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Buch: Marita Vollborn, Vlad Georgescu "Die Gesundheitsmafia"

Quelle: S. Fischer Verlag
Wie sich „die Gesundheitsmafia“ auf Kosten der Patienten bereichert, wollen die Autoren Marita Vollborn und Vlad Georgescu mit ihrem gleichnamigen Buch aufdecken. Doch wer fundierte Informationen sucht, lässt dieses Pamphlet besser im Laden. Recherche? Die Autoren haben offensichtlich sehr fleißig Stoff gesammelt. Ergebnis sind allerdings nur Fußnoten en masse, die dem Leser wissenschaftliche Gründlichkeit und Objektivität vorgaukeln. Tatsächlich ist das Buch aber eine zweckgefärbte Kampfschrift, die bestimmte Berufsgruppen pauschal als die Schuldigen und als generell bösartig und moralisch verkommen darstellt. Hauptangriffsziel sind Ärzte und Arzneimittelhersteller.

Die Autoren beherrschen Polemik und Skandaljournalismus: Nach dem Feigenblatt-Satz „Es gibt sie tatsächlich, die ehrlichen Ärzte, Kassen- und KV-Funktionäre, Politiker oder Vertreter von Pharmaunternehmen“, feuern sie auf die „Mafia-Clans“. Vollborn und Georgescu schildern in epischer Breite Fälle betrügerischer Abrechnung und ähnliche Verfehlungen. Es handelt sich dabei zwar objektiv nur um wenige Ärzte in Deutschland, aber nach Ansicht der Autoren droht „die Fraktion der Korrekten zur Minderheit zu werden“, was wir den Autoren gefälligst glauben müssen. Ärzte sind vor allem habgierig: Einzelne gehen gar „für ein Plus an Profit über Leichen“! So stufen die Autoren ein Gerücht ein, dass rund 1.000 Mediziner Leistungen an bereits verstorbenen Patienten abgerechnet haben sollen.

Verklausuliert geben sie zwar zu, dass sie eigentlich gar nicht wissen, was an dem Vorwurf dran ist. Nur die Aussage ist so herrlich marktschreierisch, dass sie in diesem Buch einfach nicht fehlen darf. Unseriöser Aufpeitsch-Stil prägt das Buch.

„Pfuscht“ der Arzt, so steht ihm ein „Heer von Juristen“ zur Seite. Im Haftungsprozess ist der völlig hilflose Patient chancenlos, denn die Aufklärung erfolgt durch ärztliche Sachverständige: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, meinen Vollborn und Georgescu zu wissen. Komisch, selbst den Autoren zufolge, gewinnt die Hälfte aller Arzthaftungsprozesse der Patient (Seite 154, dort hat selbstverständlich „nur die Hälfte“ der Patienten Erfolg). Moment mal, dem stets perfekt vernetzten Arzt war es demnach in solchen Fällen nicht gelungen, das durch einen auf der Lohnliste der Mediziner-Mafia stehenden Sachverständigen zu verhindern? Ja, um Himmels Willen, was soll aus dem Standort Deutschland werden, wenn hier jetzt nicht mal mehr die Gangster eine Leistung abliefern, die internationalen Qualitätsstandards genügt!

Die Autoren bieten letztendlich einen „Ausweg aus der Krise“ an: Er passt auf zweieinhalb Seiten und seine Qualität ist entsprechend. Er beinhaltet, dass jeder gesetzlich Versicherte seine Rechnung erhält, prüft oder durch Experten prüfen lässt. Diese Vorgehensweise stellten die Autoren auf Seite 35 noch als nicht praktikabel dar, aber da musste ja auch noch die Wehrlosigkeit des Patienten gegenüber Betrüger-Ärzten illustriert werden. Übrigens gibt es das Sachleistungs- und Erstattungsprinzip ohnehin, was den Autoren leider entgangen ist.

Die Ärzte, die eben einfach alle zu viel verdienen, sollten nach Ansicht der Autoren alle das gleiche Gehalt bekommen. Die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen gehört abgeschafft, Arzneimittelpreise sollen staatlich festgelegt werden! Willkommen in der sozialistischen Planwirtschaft!

Aufgrund der Schuldzuweisung an ganze Personengruppen und einfacher Lösungen hat das Buch sicherlich das Zeug zum Verkaufsschlager. Als fairer und zielführender Diskussionsbeitrag taugt es hingegen nicht. Entgegen seinem frechen und genau genommen auch beleidigenden Anspruch macht dieses Buch niemanden mündig. Es will seinen Leser vielmehr durch gefilterte Informationen und unsachliche Darstellung auf das dirigistische, staatsverliebte „Konzept“ der Autoren einschwören und Hass auf die von ihnen benannten Schuldigen schüren – genau das Gegenteil von Mündigkeit.


Marita Vollborn, Vlad Georgescu: „Die Gesundheitsmafia“ , S. Fischer, 2005. 18,90 Euro

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Di, 26.08.2008 16:54 / Hans Jürgen Knufinke / April 2008 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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