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| Gesundheitssystem in Deutschland - Neues aus Absurdistan 1 |
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 Bildquelle: Olaf-Cartoons | Welch bizarre Folgen die neuesten Vorgaben zum Sparen bei Arzneimitteln haben, erlebte kürzlich ein Hausarzt aus Niedersachsen: Ein Patient mit Bluthochdruck war jahrelang mit seinem Medikament gegen das Leiden gut zurechtgekommen. Da seine Krankenkasse jedoch plötzlich einen Rabattvertrag mit einem günstigeren Arzneimittelhersteller abschloss, erhielt der Mann vom Apotheker nun Pillen eines anderen Herstellers. Ersparnis für die Kasse: rund 20 Cent im Monat.
Der verunsicherte Patient zögerte und nahm weniger Pillen ein, als er eigentlich sollte. Schließlich traten Kopfschmerzen und Schwindelgefühle auf – er ließ sich ins Krankenhaus bringen. „Als der Patient wieder bei mir in der Praxis war, hatte er einen langen Krankenhausaufenthalt hinter sich und war vom Klinikarzt auf ein relativ teures Präparat umgestellt worden“, erinnerte sich der Hausarzt. Statt zu sparen, musste die Kasse schließlich ein paar Tausend Euro für die Behandlung löhnen – vom Geld der Beitragszahler.
Dass das Geld der Versicherten nicht immer sinnvoll eingesetzt wird, zeigt ein weiteres Beispiel aus Baden-Württemberg: Die Gmünder Ersatzkasse (GEK) weihte dort kürzlich ihren neuen Prachtbau ein: Die Kassenchefs lobten auf der Einweihungsfeier die eigene „vorausschauende Weitsicht“: Arbeitsraum für 1.000 Mitarbeiter stehe nun zur Verfügung – was angesichts einer 800 Mitarbeiter starken Kasse für Stirnrunzeln sorgte.
Für wesentlich effektiver hielt sich die Filiale einer Krankenkasse in Wilhelmshaven. Sie rief sogar in einer psychotherapeutischen Praxis an und fragte extra nach einem Therapieplatz für einen Versicherten, der behandelt werden musste. Die Ärztin am anderen Ende zögerte nicht lange und bot einen Termin noch in der gleichen Woche an. „Welchen Namen darf ich notieren“, fragte die Medizinerin freundlich und wollte einen Eintrag im Terminbuch vornehmen. Antwort der Kasse: „Bedaure, das können wir aus Datenschutzgründen nicht sagen.“ Schließlich musste sich die genervte Patientin den Termin selbst besorgen.
Über das deutsche Gesundheitssystem kann auch ein Augenarzt aus Rheinland-Pfalz immer wieder staunen. Der Facharzt fliegt regelmäßig ins Ausland, um Patienten im Ostafrikanischen Ruanda zu behandlen. „Für eine augenärztliche Kontrolle zahlen die Patienten dort 1.000 bis 3.000 Rwanda-Franc – umgerechnet rund 1,30 bis 3,90 Euro.“ Eine deutsche Krankenkasse zahle nur 1,50 Euro. Der Unterschied liege jedoch nicht nur im Geld: „Die Leute dort zahlen den Arzt anstandslos und dankbar. Mit den Kassen in Deutschland gibt es dauernd Probleme.“
Von Problemen anderer Art berichtet ein Apotheker in Berlin. „Ich werde von den Kunden immer wieder gefragt, warum die Arzneimittel so teuer sind und der Staat bei ihnen 19 Prozent Mehrwertsteuer draufschlägt.“ Eine plausible Antwort könne er dann nicht geben: „Medikamente sind für viele Menschen genauso überlebenswichtig wie Grundnahrungsmittel – die werden aber nur mit 7 Prozent besteuert.“
Ein Blick in die Bücher des Bundesfinanzministeriums würde den Apotheker wohl vollends verwirren: Krabben, Garnelen, Trüffel und Schokolade werden mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz geschont – bei Blutdrucksenkern, Schmerzmitteln oder Entzündungshemmern kassiert der Staat den vollen Satz von 19 Prozent. Dabei würde die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Arzneimittel das Gesundheitssystem um rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr entlasten und die Mitgliedsbeiträge um mindestens 0,2 Prozentpunkte senken.
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