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Acne inversa - Aus Scham lassen sich viele Betroffene zu spät behandeln

Sollte vermieden werden: die Nassrasur
Bildquelle: Kati Neudert/Fotolia.de
Der bekannteste Patient hat seine Diagnose nie gehört: Karl Marx soll unter der sogenannten „Acne inversa“ gelitten haben, fanden Forscher vor drei Jahren anhand von Aufzeichnungen heraus. Man schätzt, dass es weltweit etwa 70 Millionen Betroffene gibt, allein in Deutschland sollen 200.000 bis über 3 Millionen Menschen daran leiden. Überwiegend sind es Frauen, die von der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung betroffen sind. Typisch für die Krankheit: knotige Entzündungen, Fisteln in den Achseln, Leisten, Bauchfalten und unter der weiblichen Brust. Männer leiden an der Entzündung häufig auch in der Analgegend. Am häufigsten ist die Acne inversa im Alter zwischen 20 und 30 Jahren; sie tritt aber auch während der Pubertät und im hohen Alter auf.


Für die Patienten ist diese chronisch-entzündliche Hauterkrankung eine enorme physische und psychische Belastung, weiß der Spezialist Privatdozent Falk Bechara von der Universitätsklinik Bochum. Die Krankheit ist nicht nur teilweise sehr schmerzhaft, auch isolieren sich die Betroffenen oft aus Scham. Immer wieder erleben Patienten, dass man ihnen mangelnde Körperhygiene als Ursache ihrer Symptome unterstellt.

Trotz intensiver Forschung ist die genaue Ursache der Erkrankung nicht bekannt. Sicher ist eine erbliche Veranlagung: Bei knapp einem Drittel der Patienten gilt die Erkrankung als erblich bedingt, bei der sich die Haarfollikel schmerzhaft entzünden. Das sind die feinen Hautstrukturen, die die Haarwurzel umgeben und das Haar in der Haut verankern. Bis zu 90 Prozent der Patienten sind Raucher, viele Betroffene außerdem stark übergewichtig. Als begünstigende Faktoren diskutiert werden immer wieder auch vermehrtes Schwitzen, enge Kleidung, Diabetes mellitus und eine geschwächte körpereigene Abwehr. Welche Rolle Bakterien spielen, ist nicht abschließend geklärt. Die Krankheit verläuft sehr unterschiedlich, sicher aber ist, dass sie unbehandelt chronisch und dabei immer schlimmer wird. Bis heute können zwischen den ersten Symptomen und der korrekten Diagnose und Therapie Jahre vergehen. Vor allem dann, wenn Abszesse das klinische Bild bestimmen, wird die Acne inversa oft als Furunkulose verkannt.

Das ist nicht ganz ungefährlich, denn vereinzelt wurde auch schon über die Entstehung von Hautkrebs in Acne-inversa-Bereichen berichtet; das Risiko für Krebs im Analbereich etwa wird auf etwa 2 bis 3 Prozent geschätzt, wobei Männer angeblich häufiger als Frauen betroffen sind.

Insgesamt wissen die Ärzte über geeignete und wirksame Therapien noch zu wenig. Mehrere Maßnahmen können im Rahmen einer Therapie aber hilfreich sein. Dazu zählen etwa Abnehmen, Aufhören zu rauchen, keine eng anliegende Kleidung, keine Nassrasur, Stressvermeidung und eine tägliche Reinigung mit desinfizierenden Waschlösungen.

Spontanheilungen sind sehr selten. Meist hilft es nur, die betroffenen Hautbereiche mit einem chirurgischen Eingriff zu entfernen. Da hohe Werte für männliche Hormone die Acne inversa fördern können, kann es manchmal sinnvoll sein, die Betroffenen mit bestimmten Gegenhormonen zu behandeln – allerdings geht das nur bei Frauen. Weil bei der Entzündung auch häufig Bakterien mit im Spiel sind, ist es wichtig, diese mit Antibiotika, wie etwa Clindamycin, zu behandeln. Dadurch ist eine Operation zwar nicht zu vermeiden, häufig vermindern sich jedoch die Schmerzen und die Eiterbildung. Antibiotika müssen allerdings dauerhaft oder zumindest über viele Jahre gegeben werden, womit die Gefahr steigt, dass sie irgendwann nicht mehr helfen.

Der große Wurf bei der Behandlung ist also noch nicht gelungen. Große Hoffnungen setzen Ärzte deshalb auf eine relativ neue Substanzgruppe, die bislang bei Patienten mit Morbus Crohn oder Arthritis verwendet wird. Die ersten Fallberichte und Studien zur Behandlung von Acne inversa mit solchen Substanzen sind recht vielversprechend. Weltweit laufen mehrere Studien, auch in deutschen Kliniken, einige sind sogar schon beendet, aber noch nicht veröffentlicht.



© ksp_creative/Fotolia.de
Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung bleibt vorerst eine Operation die Therapie der Wahl. Wobei die beste Therapie eigentlich die rechtzeitige Diagnose ist. So lange wie bei Karl Marx sollte es wahrlich nicht dauern.


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Di, 04.05.2010 12:26 / Dr. Thomas Kron / April - Juni 2010 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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