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Praxisschließungen im März - Ärzte begehren auf: Praxen bundesweit dicht

Mediziner wollen Patienten nicht den Konzernen überlassen Bildquelle: Konrad Schneider-Grabenschröer
Bundesweit hatten sich Mediziner aller Fachrichtungen an der Protestwoche beteiligt und Bürger auf Infoveranstaltungen und in Diskussionsrunden über die Probleme des Gesundheitssystems informiert. Auch auf Zetteln vor den geschlossenen Praxistüren oder Nachrichten auf ihren Anrufbeantwortern klärten sie die Patienten auf. Ernsthaft Erkrankte standen dabei nicht vor verschlossenen Türen: Eine ausreichende Zahl an Medizinern sicherte die Notversorgung.

„Genau das ist der Grund, weshalb uns viele Patienten angehört und dann unterstützt haben. Sie haben erkannt, dass es nicht darum geht, irgendwelche Honorarstreitigkeiten auf ihrem Rücken auszutragen. Wir wollen die Menschen wachrütteln – es geht um die Zukunft der wohnortnahen Versorgung“, erläuterte der niedergelassene Hausarzt Grauduszus.

Die Ärzte würden derzeit regelrecht ausgehungert: „Sie erhalten bei Kassenpatienten nur noch rund 70 Prozent ihrer Arbeit bezahlt. Gleichzeitig steigen die Ausgaben und die immense Bürokratie lässt ihnen kaum noch Zeit für die Patientenversorgung.“ Mit Jammern auf hohem Niveau habe das schon lange nichts mehr zu tun: „Es geht um Existenzen. Immer mehr Kollegen stehen vor der Insolvenz oder müssen Helferinnen entlassen, um sich über Wasser halten zu können.“

Das Brisante dabei: Hinter der brenzligen Situation für die Praxen sehen die protestierenden Ärzte ein System. „Politik und Konzerne verfolgen offenbar einen Generalstabsplan. Ziel ist es, die gesamte Versorgung in die Kliniken und die ihnen angeschlossenen Versorgungszentren zu verlegen“, informierten die Initiatoren der Protestwoche in einem Flugblatt für die Patienten. Aus sozialer Verantwortung geschehe das nicht: „Man spricht bei den privaten Klinikkonzernen offen darüber, den Umsatz im Gesundheitsmarkt zu verdoppeln. Bezahlen muss das dann der Bürger aus seinem eigenen Portemonnaie.“

Als „Gesundheits-Heuschrecken“ bezeichneten die Ärzte daher die großen Konzerne, die am deutschen Gesundheitswesen ver-dienen wollen. Bei ihren Plänen seien die freien Praxen im Weg, obwohl sie bislang 90 Prozent der medizinischen Versorgung sicherten. Grauduszus: „Ihr Ende bedeutet für Patienten Wartelistenmedizin wie in England und den Niederlanden, wo die Kranken monatelang auf wichtige Untersuchungen warten müssen.“

Argumente, die auch die Medien währen der Protestwoche nicht ignorieren konnten: In fast jeder wichtigen Zeitung und jedem TV-Magazin kamen die Mediziner zu Wort. „Ich habe mit Journalisten auf einer Protestveranstaltung gesprochen und erfreulicherweise ein Umdenken gespürt: Viele zeigen Verständnis für den Protest und interessieren sich nun mehr für die Hintergründe als noch vor einigen Monaten. Sie haben begriffen, welche Folgen die derzeitigen Probleme schon bald für die Patientenversorgung haben können“, erklärte der Allgemeinmediziner Dr. Paul Krause aus dem niedersächsischen Bramsche. Er demonstrierte gemeinsam mit über 400 Kollegen im Zentrum der Stadt Bersenbrück, während Ärzte in anderen Bundesländern ähnliche Veranstaltungen organisierten.

Eine Botschaft, die eigentlich auch Politiker wachrütteln müsste – doch die Regierungsparteien wagten kaum Erklärungsversuche oder Kommentierungen. Für die „Freie Ärzteschaft“ nicht überraschend: „Politiker und Krankenkassen ignorieren lieber die unbequemen Wahrheiten und diffamieren die Ärzte wegen der Wartezeiten. Sie sehen mit den Fachärzten an der Klinik und in den Praxen sogar eine überflüssige Doppelversorgung und sagen, dass es zu viele Ärzte gibt“, kritisierte der Vizepräsident Hans-Peter Meuser. „Wenn dem so wäre, müssten jedoch die Wartezimmer der Ärzte leer sein und es dürfte keine Wartezeiten auf Arzttermine geben“, gibt der Hausarzt zu bedenken. Das Gegenteil sei aber der Fall: Die Wartezimmer seien voll, die Ärzte arbeiteten immer schneller, für immer weniger Geld, und die Wartezeiten für Kassenpatienten stiegen.

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Do, 28.08.2008 16:54 / Jan Scholz / Mai 2008 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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