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| Buch: Peter Schaar "Das Ende der Privatsphäre" |
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 Bildquelle: C.Bertelsmann | Die Diskussionen um die elektronische Gesundheitskarte brechen nicht ab: Befürworter versprechen ein „technisches Wunderwerk und Eldorado für Patienten“. Als „brandgefährliches Spitzelinstrument“ bezeichnen dagegen Kritiker die Karte.
Einer, der sich damit auskennen muss, ist der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. In seinem neuen Buch „Das Ende der Privatsphäre“ widmet er ein Kapitel der elektronischen Gesundheitskarte: „Verringern Sie Ihren Alkoholkonsum. Andernfalls müssen Sie mit einer deutlichen Erhöhung Ihrer Versicherungsprämie rechnen.“ – Dass uns künftig Computersysteme mit derartigen Warnungen überraschen, hält Schaar gar nicht für so unwahrscheinlich. Die Technik für eine totale Kontrolle unserer Gesundheit gebe es heute jedenfalls schon, mahnt der Datenschutzbeauftragte.
Schaar hält viele Fragen für berechtigt, die andere als Verfolgungswahn und Verschwörungstheorien abtun: Bringt die elektronische Gesundheitskarte den gläsernen Patienten? Weiß mein Arbeitgeber künftig alles über meinen Gesundheitszustand? Muss ich wegen besonderer Gesundheitsrisiken bald mehr Geld an die Krankenkasse zahlen? Je besser elektronische Systeme vernetzt seien und je mehr Daten sie speicherten, umso riskanter werde es, ist Schaar überzeugt.
Doch leider geht der Datenschützer dann nur noch grob auf die Risiken ein: Die einen befürchten, dass Patientendaten nicht ausreichend gesichert blieben. Und andere bezweifelten, dass das Gesundheitswesen wirklich effizienter und besser werde, schreibt Schaar. Ein wenig unklar bleibt, was er selbst von der elektronischen Gesundheitskarte hält und wo er persönlich die Gefahren sieht.
Er empfiehlt nur vage, dass wir die Wirkung der Karte nicht überschätzen sollten: Sie funktioniere nur, wenn Versicherte darauf vertrauen könnten, dass ihre Daten nicht in falsche Hände gerieten, betont Schaar. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Äußerungen klingt das schon fast ein wenig naiv. Woher sollen die Versicherten wissen, wie ihre Daten genau verarbeitet werden? Wem können sie vertrauen?
Nichtsdestotrotz lohnt sich die Lektüre des neuen Buches: Peter Schaar prangert das wachsende Kontrollbedürfnis des Staats und der Wirtschaft an. Er warnt davor, dass jeder Einzelne im vermeintlichen Kampf gegen Terror und Kriminalität immer mehr als Risikofaktor angesehen wird. Wie sich Demokratien aus Angst vor Angriffen immer mehr zur Überwachungsgesellschaften entwickeln, beschreibt Schaar überzeugend.
Das Buch liest sich manchmal etwas schwerfällig, was an den teils technischen und gesetzlichen Themen liegen kann. Doch zeigt es eindrucksvoll, was bereits im Gange ist und was auf uns zukommen kann. Schon das allein sollte uns aufwecken und endlich gegen eine immer weiter verbreitete Stimmung angehen lassen: „Ich habe doch nichts zu verbergen.“
Peter Schaar: Das Ende der Privatsphäre. Der Weg in die Überwachungsgesellschaft. C. Bertelsmann, 2007. 14,95 Euro
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