. Schon jetzt gibt es praktisch keine wesentlichen Wartezeiten auf einen Termin - mit Ausnahme von Patienten mit dem Wunsch nach Mehrfachmeinungen. Woher geeignetes Personal für die Zusatzsprechstunde gefunden werden soll ist ebenso ungeklärt - auch die Vergütung dieser Tätigkeiten wird wie immer ein Zuschussgeschäft für die Ärzteschaft bleiben. Fazit: 1. In meinem Bereich und Fachgebiet besteht überhaupt kein Bedarf. 2. Qualifizierte Tätigkeiten müssten reduziert werden. 3. Die Personaldecke ist schon jetzt dünn und wie in allen Bereichen fehlt es an qualifizierten Mitarbeitern.
Ascheid-Böddeker FA Orthopädie, Orthopädie & Unfallchirurgie, Zeuthen

- Laut Gesetzentwurf verknüpft es absurde Bedingungen mit Überweisungen, Überweisungszielen, Abrechnungsmodi, die unter dem Strich für uns nur Arbeit bringen. Auch die Behauptung einer besseren Bezahlung ist Unsinn, da 1) an bestimmte Weiter-Überweisungsmodi geknüpft und 2) das, was mehr bezahlt wird, aus dem regulären Topf gekürzt wird (aus der Weisung laut Referentenentwurf). Dadurch werden die Praxen, die sich die Mühe machen und Patienten unkompliziert so aufnehmen - also ohne zentrale Terminvergabe - unmittelbar geschädigt. Sie bekommen ja keinen Bonus, wohl aber den Abzug an den regulären Bezahlungen. Außerdem möchte ich gerne meine Terminplanung selbst vornehmen (bzw. von meinem Personal vornehmen lassen) und keine Eingriffe von außen.
Dr. med. Rainer Bachmann, Praktischer Arzt, 86911 Dießen

- Auch durch dieses Gesetz wird es keinerlei Verbesserung der medizinischen Versorgung geben. Im Gegenteil: Nach meinem Eindruck empfindet der Großteil der Ärzteschaft dies als Schikane, als Repressalie, als Zeichen der zunehmenden Geringschätzung des Freien Berufs Arzt. Wie zahlreiche andere Ärzte bin ich nicht mehr bereit, Drangsalierungen und Verunglimpfungen durch "unsere" Politiker und "unsere" sogenannten Standesvertreter hinzunehmen.
R. Halama, Hausarzt-Internist, München

- Gesetze, die fordern, dass die ohnehin am Limit Ihrer Kräfte arbeitenden Ärzte nun auch noch gesetzlich überwacht, genötigt und im Vergleich zu allen anderen Berufsgruppen sanktioniert werden, gehören nicht in ein demokratisches System. Bisher waren Ärzte häufig Freiberufler - unterzieht man sie der Diktatur des Gesundheitsministerium, hat man eine Staatsmedizin.
Dr. Martin Rauber, Augenarzt, Saarlouis

- Hausärzte arbeiten im Schnitt schon über 50 Stunden pro Woche und sollen jetzt noch mehr arbeiten. Die angegebenen Sprechzeiten sind bei uns die Zeit, in der jeder kommen kann. Ultraschalluntersuchungen, Hausbesuche, Ergometrie, Rentengutachten , Kassenanfragen, Pflichtweiterbildung, Praxisorganisation gehen alle außerhalb dieser Sprechstundenzeiten.
Dr. F.J. Rausch- Allgemeinmedizin

- Ich arbeite jetzt schon mit einem hälftigen (!) Versorgungsauftrag 50 Stunden pro Woche. Meine Praxis ist mehr als ausgebucht, die Warteliste übervoll. Ich muss jede Woche potentielle Patienten wegschicken, weil ich keine Behandlungskapazität habe. Es gibt überhaupt keinen Sinn, nicht vorhandene freie Termine an eine externe Stelle zu melden. Darüber hinaus würde eine externe Terminvergabe einen inakzeptablen Eingriff in meinen Praxisablauf darstellen. Das TSVG schafft keinen einzigen weiteren Therapieplatz, den bedürftige Patientinnen und Patienten dringend bräuchten.
Dr. Rebecca Leopold, Psychologische Psychotherapeutin, Ettlingen

- Weil das jeglicher Freiberuflichkeit widerspricht, meine Arbeitszeit muss als Freiberufler meine eigene Entscheidung bleiben. Wenn das BMG die Arbeitszeit vorschreiben will, dann muss es die Ärzte anstellen, um über deren Zeit verfügen zu können.
Dr. Dorn, Nürnberg, Zahnarzt

- Das TSVG ist der Totengräber für die Freiberuflichkeit. Ein niedergelassener Arzt in Deutschland ist nur noch umgeben von Zwängen und Vorschriften (siehe auch Budgetierung, TI, DSVG), weswegen immer mehr abwandern oder - wen möglich - vorzeitig in Rente gehen. Ein deutscher Arzt ist zum Müllschlucker verkommen! Im Ausland genießen sie noch Wertschätzung und angemessene Bezahlung.
Dr. Reinhard Kühn, Facharzt für Allgemeinmedizin, 97906 Dorfprozelten

Warum sollte das TSVG gestopt werden: In den vielen Jahren meiner Niederlassung (seit 1982) hat sich der Bürokratiewahnsinn logarrithmisch gesteigert. Jeder Gesundheitsminister - meist ausgezeichnet durch Realitätsferne, Lobby-bedienung und egomane Bestrebungen - meint, bürokratische Daumenschrauben noch fester anziehen zu sollen. Nicht merkend, dass keine Daumen mehr vorhanden sind (siehe "Ärzteflucht ins Ausland"). Der neue Gesundheitsminister versucht - offensichtlich frei von jeder Hemmung, Kenntnis soundso - in die Heilkunde (ordre du mufti) wie auch in das Patienten-Arztverhältnis durch wöchentlich mehrere Gesetzesentwürfe einzudringen. Die bisher zu lesenden Bestimmungen greifen in - vermutlich gerichtlich nicht haltbarer Weise - in die Praxis-und Klinikstrukturen ein und sind daher, da mit Stasi 2.0 verknüpft, zwingend abzulehnen.
Dr.med.Joachim Rauh, Dornstadt, Facharzt für Innere Medizin und Palliativmedizin

- Keine Wertschäzuung unserer Arbeit, sondern noch mehr Kontrolle/ Regulierung. Wir machen eh schon pro Quartal ca. 30 Tsd Euro an Leistungen, die erbracht, aber nicht vergütet werden. Wir müssten erstmal weniger Sprechstundenzeiten machen, damit wir dann 5 h freie Sprechstunde machen könnten - Praxisorganisation läuft aber so gut. Immer mehr Reglementierungen machen sauer! Alle Pat. sollten besser vergütet werden, nicht nur neue, was machen die, die kein Internet/ Smarphone haben (Alte und Kranke)? Zwang macht nichts besser, Budgetierung weg! Kassen haben mehr als genug Geld!
R. Pietzsch, HNO, Uelzen

- Bei uns sowie bei den meisten anderen Praxen liegen sogar längere Sprechstundenzeiten vor, wobei aber auch unabhängig von den aufgeführten Zeiten viel zusätzliche Zeit für die Patientenbetreuung in der Praxis aufgebracht wird.
R.Hildebrandt, FA Innere Medizin, Clausthal-Zellerfeld

- Ohne Steuerung der Terminvergabe ist die Weiterbetreuung der Patienten, die in der offenen Sprechstunde kommen werden nicht gewährleistet. Dies ist aber in meinem Fachgebiet unbedingt erforderlich. Wenn die Ärzte die Terminvergabe nicht ihren Kapazitäten und Leistungsgrenzen entsprechend vergeben können, werden viele Kollegen, die ja schon in fortgeschrittenem Alter sind, ihre Kassenzulassung aufgeben. Nachwuchs ist aber nicht ausreichend vorhanden. Insofern wird die Nachfrage auf noch weniger Kollegen verteilt und sowohl die Terminknappheit als auch die Überlastung nehmen zu statt ab. Das TSVG schadet der Gesundheit der Patienten und Ärzte.
Dr. Ruth Sonnenberg, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Hannover

- Der geforderte Versorgungsumfang wird bereits weit übererfüllt. Keine weiteren zeitlichen Reserven. Medizinisches Assistenzpersonal zur Ausweitung der Versorgung nicht vorhanden. Der bürokratische Overhead, der pro Patient mindestens bei 50% der medizinischen Versorgungszeit liegt, wird nicht berücksichtigt. Ohne Aufstockung an Personal und Kompensation der Sachkosten in Vollkostenhöhe nicht machbar.
Prof. Dr. M. Schmitz, Pneumologie

- Das TSVG ist für eine freiberuflich geführte Praxis mit einem sehr guten Terminmanagement bezgl. einer offenen Sprechstunde eine Zumutung!!
M.Schüler, Frauenarzt, Kiel

- Direkter staatlicher Eingriff in die freiberufliche Tätigkeit, sinn- und kompetenzlos. Wird kontraproduktive Folgen für Patienten und Ärzte haben. Immense Kosten, die der Verursacher aus der Gesamtvergütung unrechtmäßig entnimmt. Dirigismus in Reinform.
Dr. Simmet, Kinderarzt, Schweigen-Rechtenbach

- Als Hausarzt arbeite ich im Schnitt ca. 70 Stunden pro Woche, davon 46 Stunden direkt am Patienten (Sprechstunde, Hausbesuche, Telefonate). Das macht mir Spaß und die Zeiten kommen nicht durch Mangel an Erfahrung zustande, ich bin 63 Jahre alt und arbeite seit 40 Jahren im Gesundheitswesen. Wie soll ich meine Arbeit schaffen, wenn da noch in die Zeitorganisation eingegriffen wird?
Joachim Simon-Schultz, Allgemeinarzt, Hamburg

Gerne möchte ich Ihrer Aufforderung folgen und begründen, warum für meine Patienten und für mich als niedergelassener ärztlicher Therapeut die Terminservicestellen eine Zumutung darstellen und eine vernünftige Terminplanung von Erstgesprächen und Psychotherapien konterkarieren.
1. Ich bin kassenzugelassen und nehme meine Verantwortung für die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung sehr ernst. Meine Kassenpraxis ist bis auf die letzte Sitzung ausgelastet!
2. In erster Linie bin ich keine Ambulanz, wozu das TSVG uns machen möchte, sondern umfänglich ausgebildeter ärztlicher psychosomatisch orientierter Psychotherapeut, der Patienten Psychotherapien und Psychoanalysen anbieten kann, die ihre Zeit brauchen und nicht mal eben nur Schnuppersitzungen ohne Anschlusstherapien. Denn Patienten erhalten nur dann Erstgespräche bei mir, wenn absehbar ist, dass ich Ihnen auch einen Kurz- oder Langzeitherapieplatz innerhalb weniger Wochen anbieten kann, sofern die Indikation und das Arbeitsbündnis passen.
3. Ich bekomme ohne Terminservicestellen schon seit Jahren mehr Anfragen als ich freie Therapieplätze habe, weil ich gut vernetzt bin und Patienten über viele Wege zu meiner Praxis finden. Durch die Zwangsbelegung meiner freien zur Verfügung stehenden Sitzungen von Seiten der Terminservicestellen verliere ich als Arzt die Möglichkeit, schnell und effizient auf die Bedürfnisse meiner Patienten einzugehen, sei es weil ein Nottermin eingeschoben werden muss oder ein Patient dringend seinen Termin zeitnah verschieben muss, weil meine freie Valenzen durch die TSS blockiert werden! Dies ist für mich eine unerträgliche Behinderung einer vernünftigen und durchdachten Praxisführung und schadet in erster Linie meinen Patienten.
4. Das Prinzip der Terminservicestellen widerspricht fundamental dem Prinzip der vernünftigen Anbahnung einer Arzt-Patientenbeziehung, die ganz besonders im psychotherapeutischen Bereich über das Gelingen der Behandlung entscheidet. Ich kann als erfahrener Therapeut bereits in einem Telefonat erkennen, ob ein Patient selbst motiviert ist oder lediglich „geschickt“ wird und die Therapie aller Wahrscheinlichkeit abbrechen wird. Daher sind meine Abbruchsraten extrem gering ebenso die Fluktuation. Bei Patienten, die mir künftig zugewiesen werden, ist das völlig anders, denn da geht es nach dem Zufallsprinzip und ich bin noch nicht einmal sicher, ob die vereinbarten und freigehaltenen Termine überhaupt eingehalten werden.
5. Sinnvoller erschiene mir, dass eine ehrliche Bestandsaufnahme in meinem Fall hinsichtlich des Bedarfs an Psychotherapien/ psychoanalytischen/ psychosomatischen Therapieplätzen von unabhängiger Stelle erhoben und entsprechend mehr Zulassungen ausgesprochen würden. Ferner wäre es auch i.S. der Patienten, wenn zusätzlich zu den beizubehaltenden freien Zugängen zu Ärzten und auch zu den nicht ärztlichen Psychotherapeuten flächendeckend psychotherapeutische Ambulanzen eingerichtet würden, die allerdings nicht mit Callcenter-Angestellten, sondern mit erfahrenen Psychotherapeuten und psychiatrisch-psychosomatisch versierten Ärzten zu besetzen wären, die für Ihre Tätigkeit angemessen honoriert würden, und denen die Aufgabe zukäme, fachlich zu eruieren, ob und welche Psychotherapie infrage kämen und nur an Kollegen vermitteln würden, die dort entsprechend freie Plätze gemeldet haben. So arbeiten bereits Institutsambulanzen, die allerdings zunehmend dem Nachfragedruck nicht standhalten können. Eine solche Finanzierung sehe ich als Mischfinanzierung von Krankenkassen, KV und Krankenhäusern, die sich so besser koordinieren könnten.
6. Für die Psychotherapeuten gibt es noch eine zusätzliche völlig aberwitzige Regelung: Man wird aufgefordert, freie Plätze für Probatorische Sitzungen frei zu halten. Eine Probatorische Sitzung, die deutlich weniger vergütet wird als eine Sprechstunde oder Psychotherapiesitzung, wird nur dann erforderlich, wenn eine Psychotherapie geplant wird. Wie soll bitte einem unbekannten Patienten eine die Therapie vorbereitende Sitzung gegeben werden, wenn man erstens dessen Motivation und Psychotherapiebedarf nicht kennt und zweitens, wie in meinem Fall, möglicherweise gerade keinen freien Therapieplatz hat? Genauso widersinnig halte ich den Zwang durch die Terminservicestelle eine Akuttherapie -die ansonsten sehr zu begrüßen ist - über 12 Stunden freizuhalten, wenn man den Patienten nicht kennt und daher nicht weiß, ob eine solche Akuttherapie mit ihm oder ihr überhaupt durchführbar wäre. Denn dazu muss man die Materie kennen und natürlich muss ein Arbeitsbündnis zustande kommen. Ansonsten ist es eine Überforderung für beide und könnte schnell den Praxisrahmen unnötig strapazieren.
FAZIT: Die Zwangsbelegung vorübergehender freier Kapazitäten meiner Arztpraxis schadet in erster Linie meinen Patienten und meiner Praxisführung. Ein Erstgespräch bleibt ein Erstgespräch und wenn, wie bei den TTS angedacht, es um den Zugang zum Psychotherapeuten oder Arzt, nicht aber um die Behandlung selbst geht, also in meinem Fall die Aussicht auf einen Langzeittherapieplatz, dann schadet es auch den Patienten, die viele Therapeuten kennenlernen dürfen, aber einem Therapieplatz keinen Deut näher gekommen sind! Mit freundlichen Grüßen
Pierre E. Frevert, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 60318 Frankfurt a/M

- Das TSVG ist der verzweifelte und unzulängliche Versuch mittels Gesetz mehr Termine zu erzwingen. Dabei soll mit hohem bürokratischen Aufwand in die freiberufliche Tätigkeit der Ärzte eingegriffen werden, ohne Nutzen für die Patienten. Anstatt die Attraktivität der ärztliche Tätigkeit in Zeiten des Ärztemangels zu steigern (Stichworte: Entbudgetierung, Aussetzen von Regressen, Bürokratieabbau), erfolgt genau das Gegenteil. Das Geld was für die Umsetzung und Kontrolle des TSVG benötigt wird, fehlt später dort wo es wirklich benötigt wird - nämlich in der Patientenversorgung.
Stefan Schröder, Hautarzt, Heinsberg

- Wie bitte sollen bei fixem Budget (feste Anzahl honorierter Patienten pro Quartal) die Wartezeiten auf einen Arzttermin reduziert werden? Ich kann nicht mehr Patienten behandeln wie zuvor. Es sind nur andere Patienten, nämlich diejenigen, die die Kommunikationswege besser kennen oder glauben dringliche Fälle zu sein. In einer offenen Sprechstunde droht das Chaos, da eine strukturierte Arbeit (Terminfenster für spezielle Untersuchungen, wie z.B. Sehschule, Kontaktlinsen, OP-Vorbesprechungen,...) nicht mehr möglich ist. Wer sonst als der Praxisinhaber hat das größte Interesse, dass die Sprechstunden gut organisiert ablaufen. Eine TSS kann dies überhaupt nicht leisten. Ganz zu schweigen vom "Honorarplus". Es fällt dem Prinzip "Rechte Tasche - Linke Tasche" zum Opfer.
Dr.Markus Strauß, Augenarzt in Saarbrücken

- Als Schmerzmediziner werden unsere Patienten in einem strengen organisatorischen und zeitlichem Assessement behandelt und geführt. Eine freie Termingestaltung ist überhaupt nicht möglich. Da wir unter den Restriktionen der Qualitätssicherung Schmerzmedizin arbeiten, sind wir fallzahlbegrenzt. Ein freier Zugang zu uns ist von KV-Seite verhindert. Mehr Sprechstundenzeiten sind systembedingt nicht umsetzbar. Darum ist für uns das Gesetz in unserer Praxis nicht umsetzbar und darüberhinaus inhaltlich völliger Unsinn.
Dr.med. Klaus Strick, Schmerzmedizin, Köln

Dass ausgerechnet ein katholischer CDU-Minister wie Herr Spahn die wissenschaftliche Bewertung medizinischer Verfahren durch den Gemeinsamen Bundeszuschuss unterlaufen will, steht im Widerspruch zu vernünftigem Handeln.
Eingehende Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen fehlen Herrn Spahn nicht nur in folgenden Bereichen: Evidence-based medicine, Statistik, Bayes’sches Theorem, Auswertung und Bewertung klinischer Studien, Katalog der unzähligen Verzerrungen (Bias) und Fehlermöglichkeiten, die bei Planung, Durch- und Ausführung klinischer Studien auftreten können, Medizin generell, Qualitätssicherung im Gesundheitswesen sowie deren Resultate insgesamt und im Einzelnen. Spahn kann insbesondere keine einzige Publikationen in diesen Gebieten vorweisen. Er ist in den oben genannten Bereichen ausgewiesen ungebildet.
Sollte Spahn in seinem Ministerium eine Truppe von Ärzten haben, die in allen genannten Bereichen über untadelige Urteilskraft verfügen, dann soll er es nachweisen. Es würde mich wundern; sind doch alle Minister ohne Sachverstand von außen hilflos.
Spahn lässt bis heute, wie alle seine Vorgänger, gesetzliche und private Krankenkassen homöopathische und andere Quacksalberrechnungen bezahlen. Dazu gehören auch Abrechnungen von Heilpraktikern, u.a. Eigenurintherapie, Biomagnetresonanz und vieles andere mehr. Herr Spahn ist umgeben von einer Schar von Lobbyisten, deren Interessen und Einflussnahmen er vorsätzlich vor der Öffentlichkeit geheim hält.
Wer den GBA entmachten will und stattdessen keine bessere Institution installiert, versagt als Gesundheitsminister vollständig. Für mich ist das nichts anderes als intellektuelle Korruption in großem Stil. Vernünftige Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen sehen anders aus.
Dr. med. Dipl. biochem. Rudolf Heinrich Seuffer, Reutlingen

- Eine weitere, unnötige, Reglementierung des niederlassenden Arztes ist unnötig , belastet zusätzlich den Arzt und wird den ärztlichen Nachwuchs abschrecken, sich nieder zu lassen.
Dr. Med. Tammo Müller, Allgemeinmediziner, 46519 Alpen

- Als FÄ für Allgemeinmedizin in einer Einzelpraxis, im seit Jahren ärztlich unterversorgen Landkreis Ludwiglust/Parchim, ist es ein Hohn von Spahn zu behaupten, wir müssten 25h/Wo Sprechzeiten anbieten, die hätte ich dann wöchentlich bis Dienstagabend absolviert und dann??? Ab Mittwochmorgen könnten dann Terminservicestellen Termine vergeben, aber an wen, wen ich dann bereits täglich bis zu 180 Patienten "versorgt" habe?
Petra Pöhler, FÄ f Allgemeinmedizin, 19086 Plate

- Es ist ein Eingriff in die ärztliche Selbstverwaltung. Für mich als Hausarzt sind freie Sprechstunden Unsinn, da Patienten, die ihr Leiden als dringlich erachten, sowieso kommen, wann sie wollen (oder soll ich den Grippepatienten von Montag früh auf die freie Sprechstunde am Donnerstag Nachmittag verweisen?). Ich leiste sowieso schon mehr als 25 Stunden Sprechstunden, dabei ca. 8 Stunden Hausbesuche pro Woche in einer ländlichen Gegend. Wenn mich die Politik weiter ärgert, würde ich diese als este einschränken.
Dr. Thomas Sievert, Hausärztlicher Internist, Gunzenhausen

- Das TSVG kann die Defizite im Gesundheitssystem nicht lösen, ganz im Gegenteil ich sehe hier v.a. auf ein lange Sicht eine Verschlechterung der Patientenversorgung und Anstieg des Ärztemangels. Welcher junge Kollege möchte sich den unter solchen Bedingungen noch niederlassen?
Th. Stania, HNO, Bamberg

- Der Schutz der intimsten Daten des Patienten ist bei der Anbindung der Praxis EDV an die Telematikinfrastruktur nicht gewährleistet. Es nützt den Patienten nichts, wenn nach der illegalen Veröffentlichung der Daten nach höheren Strafen gerufen wird.
Dr. Thomas Offermann, Zahnarzt Minden

- Das Gesetz basiert nicht auf validen Daten des medizinischen Alltags, sondern auf Stimmungen. Ich habe in meiner Praxis nie einen wahren Notfall warten lassen, sogar Pseudonotfälle sofort behandelt. Ich habe immer akut oder dringend zu behandelnden Patienten bei Kollegen mit langen Wartezeiten sofort untergebracht. Als einziger niedergelassener Gefäßchirurg, operativ auch mit arteriellen Rekonstruktionen im Belegkrankenhaus und ambulant chirurgisch in der Phlebologie mit sehr gut frequentierter Praxis, lehne ich jedwede Einmischung in meiner Praxisorganisation ab.
Dr. med. Dimitrios Tsantilas, Praxis für Gefäßchirurgie, Augsburg

- Bei einer regelhaften 60-70 Stundenwoche, bislang drei bis vier Patienten zusätzlich pro Woche über die Terminservicestelle und einem Haufen Regulatorien und unbezahlter Arbeit, möchte ich mir nicht vorwerfen lassen müssen, meinen "Kassensitz nicht voll auszufüllen". Wo bleibt da der Arbeitsschutz für uns Selbstständige? Terminservicestellen an 24 h zu besetzen ist genauso sinnvoll wie mehr Tankstellen zu errichten, gegen eine Ölkrise: Der Mangel ist auf der Angebotsseite, nicht beim Vertrieb. Die Budgetierung muss abgeschafft werden, denn sie allein unterhält den Mangel, weil viele Patienten zur Schonung des Budgets des einen zum nächsten Arzt weitergeschickt werden (irgendeiner ist dann hoffentlich der Dumme, der die teure Verordnung ausstellt...).Dieses Gesetz als "Einstieg in den Ausstieg aus der Budgetierung" zu verkaufen, ist Etikettenschwindel. Viel Geld wird der Versorgung verloren gehen für die Verwaltung der erforderlichen Kontrollen und Massregelungsorgane.
Dr. Ute Kruse, Neurologin/Neurochirurgin, Flensburg

- Facharzt Termine mit besonderer Dringlichkeit werden in unserer Praxis nach Anfrage durch den Hausarzt ermöglicht. Diese pragmatische Lösung erübrigt teure bürokratische Konstruktionen
U. Simon, HNO, Bad Arolsen

- 1. Arbeitszeit von Ärzten ist heute schon zu hoch 2. Eingriff in die Berufsfreiheit 3. Einstieg in unvertretbare Kontrollen der Ärzte durch die Kassen und die Politik 4. Grundgesetz widrig
Dr. U. Kamphausen, ehemaliger Geschäftsführender Arzt Gemeinschaftspraxis für Gefäßmedizin-Gefäßzentrum Mönchengladbach DGG, jetzt: i.R, Beauftragter des Gefäßzentrums

- Das TSVG verspricht viel und hält nichts. 1. Mehr ärztliche Arbeitszeit entsteht nicht per Gesetz sondern durch positive Anreize. So könnten mehr Ärzte aus dem Ausland zurück kommen oder aus der Verwaltung wieder in die Patientenversorgung 2. Schnellere Termine über die TSS: kosten viel Geld, das der Versorgung entzogen wird, verdrängen chron. Kranke zugunsten "neuer" Pat., nehmen dem Arzt die Freiheit seiner Terminvergabe und oft nehmen die Pat die Termine gar nicht wahr. Besser wäre es, den Budgetdeckel abzuschaffen, weil mit der Begrenzung der Vergütung auch eine Begrenzung der ärztlichen Arbeitszeit einhergeht (Zeitbudget). Notwendig wäre eine Steuerung der Inanspruchnahme ärztlicher Arbeitszeit z.B. über prozentuale Selbstbeteiligung bis zu einem Höchstbetrag. Abschreckend ist die Vorstellung einer "offenen" Sprechstunde anstatt festen Terminen. Abschreckend ist die Zwangsanbindung an die TI und "zentrale Speicherung von Patientendaten". Das ist völlig unsicher und der Arzt haftet auch noch dafür. Das untergräbt das Vertrauen in die ärztliche Schweigepflicht. Soll jeder Pat gerne seine Daten speichern lassen wie er will, aber nicht über einen Zwangsanbindung in der Arztpraxis. Grausam ist die "gestufte Versorgung" in der psychotherapie. Sie diskriminiert Pat mit psych. Problemen.
Ulrich Hammerschmidt, Landau

- Das TSVG ist der hilflose Versuch der Politik, das Versprechen eines „Rundum-Sorglos-Pakets" der Gesundheitsversorgung für 80 Mio. Deutsche in Zeiten knapper werdender Ressourcen einzuhalten – auf Kosten eben jener, die dieses System bislang aus Verantwortung und Liebe zu ihrem Beruf aufrechterhalten haben.
Ulrich Hempel, Innere Medizin, Brake

- Patienten können und konnten immer am gleichen Tag vorbei kommen bei dringenden Beschwerden die, sowie sich herausgestellt haben in nur 20% sehr dringend wahren!! Deshalb totaler Unsinn!!! Und das für 30 Euro!! Schwachsinn!!! Die Politiker wissen gar nichts!!
Drs. Louis Teunissen, Gynäkologie, Gangelt

- Die indirekte Unterstellung, dass Ärzte zu wenig Sprechstunden anbieten, ist ein Affront! Die meisten Niedergelassenen arbeiten am Limit, und eine Pflicht-Sprechstundenzahl zu erhöhen, macht nur noch wütend. Zusätzlich ist es völlig wirkungslos, wenn sowieso 95% der Niedergelassenen mehr als 25 Std. arbeiten. Das Hereinregieren in die Praxisorganisation bei einem Freiberufler dadurch, dass freie Sprechstunden angeboten werden müssen, ist ein No-Go. Die Nötigung zum Verstoß gegen die ärztliche Schweigepflicht dadurch, dass ein Zwangs-Anschluss an die TI erfolgen soll, ist in meinen Augen schlichtweg eine Straftat.
Wolfgang Bartels, Arzt für Orthopädie, Düren

- Die ersten 30 Jahre meines Lebens habe ich in der DDR verbracht...zwangsläufg. Am 23.08.1989 beendete ich diese Situation durch Republikflucht. Mittlerweile bin ich 60 Jahre alt...und finde mich im KV Gebiet Nordrhein seit 2000 (Individualbudget) und 2009 (Regelleistungsvolumina) in bekannten sozialistischen Verhältnissen wieder. Die überbordende, alles lähmende Bürokratie und Administrationswut bewerte ich als gesamtdeutsches Problem. Warum Herr Spahn zum BMfG "gemacht" wurde und von wem ist allgemein bekannt. Das Aussteigen aus dem System, d. h. das Aufgeben der Praxistätigkeit wird immer reizvoller...
Dr. Wolfram Klappoth, Urologe, Einzelpraxis, Geldern/Niederrhein

- Die z.B. im Terminservicegesetz vorgesehene offene Sprechstunde ist nicht realisierbar, da die Patientenströme so nicht gelenkt werden können und Pat. mit der Einstellung kommen, sie könnten am selben Tag untersucht werden. Dadurch käme es zu überfüllten Wartezimmern und letztlich muss auch der Arzt irgendwann Feierabend machen und es könnten ggf. nicht alle Pat. drankommen. Bestelltermine würden dadurch wegfallen, insgesamt also nicht mehr Patienten als vorher behandelt werden. Es ist insofern auch unnütze, da Notfälle in allen Praxen zeitnah, möglichst am gl. Tag versorgt werden. Das ist jetzt schon gelebte Praxis!
Dr. Tanja Wagner, FÄ Gyn/Geburtshilfe, Goslar

- ÄrztInnen und Psychotherapeutinnen gehören zu der Gruppe der Freiberufler. Dies inkludiert auch, dass die fachliche Verantwortung in ihren Händen liegt. Eine ganze Berufsgruppe durch Verordnen von zusätzlichen Sprechstunden steuern zu wollen, widerspricht zum einen zutiefst dem Charakter des Berufsstandes, und es wird zum anderen quasi unterstellt, dass die Ärzte- und Psychotherapeutenschaft die Bedürfnisse der Patienten nicht selbständig sehen und beantworten kann. Wer aus Überzeugung eine Praxis führt, wird in seinem Praxiskonzept, das Wohl der Patienten so in den Mittelpunkt stellen, wie es ihm machbar und möglich ist. Und jedem Menschen sei ein Mittwoch oder sonstiger Nachmittag vergönnt, um sich durch Golf, Tennis, Gesang etc. zu regenerieren, da nur durch eine entsprechende Selbstfürsorge in helfenden Berufen eine überdauernde Leistungsfähigkeit sicher gestellt werden kann, die letztendlich insbesondere auch den Patienten zu gute kommt. Ein Gutachterverfahren der Psychotherapie voran zu stellen, widerspricht dem Anspruch, den ein Mensch gegenüber seiner Krankenkasse hat, denn wenn er die Kriterien des ICD 10 einer psychischen Erkrankung erfüllt, dann muss er auch ohne eine bewertende Einschätzung hinsichtlich der Notwendigkeit und Eilbedürftigkeit in den Genuss einer Psychotherapie kommen dürfen. Dies vorab kontrollieren und steuern zu wollen, entmündigt Psychotherapeuten und beschneidet Patienten in ihren Rechten.
Waltraud Schacht, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Hamm

- Ich bin dagegen, dass die ärztlichen Sprechstunden von außen fehlreguliert werden!
Dr. Wilfried Lüdeking, Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, 26506 Norden

- Verstehe nicht was das bringen soll. Jeder von uns hat Patienten für die er da ist. Ob man nun in der Praxis ist oder Hausbesuche fährt, jeder ist mindestens 25 Wochenstunden am Zahnarzt-Stuhl, am Patienten und behandelt, ich auch. In aller Regel viel Länger. Auch an Wochenenden behandeln wir Patienten, die auswärts arbeiten. Wenn irgendjemand mir vorschreiben will wann ich zu arbeiten hab, dann sollte er mich anstellen und mich ordentlich bezahlen!!
Hochachtungsvoll Wolfgang Napp, 06110 Halle, Zahnarzt

- Beendigung der Budgetierung, dann können Ärzte ohne Bevormundung ihre Sprechzeiten bedarfsgerecht entwickeln. Staatlicher Eingriff unnötiger Aufwand. Geld besser in die Honorierung von 20% Umsonstleistungen investieren. Freiberufliche Ärzte tragen die ambulante medizinische Versorgung noch immer mit hohem Engagement, besser als jede staatliche Einrichtung. Zukunft der Freiberuflichkeit in Gefahr, wertvolles Potential für gut Versorgung dadurch auch gefährdet.
Dr. Wolfgang Seebach, Hamburg

- Das geplante TSVG ist ein schwerwiegender Eingriff in die Selbstversammlung. Eine plausible Erklärung für dieses Vorgehen habe ich noch nicht gelesen und hält einer Überprüfung nicht Stand. Ich habe den Eindruck, dass dem Minister an einem einvernehmlichen Auskommen mit der Ärzteschaft nicht gelegen ist.
Dr. med. Wolf-Detlev Höpker, Frauenarzt, 99734 Nordhausen

- Ich führe einen halben Kassensitz als Psychologische Psychotherapeutin TP auf dem Lande und führe eine längere Warteliste(bis zu 6 Monaten). Meine Patienten kommen aus dem näheren Umfeld und sind dankbar für die kurzen Anfahrtszeiten. Nach dem TSVG hatte ich Patienten, die 40 km und weitere entfernt zur Psychotherapie Sprechstunde kommen, und dann nicht an einer weiteren Behandlung interessiert sind. Durch diese Beratungen kann ich entsprechend weniger Patienten Vorort behandeln. Zurzeit habe ich Anmeldungen zu Psychotherapiesprechstunden für 6 Wochen im Voraus!
Christel Kock, Psychologische Psychotherapeutin, Hamburg

- Das TVSG wird die Hauptproblematik nicht beseitigen. Die Attraktivität der Niederlassung wird nicht steigen, die Bereitschaft zur Niederlassung weiter sinken. Die Termingabe bei mir erfolgt durch die Patienten selbst oder durch die Hausärzte. Die Annahme erfolgt nach Dringlichkeit. Bei Bedarf in der gleichen Stunde oder nach Abwägen der Dringlichkeit später. Das kann keine Terminservicestelle leisten.
Durch Vergabe lauft man Gefahr, dass Patienten zu spät in die Spechstunde kommen, weil die Dringlichkeit falsch eingeschätzt wird. Umgekehrt kann es passieren , dass nicht dringliche Fälle wichtige Sprechstundenzeiten blockieren. Das TVSG ist nicht nur unnötig, sondern auch schädlich. Zum Thema Datensicherheit möchte ich keine 2 Klassenmedizin. Die 90 % der GKV - Versicherten geben ihre Daten ins Internet und müssen darauf vertaruen, dass ihre Daten nicht gehackt werden. Bei Privatversicherten ist dies nicht der Fall. Und dies ist auch richtig. Das Netz vergisst nicht. Sensibele Daten gehören nicht ins Netz.
Dr. Michael Sachs , Pneumologie, 42551 Velbert

- Unsere Praxis ist terminlich voll ausgebucht. Man hat Mühe, der Patientenanfrage Herr zu werden und diese irgendwie zu kanalisieren und zu planen. Ein ungeplanter Patientenbesuch wäre die Steigerung des Chaos und entbehrt jedem Sinn einer Praxisorganisation. Notfallpatienten werden immer ohne einen Terminvorlauf angenommen, insofern gibt es freie Sprechstunden. Eine Terminvermittlung- planung von extern schafft keine Verbesserung der Situation. Die Damen und Herren, die am grünen Tisch planen, fern der Praxisrealität, sind gern einmal eingeladen unsere Mitarbeiterinnen in ihrem Tagesgeschäft zu unterstützen.
Hinz, Augenarzt, Heide

- Die wirtschaftliche Verantwortung obliegt allein dem Praxisinhaber. Ein Einmischen von außen in die Terminplanung ist daher inakzeptabel. Zudem bei in Hessen in der urologischen Fachgruppe geforderten Nennung von 2 Terminen pro Monat wirtschaftlicher, bürokratischer Unfug.
Dr. Norbert Oppermann, Urologe, Reinheim

- Das TSVG ist aus meiner Sicht eine erneute Steigerung der Regelungsflut. Viele Entscheidungen im Arzt-Patienten-Kontakt können im Gesetz nicht reguliert werden. Zusätzlich kommt es zu Fehlanreizen z.B. bei der bevorzugten Versorgung von Neu-Patienten. Dadurch wird die Versorgung von chronisch-kranken Patienten erschwert. Das deutsche Gesundheitswesen braucht keine Terminservice-Stelle mit Öffnungszeiten 24/7. Das schafft nur unnötige Kosten. Die Qualität der Behandlung wird nicht verbessert. Bei zusätzlicher Zulassung von Ärzten in das kassenärztliche Versorgungssystem muss der Gesetzgeber und die Krankenkassen zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Ist das geplant ?
Dr. Michael Schuh, Arzt für Orthopädie, Erfurt

- Das TSVG bevormundet und gängelt uns freiberufliche Ärzte in einem unerträglichen Maß. Bei dem jetzt schon bestehenden Ärztemangel in vielen Bereichen macht das keine Lust auf Teilnahme an der ambulanten Versorgung und die Abwanderung der deutschen Ärzte wird weiter gefördert. Der Bevölkerung wird suggeriert, das die Ärzte faul und uninteressiert sind und von dem Herr aller Reusen Jens Spahn nur mal zurechtgewiesen werden müssen, damit der Laden läuft. Das ist genau das Gegenteil von dem was wir für die ambulante Versorgung brauchen und wird nach hinten losgehen. Schade, dass Politiker nicht für Ihre Fehlentscheidungen zu Verantwortung gezogen werden.
Thomas Lenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Vellmar

- Es ist kurz vor zwölf immer mehr geht die FREIBERUFLICHKEIT den Berg runter. Immer mehr BÜROKRATIE. Wollen wir das - wollen die Patienten das?
Dr. S.P. Müller, Bruchsal

- Wir bieten bisher allen Patienten (gesetzlich, privat oder BG-versichert) mit akuten Beschwerden kurzfristige Termine in einer täglichen Notfallsprechstunde an. Es ist zu erwarten, dass diese jetzt durch Patienten mit chronischen Beschwerden, die ein Anrecht auf eine offene Sprechstunde einfordern "verstopft" wird und in der Folge die Termine für eine weiterführende Diagnostik immer später liegen. Dies gilt insbesondere für zeitaufwändigere Diagnostik, angefangen bei Hörtesten, Allergieuntersuchungen, Geichgewichtsdiagnostik, Schlafapnoediagnostik um nur einige zu nennen. Wir haben ein bewährtes System, bei dem unsere Mitarbeiterinnen gelernt haben die Patienten speziellen Sprechstunden zuzuordnen, das wird durch diesen ungewöhnlichen Eingriff in unserer Termingestaltung in Frage gestellt. Es ist auch nicht nachzuvollziehen, dass Patienten, die schon einen korrekten Termin vereinbart haben länger warten sollten als die, die sich einfach in eine "offene Sprechstund" setzen. Wenn das erst mal bekannt wird, lässt sich kein vernünftiger Patient auf einen anderen Termin ein, dann kann er ja gleich in die "offene Sprechstunde" gehen. Weiterhin lässt sich der Bedarf in dieser Sprechstunde nicht planen, so dass sowohl Überfüllung als auch Leerlaufzeiten vorprogrammiert sind, So können wir auch den Einsatz unserer Miterbeiterinnen nicht planen. Schon jetzt erhalten Patienten, deren Hausärzte anrufen einen entsprechenden Termin. Schön, dass dafür jetzt extra Geld gezahlt werden soll, so dass viele Kollegen dieses jetzt einfordern können und nicht nur vor dem Patienten als Wohltäter dastehen sondern dafür auch noch pekuniell belohnt werden.
Dr. Martin Rethemeier, HNO-Heilkunde, 32756 Detmold

- Die Öffnungszeiten der Terminservicestellen sollen auf Kosten der Ärzte ausgeweitet werden, was aber keinen einzigen zusätzlichen Termin schaffen wird, sondern nur den Mangel zu organisieren versucht. Offene Sprechstunden in Facharztpraxen führen dazu dass weniger Terminsprechstunden zur Verfügung stehen. In der offenen Sprechstunde wird keine Zeit für gründliche Diagnostik sein und es ist ein weiterer Termin notwendig. Das verschlechtert die Terminsituation. Die versprochene extrabudgetäre Vergütung verpufft durch die Mengenbegrenzung der Gesamtvergütung, andere Leistungen werden dadurch schlechter bewertet. Die neuen Regeln werden auch kontrolliert werden und so zu mehr Bürokratie führen, die wiederum weitere Sprechstundenzeit von den Patienten klauen wird. Niederlassungssperren für bestimmte Facharztgruppen sollen fallen ohne die mengenbegrenzte Gesamtvergütung anzuheben. Diese zusätzlichen Arztsitze werden also von den Ärzten selbst finanziert und die eh schon niedrigen Facharzthonorare werden noch weiter sinken, was den Arztberuf unattraktiver macht. Kurz vor der Rente stehende Ärzte werden ihre Tätigkeit dadurch eher beenden und es werden am Ende weniger Termine zur Verfügung stehen. In unterversorgten Gebieten soll die KV Eigeneinrichtungen mit angestellten Ärzten einrichten. Diese werden höchstwahrscheinlich defizitär laufen denn sonst wäre diese Maßnahme nicht notwendig. Das wiederum verringert die Arzthonorare, denn dieses Defizit muss von den Ärzten bezahlt werden.
Dominik Pütz, Allgemeinmedizin, Niederkassel

Das TSVG ist eine Zumutung für uns Ärzte und auch für die Patienten weil es die Probleme völlig falsch anpackt.
Herr Spahn meint ein Problem erkannt zu haben. GKV Versicherte bekommen seiner Auffassung nach nicht schnell genug einen Arzttermin. Die einfache Lösung: Die Ärzte sollen mehr arbeiten, Punkt. Leider ist es nicht ganz so einfach!
1. Fakt ist, das ist eher ein gefühltes Problem. In Deutschland kommt es pro Jahr etwas zu einer Milliarde Arzt-Patient Kontakten. Die über die Terminservicestellen vermittelten Kontakte erreichen nicht einmal die Marke von 200.000 pro Jahr, das sind nicht einmal 0,02%. Wo ist also das Problem?
2. Fakt ist auch, wir Ärzte arbeiten jetzt bereits um die 50 Stunden in der Woche. Warum also die Androhung des Ministers, die Sprechstunden auf mind. 25 Stunden zu erhöhen? Dabei handelt es sich doch nur um einen populistischen Pseudoaktionismus ohne jeglichen erkennbaren Nutzen. Im Gegenteil, durch diese Maßnahmen demotiviert Herr Spahn die Ärzteschaft unnötiger Weise und riskiert damit eher einen Rückgang des Sprechstundenangebotes als das was eigentlich beabsichtigt war.
3. Fakt ist auch, wir alle wissen, wie Praxis geht und wir alle können Praxisorganisation. Wir benötigen keinen Minister, der uns Vorgaben macht, wie wir unseren Terminkalender führen sollen. Damit ist die Ausweitung der Terminservicestellen eigentlich schon gestorben. Nun versucht der Herr Minister uns die Sache zu versüßen, indem uns eine bessere Vergütung für die Patienten versprochen wird, die über die TSS vermittelt werden. Leider übersieht der Minister dabei das wir uns in einem budgetierten System befinden. Auch wenn diese Extravergütung nicht budgetiert ist, so wird dies dennoch nicht dazu führen das mehr Termine zur Verfügung gestellt werden. 1. Praxen sind eh schon maximal voll, 2. es kommt höchsten zu einer Verschiebung in Richtung nicht budgetierter vs. budgetierter Termine, was nichts anderes bedeutet als das Akutpatienten bevorzugt werden und chronisch Kranke das Nachsehen haben.
Vielleicht ist das Problem ja doch nicht die faule Ärzteschaft Herr Minister, vermutlich gibt es nur zu wenige davon. Denken Sie einmal darüber nach.
Dr. med. Thomas Wesendahl, Augenarzt, Aachen

So nicht, Herr Spahn! Mangelnde Sachkunde und politischer/ egomaner Aktionismus löst die Probleme des Gesundheitswesens nicht, schreckt vielmehr die möglichen Nachfolger/innen in unseren Praxen ab! Täglich erlebe ich im Sauerland die Abwehr-Haltung bei der Frage nach Übernahme wirklich gut gehender Praxen, sehe ich die Hilflosigkeit der kommunalen Politiker mit ignoranten Argumenten und Forderungen, steigert sich die Anspruchshaltung/ Flatrate-Mentalität der Bürger/innen nicht nur in den Notfall-/Portalpraxen. Solange uns die Politiker bezüglich der Anspruchshaltung nur sagen: „Daran kann die Politik nichts ändern, aber dazu habe ich einen Arbeitskreis gegründet“ (vormalige NRW-Gesundheitsministerin d. Grünen) wird das Gesundheitssystem weiter sicher vor die Wand fahren. Solange der derzeitige Noch-Minister Spahn lieber Wahlkreisgespräche führt statt sich den gewählten Vertretern der ÄKWL zu stellen, solange mit unverminderter Wucht die Entwürdigung und Gängelung der gesamten Ärzteschaft seit Seehofer, Schmidt u. Co. weitergeführt wird (und wir uns das gefallen lassen), solange wir nicht in der Lage sind, mal endlich mit einer Stimme zu sprechen und zu handeln statt als Inhaber eines winzigen Verbands-Duodez-Fürstentums, solange unsere Mandatsträger/Funktionäre/=Apparatschiks keinen Mumm zeigen (wie vormals das „Kölner Dreigestirn“ bei Adenauer), solange werden die Schwächsten im Glied, die wirklich Kranken, immer die Leidtragenden sein, trotz aller immer noch vorhandenen, hohen Berufsethik. - Auch sollte man sich fragen, wo denn der Banker Spahn diesen hohen Aktivitätsgrad mit Gesetzen und Vorgaben über hunderte von Seiten her haben kann? Das sind doch die seit Jahren in den untergeordneten Rängen herumsitzenden Ministerialen, die alle möglichen Farb-Strömungen im BMG „überlebt“ haben und jetzt wider mal richtig loslegen können. Die holen doch ihre Jahre alten, ideologischen Vorlagen aus den Schubladen und versorgen damit ihren Minister, mit subtilen, ihrem Dienstherren gar nicht bewussten Drangsalierungen von Bürokratie-Monstern, die immer schon Hass auf die Ärzteschaft gehabt haben. Hier müsste dieser Augias-Stall eigentlich ausgemistet, durchgelüftet werden, denn sonst wird sich auch beim nächsten Minister nichts ändern! Prof. Hoppe: „Die Forderung nach Ablösung des Ministers ist kontraproduktiv. Wir haben danach immer einen noch Schlechteren bekommen."
Dr. med. Martin Junker, Facharzt f. Allg.-Med., Olpe

Ich bin Diplom Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, 63 Jahre alt. Seit 1999 in eigener Praxis in Wildeshausen tätig, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Ich finde die geplanten Bestimmungen zu meinem Arbeitsbereich, der Psychotherapie, unzumutbar – für mich, aber ganz besonders auch für die Patientinnen. Schon die übergriffige Einführung von Telefonzeiten und Sprechstunden (als sei ich davor nie erreichbar gewesen und habe auch nie Erstgespräche geführt zur Abklärung einer Psychotherapieindikation) haben mich 4 Therapiestunden in der Woche gekostet – wie sollen dadurch mehr Psychotherapieplätze entstehen, bitte? Davon abgesehen bezichtigt es mich als seit 40 Jahren psychotherapeutisch Arbeitende -davon jetzt 20 Jahre in eigener Praxis- der Unfähigkeit, selbst meine Praxis organisieren zu können und alle Notwendigkeiten in umsichtiger Weise zu berücksichtigen.
Dieser Eingriff hat schon das Gegenteil von dem bewirkt, was vorgeblich durch Augenwischerei erreicht werden sollte.
Jetzt setzt das Gesundheitsministerium noch mal mehreres drauf:
die Patientinnen sollen sich einem Ausschuss vorstellen, der dann das tut, was wir ja offensichtlich nicht können: eine richtige Diagnose stellen, Therapiebedarf und – indikation feststellen und die Patientin zuteilen.
Wir sind echt Versagerinnen auf der ganzen Linie – komisch, dass wir unter dem ständig vorhandenen enormen Druck durch lange Wartelisten und schwerste chronifizierte psychische Störungen irgendwie unsere Arbeit doch hinzubekommen scheinen. Und das mit Erfolg.
Welcher Idiot glaubt eigentlich, dass eine schwer depressive Patientin, die sich nach langjähriger hausärztlicher medikamentöser Behandlung mit viel Überwindung und Zuspruch endlich traut, eine Psychotherapeutin aufzusuchen, sich der Konsultation eines Ausschusses unterzieht, begutachten und beschauen lässt und dann zuteilen lässt? Hat hier schon irgendjemand gehört oder gelesen (selbst gearbeitet kann nicht sein), dass Psychotherapie eine Beziehungsarbeit ist, in der Behandlerin und Patientin sich eine gute und vertrauensvolle Komunikationsebene erarbeiten müssen, damit Therapie überhaupt gelingen kann?
Die Schreibtischfachleute gehen mit Menschen um wie mit ihrem Büroinventar, das alles ist völlig inakzeptabel.
Für mich ist mit dem Inkrafttreten dieser Bestimmungen meine Arbeit in diesem widersinnigen System zu Ende. Es gibt auch Wege außerhalb des staatlich gelenkten Unwesens.
Zur Zeit hoffe ich allerdings noch, dass der jetzt endlich entstehende und aufbrandende Protest unter der sonst so fügsamen Ärzteschaft so viel Zulauf und Kraft bekommt, dass das Schlimmste noch verhindert werden kann. In diesem Sinne
Marion Rossa, Diplom Psychologin, Visbeck

Was ich von dem Gesetzentwurf halte? Nichts. Warum nicht? Es gelten noch immer die Bestimmungen des SGB 5, mit denen verhindert werden soll, dass die Tätigkeit des Leistungserbringers (?) übermäßig ausgedehnt wird. Daraus folgt, dass Arzttermine knapp gehalten werden.
Irgendwann ist den Schlaubergern im Ministerium und darum herum aber aufgefallen, dass ihre sozialgesetzgeberischen Vorgaben Terminknappheit und Terminchaos produzieren. Also haben sie sich überlegt, die wöchentlichen Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen. Das Ganze müsse natürlich noch diskutiert werden.
Gesundheitsminister Spahn (CDU) dann im gleichen Atemzug: es sei müßig, die Diskussion um die Sprechstundenausweitung auf 25 Stunden weiterhin zu diskutieren. Und: "Einfach nur entbudgetieren, das machen wir nicht." Worüber soll dann noch diskutiert werden? Was ist das für ein Politikstil? Ich habe meinen Praxisbetrieb so organisiert, dass ich das mir zugestandene Regelleistungsvolumen nicht überschreite, ich also meine Tätigkeit nicht übermäßig ausdehne (was im Übrigen heißen würde, ohne Bezahlung weiterzuarbeiten).
Im Rahmen der von mir angebotenen Notfallsprechstunden kriegen Sie im schlechtesten Fall innerhalb von drei Tagen eine Krisenintervention (Wartezeiten während der Notfallsprechstunden im Durchschnitt 45 Minuten, prinzipiell bis zu drei Stunden, und ganz selten muss ich wegen Überfüllung auch mal jemand wegschicken). Problem dabei: Arbeiten unter Zeitdruck und Hochgeschwindigkeitspsychiatrie decken sich nicht mit meinen und Ihren Qualitätsanforderungen. Zweites Problem sind die Folgetermine. Es ist nicht absehbar, wann ich mal wieder Folgetermine schneller als nach 10-12 Wochen anbieten kann. Wenn ich jetzt noch Termine über eine Terminservicestelle belegen lassen würde, wäre das Chaos perfekt. Neue Patienten kämen sofort dran, während Patienten, die schon länger hier in Behandlung sind, hinten runterfallen würden. Außerdem wäre das dann reine Planwirtschaft, und ich würde meinen Status als Freiberufler verlieren. Deshalb halte ich nichts von diesem bürokratischen Unfug. Viele Grüße
Dr. med. Ewald Proll, Wuppertal

Apr 12, 2018, 2:38:24 PM, Autor: js