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Ärzte und Patienten auf den Barrikaden: Zehntausende protestieren gegen die Gesundheitspolitik

Es ist so einiges faul im deutschen Gesundheitswesen: Bereits im Januar, März und im Mai hatten die niedergelassenen Ärzte mit Demonstrationen und Praxisschließungen gegen die Gesundheitspolitik und die Arbeitsbedingungen in Praxen und Kliniken Front gemacht. Seit Kurzem liegt nun die geplante Gesundheitsreform auf dem Tisch – und trieb am 22. September die Mediziner wieder zu Zigtausenden auf die Straße. „Kommt dieses Gesetz wie geplant, werden wir innerhalb von 18 Monaten unsere Mitarbeiter entlassen müssen, das Führen einer Arztpraxis wird unmöglich. Die neuen niedergelassenen Kollegen ohne Privatvermögen gehen in den Konkurs“, warnte der Hausarzt und Präsident der Vereinigung „Freie Ärzteschaft“, Martin Grauduszus, die Regierung.



Schlimme Zeiten für Arzt und Patienten sieht auch Dr. Werner Baumgärtner heraufziehen: „Werden die derzeitigen Pläne der Politik umgesetzt, müssen wir mit den Patienten bald nur noch über Ratio-nierung der Leistungen sprechen. Das kann niemand wollen“, erklärte der Vorsitzende des riesigen süddeutschen Ärzteverbandes „MEDI“ und erhielt viel Zuspruch von engagierten Bürgern, die den Protest begleiteten. So forderte Gaby Thies, die Vorsitzende einer Patienten-Selbsthilfegruppe, alle Menschen in der Berlin auf: „Jetzt ist die Zeit gekommen, sich an die Seite der Mediziner zu stellen und gemeinsam gegen diese menschenverachtende Sparpolitik vorzugehen.“

Zeigt die eindrucksvolle Protestaktion keine Wirkung auf die Politik, wollen nahezu alle protestierenden Ärzte, Helferinnen und Patienten den Druck auf die Kanzlerin und auf Gesundheitsministerin Ulla Schmidt erhöhen: „Sollte ihnen dieser Schuss vor den Bug nicht die Augen geöffnet haben, werden wir mit Praxisschließungen und deutlich energischeren Protesten für das Recht unserer Patienten kämpfen – das Recht auf eine angemessene medizinische Versorgung in einem freiheitlichen Gesundheitssystem“, fasste ein Arzt die Meinung der protestierenden Kollegen zusammen.

Di, 17.10.2006 13:50 / Jan Scholz Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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