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| Gesundheitssystem in Deutschland - Neues aus Absurdistan 2 |
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 Bildquelle: Olaf-Cartoons | Jeder Patient wünscht sich eigentlich, dass sich sein Arzt viel Zeit für die Beratung und Aufklärung nimmt – besonders vor einer Operation. Doch wenn sich niedergelassene Fachärzte bald äußerst knapp fassen, verwundert das kaum: Zwei Euro Honorar soll ein operierender Facharzt künftig nur noch erhalten, wenn er einen an ihn überwiesenen Patienten aufklärt, seinen Fall genau überprüft und alle erforderlichen Unterlagen ausfüllt. Dies sieht die neue Ärzte-Honorarordnung für das Jahr 2008 so vor. „Was für eine absurde Regelung. Allein das Aufklärungsmaterial und die Informationsbögen für den Patienten kosten schon mehr“, errechnete kürzlich ein HNO-Arzt aus Berlin.
Der Facharzt benötigt in der Regel mindestens 15 Minuten, um einen Patienten in einem Gespräch auf den bevorstehenden Eingriff vorzubereiten. „Für mich als HNO-Arzt geht es dabei oft um zwei- bis fünfjährige Kinder, die operiert werden sollen.“ Erst kürzlich habe sich in einem Vorgespräch herausgestellt, dass bei einem zu ihm überwiesenen Mädchen eine Operation gefährlich gewesen wäre. Wichtige Untersuchungen seien zuvor versäumt worden. „Ohne meine Überprüfung wäre das Kind schnurstracks operiert worden“, gibt der Facharzt zu bedenken. Die Bedeutung dieser wichtigen Überprüfung werde von der Obrigkeit jedoch völlig ignoriert. „Es handelt sich um einen Schlag gegen die Sicherheitsaspekte vor dem Einsatz des Messers“, fürchtet der Arzt die drohenden Auswirkungen der Sparhonorare. Dies komme ausgerechnet in einer Zeit, in der überall über die Vermeidung von Behandlungsfehlern und höhere Sicherheit diskutiert werde.
Für eine bessere Patientenversorgung in Brandenburg wollte eine Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten sorgen. In einer ländlichen Region, in der manche Patienten fast 60 Kilometer bis zum nächsten Dermatologen fahren müssen, fühlte sie sich gut aufgehoben und plante eine Niederlassung. Aus der Praxisgründung wurde jedoch nichts. Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung lehnte den Antrag ab. Begründung: Die Region sei den Statistiken zufolge bereits mit Fachärzten überversorgt. Für die junge Ärztin ein absurder Vorgang: „Manche Patienten müssen hier über 30 Euro Benzin für den Besuch beim Facharzt verfahren – und nicht jeder Mensch hat ein Auto zur Verfügung. Da ist es doch wirklich zynisch, von Überversorgung zu sprechen.“
Über unsinnige Vorschriften im Gesundheitswesen musste sich auch ein LKW-Fahrer aus Baden-Württemberg aufregen: Der Kraftfahrer verlor nach einer schweren Entzündung einen großen Teil seiner Hörfähigkeit. Mit dieser Beeinträchtigung konnte er sich nicht mehr hinters Steuer setzen.
Der behandelnde HNO-Arzt wollte schnell helfen: „Zwei gute Hörgeräte und der Patient hätte seiner Arbeit wieder ohne Einschränkung nachgehen können“, erinnert sich der Facharzt an den Fall in seiner Praxis. Doch Krankenkasse und Rentenversicherung drückten auf die Bremse: Sie wollten die eingereichten Anträge erst einmal genau prüfen – wofür sie sich fast ein ganzes Jahr Zeit ließen. Erst nach unzähligen Briefen, Mahnungen und Anrufen von Arzt und Patient kamen sie zu einer Entscheidung. Der Kraftfahrer erhielt schließlich die Hörgeräte. „Versichertengelder werden so unnötig verschleudert“, ärgert sich der Mann heute. „Ich war fast 12 Monate krankgeschrieben – es wäre sicher viel billiger gewesen, mir schneller zu helfen.“
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