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Buch: Martin Gattermann "Medizin mit Menschlichkeit"

Dr. Martin Gattermann ist Hausarzt in St. Peter-Ording und er will auch gar nichts anderes sein. Aber eine Sache lässt ihn nicht ruhen und drängt ihn immer wieder zum Schreiben: Dass die Politiker den Ärzten die Schuld an den Problemen in unserem Gesundheitswesen anhängen wollen. Nun hat er ein Buch verfasst, um sich einen der ärgsten Angriffe auf sein Selbstverständnis als Arzt zur Brust zu nehmen und fehlerhafte Argumente aufzudecken: das Buch des SPD-Politikers Prof. Karl Lauterbach „Der Zweiklassenstaat“.

Lauterbach wiederholt darin ständig den Vorwurf, niedergelassene Ärzte zögen Privatversicherte den Kassenpatienten vor. Kassenpatienten müssen Lauterbach zufolge auch länger im Wartezimmer sitzen, weil sie der Praxis nicht so viel Geld einbringen. „Das Bild vom Arzt, das hier Professor Lauterbach zeichnet, wirkt wirklichkeitsfern und im Kontext tendenziös“, protestiert Gattermann. „Er beschreibt nicht den Arzt, der tagtäglich seine Pflicht – und dies überwiegend gern – tut.“ Daher knüpft sich Gattermann minutiös Lauterbach vor und stellt ihm in seinem Buch „Medizin mit Menschlichkeit“ Zitat für Zitat die ärztliche Sicht auf die Missstände gegenüber.

Tatsächlich sei es so, berichtet Gattermann, dass bei den niedergelassenen Ärzten die Kassen für die gesetzlich Versicherten viel zu wenig Geld bezahlten, als dass davon die Praxis überleben könne. Erst durch die Privatpatienten könne der Arzt die teuren Geräte und Einrichtungen der Praxis finanzieren.

Wenn das Gesundheitswesen die falschen Anreize für den Arzt setzt, dann sei zunächst einmal die Politik schuld und nicht der Arzt, überlegt er. Und von dort wittert Gattermann auch eine bestimmte Absicht hinter den Angriffen Lauterbachs auf die Ärzte. „Professor Lauterbach gehört schon seit Jahren zu den Mitverantwortlichen der deutschen Sozial- und Gesundheitspolitik, wofür er in seinem Buch allerdings kaum Verantwortung übernimmt und sich stattdessen über ihr Scheitern beklagt“, schreibt er.

Schlimmer noch: Tatsächlich stehe Lauterbach selbst mit beiden Beinen auf verschiedenen Seiten. Einerseits verkörpere er medizinischen Sachverstand und beanspruche darin Integrität. Andererseits verdiene er nicht unerheblich dazu: „Er berät drei verschiedene Krankenkassen und das Klinikum Bremen-Mitte und agiert im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG.“ Damit ist Lauterbach selbst eben auch Lobbyträger, wie Gattermann zeigen will. „Allein das Wahrnehmen von Funktionen, die derart attraktiv honoriert werden, schafft Abhängigkeit.“

Gegen diese Mentalität legt Gattermann mit seinem Buch im Namen der Ärzte Widerspruch ein. Darin liegt das eigentlich Neue an seinem Buch, das sich bei all den Abrechnungen mit Lauterbach etwas hölzern liest. Er fordert wieder Medizin für die Menschen statt für die Industrie. Noch sei nicht alles verloren, mahnt er.


Martin Gattermann: Medizin mit Menschlichkeit. Wie die Mächtigen die Zukunft unseres Landes verspielen, indem sie seine Vergangenheit verachten. Infolab Verlag, 2008. 10,00 Euro.


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Mo, 16.02.2009 14:05 / Nils Franke / Oktober-Dezember 2008 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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