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Gesundheitssystem in Deutschland - Neues aus Absurdistan 8

Bildquelle: Olaf-Cartoons
Die Krankenkassen wollen ab Januar 2009 die neuen elektronischen Gesundheitskarten an die Versicherten schicken – und versprechen sich höhere Datensicherheit von dem milliardenschweren System. Allein die Tatsache, dass auf jeder Karte künftig ein Foto des Versicherten prangt, beuge dem Missbrauch vor, argumentieren sie. Vorbei sei die Zeit, in der sich Übeltäter mit geklauten Krankenkassen-Karten Behandlungen oder Rezepte beim Arzt erschleichen konnten.

Die Vorbereitungen für die Kartenausgabe laufen auf Hochtouren: Die ersten Krankenkassen schreiben derzeit ihre Mitglieder an und bitten um Passfotos. „Damit wir unsere 1,6 Millionen Versicherten pünktlich zum bundesweiten Start mit einer neuen Gesundheitskarte ausstatten können, benötigen wir bereits heute ein Lichtbild von Ihnen“, bittet beispielsweise die Knappschaft ihre Mitglieder in einem Schreiben um Porträts.

Was jedoch viele Versicherte stutzig macht: Ohne Prüfung können die Versicherten die Bilder als Papier-Foto oder Datei an die Kasse schicken – ein Abgleich mit dem Personalausweis oder eine Kontrolle in einer Filiale der Kasse ist nicht vorgesehen. „Selbst bei einem Angelschein muss man zum Einwohnermeldeamt, wo die Identität überprüft wird“, wunderte sich kürzlich ein Arzt. In seiner Praxis hatten sich mehrere Patienten verwundert über die Kassenanfrage geäußert und um Rat gefragt.

Damit konnte der Mediziner jedoch nicht dienen. „Ich sehe da auch einfach eine Manipulationsmöglichkeit. Wer garantiert denn, dass jemand nicht einfach ein falsches Bild schickt?“ Nun sei das Foto auf der Karte – bislang immer ein Vorzeige-Kriterium für die Sicherheit des Systems – nicht mehr viel wert. Die Krankenkassen lehnen jedoch eine Überprüfung der Bilder nach wie vor ab. Eine Prüfung sei „vermutlich zu aufwendig und in der Praxis kaum durchführbar“, heißt es aus der Knappschaft.

Um die Sicherheit von Patientendaten musste sich kürzlich auch eine Frau in Münster sorgen: Wichtige Schreiben von Apotheken, Sanitätshäusern, Kliniken und Ärzten landeten plötzlich auf ihrem privaten Faxgerät – alle Absender hatten offensichtlich versucht, die DAK zu kontaktieren. „Mitunter waren es 28 Wählversuche an einem Tag“, erinnerte sich die Frau, die sofort die Krankenkasse alarmierte. Doch die kämpfte tagelang mit einem Fehler ihrer Telekommunikationsanlage. Die Münsteranerin musste die Faxe notgedrungen per Post an die DAK weiterleiten. Später entsandte die Kasse extra einen Mitarbeiter, der die Schriftstücke regelmäßig abholte. Erst durch eine völlig neue Telefonanlage der Kasse konnte der Spuk beendet werden. Besonders besorgt um die sensiblen Patientendaten zeigte sich die für den Fehler letztendlich verantwortliche Telekom nicht. So etwas könne bei Anlagen mit mehreren Nebenstellennummern eben passieren, lautete die knappe Erklärung.

Über unnötige Bürokratie ärgerte sich kürzlich ein Arzt aus Nordrhein-Westfalen: Einen seiner Patienten musste er aufgrund einer ernsten Erkrankung für arbeitsunfähig erklären. Die medizinischen Gutachter der Kasse empfahlen dem Mann daraufhin eine Reha. „Wir füllten den Antrag gemeinsam aus“, erinnert sich der Arzt. Wochen später bekam der Patient ein Schreiben seiner Krankenkasse: Da ein Gutachten dies so vorsehe, müsse er eine Rehamaßnahme beantragen. Dies habe er aber bereits getan. „Aus diesem Grund erübrigt sich natürlich ein erneuter Antrag für Sie und ich werte Ihren bereits gestellten Antrag so, als hätten Sie diesen unserer Aufforderung entsprechend fristgerecht gestellt“, teilte ihm die Kasse mit. Verwundert lief der Patient mit dem Schreiben in die Praxis. „Er wollte wissen, was die Kasse eigentlich von ihm will – ich konnte es ihm auch nicht sagen. Ein völlig sinnfreier Brief und ein gutes Beispiel für überflüssige Bürokratie bei den Krankenkassen“, kritisiert der Arzt.


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Do, 16.10.2008 14:05 / Jan Scholz / August-September 2008 Druckversion Mail Zurück Weiter

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