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Protest am 4. Dezember: "Die Reform schadet allen"

Aktionen auch in kleinen Städten - wie hier in Schwäbisch-Hall
Das ist einzigartig in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Klinikmitarbeiter protestierten am 4. Dezember gemeinsam gegen die geplante Gesundheitsreform - und zwar bundesweit. "Wenn sich so viele Organisationen aus dem Gesundheitswesen zu einer solchen Allianz zusammenfinden, dann muss etwas nicht stimmen, was da gebraut wird", kommentierte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, den nationalen Aktionstag.

Die Veranstaltung unter dem Motto "Diese Reform schadet allen!" rückte besonders den Patienten in den Mittelpunkt. Er erhielt durch Praxisschließungen, eingeschränkten Betrieb in Kliniken und geschlossene Apotheken einen Vorgeschmack auf das, was ihn nach Ansicht der Beteiligten nach der Gesundheitsreform erwartet: Mangelversorgung und Wartelistenmedizin. Insgesamt schlossen in weiten Teilen des Landes über die Hälfte der Ärzte ihre Praxen, an etwa 300 Krankenhäusern arbeitete nur eine Notmannschaft.

Die Patienten standen jedoch nicht nur vor verschlossenen Türen: Protestmärsche, Kundgebungen, Podiumsdiskussionen, Pressekonferenzen und Infostände - auf bundesweit mehreren hundert Veranstaltungen und Aktionen informierten die Angehörigen der Gesundheitsberufe über die drohende Verschlechterung der Patientenversorgung.

Einige Mediziner bewiesen dabei viel Kreativität. In Hamburg hängten beispielsweise zahlreiche Ärzte bei einer Aktion um "fünf vor zwölf" symbolisch ihre weißen Kittel an den Nagel. Insgesamt 800.000 Informationsblätter verteilten Mediziner zusätzlich in der Hansestadt. In Duisburg, Essen und Düsseldorf fanden große Kundgebungen statt, bei denen Ärzte ihren Protest mit Trauerfloren an den Kitteln bekundeten.

In Köln und Siegburg stürmten Mediziner in weißen Kitteln die Weihnachtsmärkte und informierten die Bürger in Gesprächen. In Dortmund behandelten Ärzte unter dem Motto "Gute Nacht, deutsche Gesundheitsversorgung" in den Praxen nur bei Kerzenschein. In Ulm wurde ein großer Saal in einem Büro- und Ärztehaus kurzfristig in eine "Staatliche Poliklinik 2007" umgewandelt: Insgesamt 50 Ärzte praktizierten an kleinen Holztischen wie in einer "Behörde für staatliche Zuteilungsmedizin".

"Die Leute haben uns zugehört und sehr viel Verständnis für die Protestaktionen gezeigt. Viele Passanten wussten gar nicht, was mit der Reform alles auf sie zukommt. Die haben ganz erstaunt unsere Info-Zettel gelesen", berichtete ein Hausarzt aus Hamburg nach einer Aktion in der Fußgängerzone. "Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen uns dabei helfen, die Politik gemeinsam zu stoppen - denn die scheint ja nicht mehr auf vernünftige Argumente zu hören."

Mi, 24.01.2007 17:45 / Jan Scholz Druckversion Mail Zurück Weiter

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