Schlau schlucken

Tipps zur richtigen Medikamenteneinnahme

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Das wegen der Bronchitis verordnete Antibiotikum mit einem Glas Milch runterspülen oder das Mittel gegen Magenprobleme irgendwann im Laufe des Tages nehmen? Nicht immer eine gute Idee! Es gibt so einige Fallen rund um die Medikamenteneinnahme, in die Patienten immer wieder tappen. Ein intensiver Blick auf den Beipackzettel lohnt daher durchaus im Sinne einer optimalen Behandlung. Alternativ bringen Nachfragen beim Arzt oder Apotheker Klarheit.

Verträgt sich mein Osteoporosemittel mit dem morgendlichen Käsebrot oder mein Cholesterinsenker mit einem Glas Multivitaminsaft? Und was heißt eigentlich „vor den Mahlzeiten einnehmen“?

Rund um die Einnahme von Medikamenten treten immer wieder Verunsicherungen und auch Fragen auf. Zumal die richtige Einnahme von Arzneimitteln entscheidend dazu beiträgt, dass die verordnete Therapie optimal wirken kann. Allerdings reicht es manchmal nicht aus, die Medikamente zum richtigen Zeitpunkt zu nehmen und sich in der Arztpraxis oder Apotheke mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln erklären zu lassen. Denn etliche Wirkstoffe reagieren auch im Zusammenspiel mit Lebens- und Genussmitteln.

Wir haben daher einmal das Wichtigste rund um die richtige Medikamenteneinnahme für Sie zusammengestellt.

Eine Frage der Zeit...

Vor der Mahlzeit:

  • 30 Minuten vor dem Essen einnehmen.

Zur Mahlzeit:

  • während des Essens einnehmen bzw. unmittelbar davor oder danach.

Nach der Mahlzeit:

  • nicht direkt danach, sondern Zeitabstand von mindestens zwei Stunden einhalten!

Mit zeitlichem Abstand zu XY:

  • mindestens zwei Stunden Einnahmepause zu dem genannten anderen Medikament/Nahrungsmittel einhalten.

Vor, zu oder nach einer Mahlzeit? Jedes Medikament wirkt anders und erfordert daher die richtige Einnahmezeit. Aber was genau bedeuten eigentlich die Zeitangaben im Beipackzettel?

Auch die Wahl der richtigen Tageszeit beeinflusst mitunter die Wirksamkeit von Pillen, Tabletten, Tropfen und Co.

Kortisontabletten beispielsweise verursachen morgens die wenigsten Nebenwirkungen. Mittel zum Einnehmen gegen Rheuma oder Asthma gehören hingegen zu den typischen „Abendmedikamenten“. Die Rheumamittel wirken dadurch am besten gegen morgendliche steife Gelenke. Und Asthmatiker leiden häufig vor allem nachts unter Atemnot.

Einen besonderen Blick erfordern auch Magenmedikamente, beispielsweise gegen Sodbrennen oder Magenschleimhautentzündungen. Diejenigen, die die Säureproduktion hemmen (wie unter anderem die Substanzen Pantoprazol oder Omeprazol), wirken am besten morgens vor dem Frühstück; die Betroffenen nehmen sie üblicherweise über einen gewissen Zeitraum hinweg regelmäßig ein. Die sogenannten Säurebinder (Antazida) mit Aluminium- oder Magnesiumhydroxid oder auch Calciumcarbonat hingegen neutralisieren die Magensäure und kommen daher nach den Mahlzeiten und eher nach Bedarf zum Einsatz.


Kritische Kombinationen:

Welche Arznei- und Lebensmittel sich nicht miteinander vertragen

ALKOHOL

Reaktion mit:
Diversen Medikamenten, bitte unbedingt den Beipackzettel daraufhin überprüfen!

Folgen:
Alkohol verstärkt die Wirkung und Nebenwirkungen einiger Arzneimittel (z. B. von Schlaf- und Beruhigungsmitteln). Andere Medikamente hemmen den Alkoholabbau im Körper, wodurch vermehrt Unverträglichkeitsreaktionen entstehen (z. B. Übelkeit, Durchfall, Atemnot).

Was tun:
Sicherheitshalber bei einer medikamentösen Behandlung auf Alkohol verzichten oder zumindest Arzt oder Apotheker fragen, ob die eingenommenen Medikamente sich mit geringen Alkoholmengen vertragen.

... der Umstände

Wie und womit nehme ich mein Medikament am besten ein? Am besten mit einem großen Glas Leitungswasser (0,2 l)! Mineralwasser eignet sich weniger aufgrund des oft hohen Mineralstoffgehalts. Die enthaltenen Mineralsalze können mit manchen Arzneistoffen reagieren (z. B. Kalzium mit bestimmten Antibiotika). Milch oder milchhaltige Getränke, manche Säfte, Kaffee und Tee entpuppen sich im Zusammenhang mit einigen Medikamenten ebenfalls als Störenfriede (siehe Kasten).

Manche nicht so ganz einfach zu schluckende Medikamente erfordern zudem ausdrücklich die Einnahme im Stehen oder Sitzen.

... und der Taktzahl

Bei der Medikamenteneinnahme zählt oft auch der richtige Rhythmus, damit immer ein gewisser und möglichst konstanter Wirkstoffspiegel im Körper vorhanden ist. Denn etliche Arzneimittel können nur dann erfolgreich helfen.

Einmal täglich:

  • Medikament möglichst immer zur gleichen Tageszeit (maximal mit zwei Stunden Verschiebung) einnehmen.

Zweimal täglich:

  • Tabletteneinnahme ungefähr alle 12 Stunden.

Dreimal täglich:

  • morgens, mittags und vor dem Schlafengehen.

Wenn Sie einmal eine Dosis vergessen haben, schauen Sie am besten im Beipackzettel nach, wie Sie sich verhalten sollen. Die meisten Hersteller präsentieren im Kleingedruckten einen Lösungsvorschlag dazu. Falls nicht, fragen Sie bei Ihrem Arzt oder in Ihrer Apotheke nach – keinesfalls aber zum nächsten Einnahmezeitpunkt dann einfach ohne Rückversicherung die doppelte Menge schlucken!

Was tun bei Schluckproblemen?

Vor allem Kinder und ältere Menschen tun sich manchmal schwer, größere Tabletten oder Kapseln herunterzuschlucken. Tabletten dann einfach zu zerteilen, zu zermörsern oder in Wasser aufzulösen beziehungsweise Kapseln zu öffnen und nur deren Inhalt einzunehmen, mag dann zwar das Schluckproblem lösen, ist aber häufig keine gute Idee. Denn einige Medikamente besitzen beispielsweise einen Schutzüberzug, der dafür sorgt, dass der Körper die enthaltenen Wirkstoffe verzögert aufnimmt. Wird der Überzug durch Zerbrechen oder Zerkleinern zerstört, geht diese gewünschte Wirkung verloren. Und manche Kapseln sollen sich ganz gewollt erst im Dünndarm auflösen und dort ihre Arzneistoffe freigeben. Wer die Kapseln öffnet und nur den Inhalt schluckt, riskiert, dass die enthaltenen Substanzen dann nicht mehr richtig oder sogar überhaupt nicht wirken können.


GRÜNES GEMÜSE

Reaktion mit:
Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen (sogenannte Vitamin-K-Antagonisten, wie z. B. Marcumar).

Was passiert?
Vitamin K fördert die Blutgerinnung und tritt mit verzögerter Wirkung als Gegenspieler dieser Medikamente auf. Ungewohnt hoher Verzehr Vitamin-K-haltiger Lebensmittel (vor allem grünes Gemüse wie Brokkoli oder Spinat) sorgt für ein Ungleichgewicht.

Folgen:
Schwächere Wirkung der blutverdünnenden Medikamente. Mögliche Bildung von Blutgerinnseln.

Was tun?
Regelmäßig annähernd gleiche Portionen mit grünem Gemüse (z. B. Spinat, Brokkoli) verzehren und dabei Schwankungen hinsichtlich der Menge vermeiden. Die konstante Zufuhr zählt – also bitte keinesfalls auf diese gesunden Lebensmittel verzichten, sondern stattdessen gleichbleibend im Speiseplan einsetzen!


KOFFEINHALTIGE GETRÄNKE

Reaktion mit:
Diversen Medikamenten, z. B. manchen Antibiotika, Antidepressiva, Medikamenten gegen psychische Erkrankungen (Neuroleptika).

Folgen:
Schwächere oder stärkere Medikamentenwirkung, mehr Nebenwirkungen oder stärkere Koffeinwirkung (z. B. Blutdruckanstieg, Unruhe, Schlaflosigkeit).

Was tun?
Bei bestimmten Medikamenten (Arzt oder Apotheker fragen!) auf koffeinhaltige Getränke verzichten oder zumindest zwei Stunden Zeit zwischen Koffeinaufnahme und Medikamenteneinnahme legen.

durchblick gesundheit • Ausgabe 60 • April–Juni 2018

09.04.2018 11:18:42, Autor: Jutta Heinze