|

|
| „durchblick“-Weblogs: Ärzte, Patienten und Kassenmitarbeiter online |
|
|
|
Bittere Realität – Arzt
Arme Leute werden krank. Weil sie arm sind, müssen sie früher sterben. Ist so, überall auf der Welt, war schon immer so und wird wohl auch immer so bleiben.
Das Problem ist: Unsere Politik gaukelt uns ein Schlaraffenland vor, in dem jeder alles bekommt, „was nötig ist“ – ohne einen Euro dafür zahlen zu müssen. Diese Logik ist falsch, davon sollten wir uns schleunigst trennen. Ihr Mitleid ehrt Sie – aber die Realität ist eben bitter.
Ich zitiere einen Kollegen, der sich mit dieser Frage bereits intensiv befasst hat: „Die moralische Frage besteht darin: Gibt es ein Recht auf optimale ärztliche Versorgung? Gibt es ein Recht auf ärztliche Versorgung überhaupt? Wenn ja: Wer bezahlt es? Und weiter, wenn ja: Wer bekommt es? Was ist, wenn die vorhandenen Mittel, Medikamente, nicht für alle ausreichen? Selektion? Durch wen? Nach welchen Maßstäben? Legitimiert wodurch? Wenn nein: Wenn die eigene Gesundheit das höchste Gut ist (wie ja immer behauptet wird), wie viel ist der Mensch bereit, dafür zu geben? Alles? Viel? Ein wenig?
Gibt es nicht eine moralische Verpflichtung, zunächst einmal sich selbst in Anspruch zu nehmen, bevor das „Kollektiv“ in Anspruch genommen wird? Muss man nicht erst mal seine Urlaubsgewohnheiten ändern, bevor das Geld anderer Menschen beansprucht wird?“ Wir sollten uns diesen unbequemen Fragen deutlich stellen und dieser bitteren Realität ins Auge sehen.
Krankes System – Kassen-angestellte
Je mehr man weiß, desto schlimmer ist es manchmal. Hinzu kommt der wachsende Druck, das Arbeitspensum, man könnte noch mehr aufzählen. Selbst wenn man seiner Arbeit gern nachgeht, kann sie auch erdrückend sein, wenn die Bedingungen dafür nicht optimal sind bzw. der ganze Rest nicht stimmt. Dass auch Mediziner von Störungen des vegetativen Nervensystems oder psychischen Erkrankungen betroffen sein können, ist kein Wunder! Dafür ist man Mensch und kein Wunderheiler. Diese Erkrankungen sind eigentlich schon der Trend in unserer Gesellschaft. Und hier gebe ich Ihnen recht, es wird ein Schlaraffenland vorgegaukelt.
Beim ersten Lesen der Eckpunkte zur Gesundheitsreform denkt man: „Toll, alle werden versichert, es gibt mehr Impfungen, das Budget wird abgeschafft usw. Alle Beteiligten müssten begeistert sein!“ Beschäftigt man sich näher damit, kommt Stück für Stück Nonsens ans Licht. Sie schreiben, dass mich mein Mitleid ehrt. Das ist nicht meine Absicht. Ich würde es nicht als Mitleid bezeichnen. Es ist eher die Neigung, sich stets in andere Menschen hineinzudenken und dabei festzustellen, dass einiges im Argen liegt. Ja, manchmal müsste man diese Neigung abstellen können. „Elefantenhaut“ könnte angebrachter sein. Aber dennoch ist es ganz gut, wenn man mitdenken und mitfühlen kann. Man muss sich nur ein Ventil suchen.
|
|
© änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG.
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Eine Übernahme in andere Medien ist ohne
ausdrückliche schriftliche Genehmigung nicht gestattet.
|
Aus den Weblogs
|