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DVD: 2030 – Aufstand der Alten

Wir schreiben das Jahr 2030. In Deutschland klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter denn je auseinander. Besonders schwer kommt es für die Alten: Für sie gibt nur noch eine Einheitsrente von 560 Euro. Wer nichts zusätzlich auf der hohen Kante hat, muss Fenster putzen oder sonst wie jobben, um sich überhaupt irgendwie über Wasser zu halten. Der Gang zum Arzt ist für diese Alten finanziell nicht drin. Die ZDF-Dokufiction „2030 – Aufstand der Alten“ ist wahrlich nichts für zarte Gemüter.

Die Kassen erstat­ten nur noch Billig-Pillen, um an ihre Medikamente zu kommen, brechen Alte in Apotheken ein oder besorgen sie sich auf dem Schwarzmarkt. Verarzten lassen sie sich in düsteren, überfüllten Privat­wohnungen bei Medizinern, die selbst längst in Rente sind. Wer auch das nicht zahlen kann und seinem Nachwuchs nicht auf der Tasche liegen will, kann sich medizinisch begleitet umbringen lassen. Ab 2019 gehört das „Freiwillige Früh­ableben“ zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. „Wer älter als 75 ist und freiwillig aus dem Leben scheiden möchte, kann sich in den Euthanasie-Zentren kostenlos beraten lassen“, erklärt ein Sprecher mit Blick in die Kamera.

Perfide holt der Film den Zuschauer immer just in dem Augenblick zurück in den Bann, wenn das Quentchen zu viel Science-Fiction ihn dankbar aufatmen lässt: „Ach-so-schlimm-kann-es-dann-doch-nicht-werden.“ Genau dann flimmert Arbeitsminister a.D. Norbert Blüm über die Mattscheibe und beteuert in der Rückschau: Die Rente ist sicher.“ Oder Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt im Jahr 2005: „Die Bundesregierung will keine Rentenkürzungen.“ Der Dritte im Bunde ist dann schon wieder fiktiv – durch seine historischen Vorredner aber auf einmal grausig glaubwürdig: „Auch im März kann die Rente nicht pünktlich ausgezahlt werden.“

Schlüsselfigur des Films ist die Reporterin Lena Bach. Sie recherchiert dem Unternehmen „Pro Life“ hinterher, das deutschen Senioren in Westafrika ein sorgenfreies Leben verspricht, das diese sich in Europa nicht leisten können. Hier verbringen Alte in Luxusresidenzen ihren Lebensabend mit gesunder Ernährung, Sport am Strand und Schönheits­operationen.

Für Rentner, die sich die Beher­bergung in Afri­ka nicht mehr leisten können, weil sie krank sind oder ihr Erspar­tes aufge­braucht ist, bie­tet Pro Life eine abgespeckte Ver­si­on. Lena Bach will wissen, wie die genau aussieht, und reist nach Afrika. Dort angekommen, macht sie eine erschütternde Ent­­deckung. Die Al­ten sind die Leid­tragenden eines Komplotts zwischen Groß­konzern und Re­gierung. Als all das auffliegt, tritt die Bundesregie­rung letztendlich geschlossen zurück.

Übertrieben oder effektvoll – der ZDF-Film basiert auf Fakten und bietet mit „2030 – Aufstand der Alten“ einen ungewöhnlichen und auf­rüt­teln­­den Beitrag zur aktuellen De­bat­­te darum, dass immer weniger Junge immer mehr Ältere finanzieren müssen – und dass das nicht funktionieren kann. Das Resümee am Ende des Films: „Es ist noch nicht so geschehen – aber so oder so ähnlich könnte es bald kommen.“

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Di, 26.08.2008 16:33 / Anke Schaffrek / März 2008 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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