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Buch: Schwarzbuch Deutschland

Ob Arbeitsmarktpolitik, die Zukunft der Rentenkassen oder Datenschutz: Wir werden nicht umfassend informiert, sondern geradezu belogen, beklagen Gabriele Gillen und Walter van Rossum. Mit dem „Schwarzbuch Deutschland. Das Handbuch der vermissten Informationen“ wollen die Autoren das ändern – und tappen dabei selbst in die PR-Falle.

In 39 Kapiteln beleuchten Fachleute Sachverhalte von Ausländerpolitik über Bildung bis zum Gesundheitswesen. Und kommen zu Ergebnissen wie: „Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen gibt es nicht.“ Zwar seien die Ausgaben gestiegen, aber nur entsprechend der volkswirtschaftlichen Entwicklung. Die Kosten lasten allerdings immer mehr auf den Schultern der privaten Haushalte. Aus den öffentlichen Töpfen kommt etwa ein Viertel weniger als noch vor zehn Jahren.

Die Autoren sitzen aber schnell selbst in der PR-Falle. Es sei „reine Erfindung“, dass nur die höheren Honorare der privaten Krankenkassen es vielen Ärzten ermöglichten, ihre Praxis zu halten. Viele Ärzte sehen das anders – und als „Kronzeuge“ wählt der Autor ausgerechnet das Institut der AOK. Abwanderung der Ärzte ins Ausland? Für den Autor ebenso ein Märchen. Es kämen mehr Ärzte aus dem Ausland zu uns als umgekehrt. Einen Beleg für diese Behauptung bleibt er schuldig. 

Hier wird in knapper Form Bekanntes zusammengefasst – allerdings nicht so eingehend und unvoreingenommen, wie man es sich gewünscht hätte. Für eine erste Orientierung taugt das „Schwarzbuch“, allerdings müssen die Auswahl der Fakten und die Schlussfolgerungen mit Vorsicht genossen werden.


Gabriele Gillen/Walter van Rossum (Hg.): Schwarzbuch Deutschland.
Das Handbuch der vermissten Informationen. Rowohlt Verlag 2009, 656 Seiten, 24,90 Euro.



Mo, 19.10.2009 12:33 / Kathrin Schneider / Juli - September 2009 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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