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Das Schmerz- und Fiebermittel Paracetamol gilt seit vielen Jahren als gut verträgliches Medikament. Allerdings kann der Wirkstoff in zu großen Mengen die Leber schädigen. In schlimmen Fällen kommt das Organ mit dem Medikament gar nicht mehr zurecht und versagt. Weil nach neuesten Erkenntnissen besonders Kinder nicht so viel davon einnehmen sollten, müssen Mütter umdenken: Wer bisher beispielsweise dem zweijährigen Filius drei Zäpfchen zu
je 250 Milligramm Paracetamol pro Tag gegen Ohrenschmerzen oder Fieber gönnte, muss umdenken. Heute dürfen Sie gegen die Beschwerden der Kleinen zwar mit vier Zäpfchen an einem Tag angehen, die aber dürfen jeweils nur 125 Milligramm des Wirkstoffs enthalten.
Weil Mediziner die genauen Dosierungen am Körpergewicht festmachen, sollten Sie sich immer von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Nur so können Sie sichergehen, wie viel Paracetamol für Ihr Kind ungefährlich ist. Das Problem an der neuen Regel ist: Die geringere Menge bringt oft auch nicht die gewünschte Wirkung. „Die Zäpfchendosierung
von Paracetamol wurde soweit geändert, dass es häufig überhaupt nicht mehr reicht. Fieber und Schmerzen eines 15 Kilogramm schweren Kindes lachen über 125 Milligramm Paracetamol“, weiß Dr. Marcus Heidemann. Der Bielefelder Kinderarzt verordnet nun häufig das Schmerzmittel Ibuprofen, das es mittlerweile auch für Kinder gibt. Außerdem schreibt Dr. Heidemann auch öfter Paracetamolsaft auf, weil der besser zu dosieren ist.
Ein Tipp von Medikamentenexperten: Leidet ein Kind unter hohem Fieber oder starken Schmerzen, ist es sinnvoll, Ibuprofen und Paracetamol alle sechs Stunden im Wechsel zu geben. Dann hat einmal die Leber, das andere Mal haben die Nieren mit der Entgiftung zu tun. Das entlastet den Stoffwechsel und beugt riskanten Nebenwirkungen vor. Mit diesem Trick bekommt man Kinder trotzdem schmerz- und fieberfrei über den Tag, wenn es ihnen ganz schlecht geht.
Auch Erwachsene vertragen Paracetamol nur in bestimmten Mengen, vorausgesetzt ihre Leber ist gesund. „Viele Menschen wissen aber gar nicht, ob ihre Leberfunktion in Ordnung ist“, warnt Erika Fink, Präsidentin der hessischen Apothekerkammer. „Wenn sie zum Beispiel Alkohol trinken oder viele Medikamente einnehmen müssen, dann kann es sein, dass die Leber mit der Verstoffwechselung so ausgelas-tet ist, dass ein Tropfen Paracetamol das Fass zum Überlaufen bringt.“
Dr. Ali Canbay vom Universitätsklinikum Essen fordert sogar, dass Mediziner die Leber ihres Patienten immer im Ultraschall untersuchen sollten, bevor sie das Okay für die Schmerztabletten geben. Gemeinsam mit Kollegen fand Canbay heraus: Besonders übergewichtige Menschen mit einer Fettleber laufen Gefahr, an einem Leberversagen durch Medikamente wie Paracetamol zu sterben.
Ist die Leber komplett überfordert, kann es dramatisch werden: Nach etwa fünf Tagen quälen die Betroffenen Krämpfe, sie brechen zusammen und nicht selten fallen sie ins Koma. Auch gesunde Erwachsene können Paracetamol leicht überdosieren: Galt bis vor Kurzem noch eine Grenze von 8 Gramm oder 16 Tabletten pro Tag als das höchste der Gefühle, so weiß man heute, dass die Leber schon ab der Hälfte genug haben kann. „Erwachsene sollten nicht mehr als 4 Gramm, das sind 8 Tabletten zu je 500 Milligramm, pro Tag einnehmen“, mahnt Dr. Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Außerdem: „Ab sechs Gramm Einzeldosis – das sind zwölf Tabletten – muss mit Leberschäden gerechnet werden.“
Was viele bei der Selbstbehandlung vergessen: Auch viele sogenannte „Erkältungsmedikamente“ enthalten Paracetamol. Hier also immer erst einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen, raten Experten. Wer seinem Leiden mit vielen Pillen zu Leibe rückt, sollte Übelkeit und Erbrechen, ein blasses Gesicht und Bauchschmerzen ernst nehmen – auch wenn seit der Tabletteneinnahme schon 20 Stunden vergangen sind. „Frühzeitig entdeckt, kann eine Vergiftung gut behandelt werden“, beruhigt Pharmazeutin Sellerberg. Gefährlich wird es, wenn man die ersten Symptome ignoriert: Häufig ist die Leber dann schon stark angeschlagen.
Leider gibt es immer wieder Menschen, die die gefährlichen Wirkungen des Schmerzmittels ausnutzen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen: Allein im Jahr 2005 haben 413 Deutsche laut Bundesgesundheitsministerium versucht, sich mit Paracetamol umzubringen. Medienberichten zufolge passiert das immer häufiger. Deshalb hat der Bundesrat kürzlich beschlossen, dass bald nur noch Packungen mit bis zu 20 Tabletten frei in Apotheken erhältlich sein sollen. Ab April 2009 brauchen Sie für Großpackungen ein Rezept vom Arzt.
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