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Expertenstreit um Sinn und Unsinn - Schweinegrippe: Pandemie oder Panikmache?

Bildquelle: soschoenbistdu/Fotolia.com

Die Alarmzeichen standen auf Grellrot, als die ersten Meldungen über die „Neue Grippe“ aus Mexiko eintrudelten. Es gab Horrorvisionen von zigtausend Toten, in Deutschland laufen die Vorbereitung für eine Massenimpfung auf Hochtouren. Mittlerweile aber mehren sich die kritischen Stimmen, die das Ganze nicht nur für unnütz, sondern sogar für gefährlich halten. „durchblick gesundheit“ hat für Sie mal genauer hingeguckt.

Eigentlich hat die Schweinegrippe (fast) gar nichts mit den rosa Rüsseltieren zu tun, weshalb sie auch schon in „Neue Grippe“ umgetauft wurde. Dennoch hält die Bezeichnung sich hartnäckig. Das Schweinegrippevirus ist eine Kombination aus vier unterschiedlichen Viren: Zwei rufen in der Tat bei Schweinen Grippe hervor (die allerdings nur sehr selten auf den Menschen überspringt), ein Teil stammt von einem Vogelgrippevirus und das letzte Viertel des neuen Virus hat ein menschliches Grippevirus beigesteuert.

Die Fähigkeit von Grippeviren, sich flott miteinander zu neuen Virusstämmen zu kombinieren, war es auch, die den Medizinern zunächst einen Schrecken einjagte: Denn es war nicht abzuschätzen, wie rasch diese völlig neue Kombination das menschliche Immunsystem überrollen und wie schnell es sich ausbreiten würde.

Sehr rasch – wie einige heute meinen zu rasch – rief deshalb auch die WHO als quasi oberste Gesundheitsbehörde der Welt die höchste Grippe-Alarmstufe aus und sprach von einer „Pandemie“, also einer weltweiten, hochgefährlichen Krankheitswelle. Danach herrschte eine Weile allerhöchste Aufregung in den Medien, kaum ein Tag, an dem nicht vor der angeblich so schlimmen Seuche gewarnt wurde. Die erste Merkwürdigkeit jedoch: Die WHO änderte für die angeblich so gefährliche, weltweite Seuche ihre eigenen Kriterien, dafür, wann man von einer „Pandemie“ sprechen kann.

„Erst im Mai dieses Jahres wurden zwei entscheidende Punkte der Definition gestrichen: Die hohe Zahl der Erkrankten und die Sterblichkeit stehen nicht mehr drin“, berichtet der englische Forscher Dr. Tom Jefferson. „Die Passage, „eine sehr große Zahl von Toten und Kranken“ verschwand aus der Definition. Das heißt, die WHO hat ihre Kriterien für die Definition abgeschwächt. So kann man nicht mehr sagen, was genau eine Pandemie ist. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen der saisonalen Grippe und einer Pandemie.“ Viel Lärm also um nichts – oder nicht viel?

Tatsächlich passierte daraufhin – erst mal gar nichts. Zwar stieg die Zahl derer, die sich weltweit mit dem Virus infizierten, wirklich sprunghaft an. Aber in den allermeisten Fällen verlief die Krankheit eher wie eine heftige Erkältung. So berichtet ein Redakteur der Tageszeitung „Westfalenblatt“, wie seine Familie und er die Krankheit durchgemacht haben: „Der Krankheitsverlauf ist bei uns völlig unterschiedlich: Bei meiner Tochter ist nach fünf Tagen die Temperatur wieder normal, nur der Husten ist noch nicht ganz verschwunden. Bei meiner Frau haben sich Fieber und Husten trotz der Medikamente richtig festgesetzt. Seit Jahren ist dies für sie die heftigste Krankheitsattacke. Ich selber habe eher das Gefühl, eine schwere Erkältung mit leichtem Fieber zu haben. Nur der Schnupfen fehlt. Doch dann kommt der Samstag: Morgens schmerzhafter Husten, 38,6 Grad Fieber, abends kommt Schnupfen hinzu. Ich habe das Gefühl, eine Virus-Attacke nach der anderen zu erleben. Ein Phänomen bleibt mein neunjähriger Sohn. Kein Fieber und kein Husten. Er freut sich jeden Tag vor allem auf die vielen Schachspiele mit seinem Vater.“

Wohlgemerkt: Die Familie hatte beschlossen, die Grippe allein mit Mitteln gegen Fieber und Kopfschmerzen durchzustehen, selbst das Antigrippemittel Tamiflu lehnte die Familie ab. Fazit: Nach einer Woche war der Spuk vorbei.

Der „Spiegel“ berichtete aus Stuttgart: „Matthias Orth kämpft an vorderster Front gegen die Seuche. Das Marienhospital in Stuttgart, an dem er als ärztlicher Direktor arbeitet, beherbergt die städtische Notfallpraxis.

Doch ein Kampf um Leben und Tod fand im Marienhospital nicht statt. ‚Die Krankheitsverläufe waren milder als bei der normalen Influenza; wir haben die Leute nach Hause geschickt und ihnen gesagt, sie sollen sich ins Bett legen‘, berichtet der Mediziner. ‚Das Virus, von dem so viel Aufhebens gemacht wird, ist vollkommen banal. Gegen die normale Grippe werde ich mich impfen lassen, aber doch nicht gegen die Schweinegrippe!‘“

Weltweit sind bereits Hunderttausende infiziert – die Angaben über die Todesopfer schwanken zwischen 400 und 2.000. Das ist deshalb so schwer zu beziffern, weil die meisten Todesopfer ohnehin schwere Krankheiten der Atemwege, des Immunsystems oder etwa Diabetes hatten. Zum Vergleich: Während einer „normalen“ Grippewelle sterben jährlich etwa 10.000 Menschen an den Folgen der Krankheit. Und zwar allein in Deutschland.

So weit, so – relativ – harmlos. Nun warnen einige Experten davor, dass sich zum Herbst hin die Grippewelle wieder verschärfen könnte, ja sogar davor, dass sich das Virus ja noch einmal verändern und somit gefährlicher werden könnte.

Anzeichen gibt es dafür bislang nicht. Dennoch hält Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zäh daran fest, dass die Gefahr sich nur durch eine Massenimpfung bannen ließe. Millionen wird diese Impfung kosten – die mehr als zwei Drittel aller Deutschen gar nicht wollen, wie Umfragen ergaben. Grund genug für Kritiker, den Sinn der Impfung zu hinterfragen. Es mehren sich hier die Stimmen, die sagen, es gäbe vor allem einen Profiteur der Impfhysterie – und das seien die Pharmafirmen. So wirft die Organisation „Transparency International“ Politikern, die an der Entscheidung für eine Massenimpfung beteiligt waren, vor, (zu) eng mit genau den beiden Pharmaunternehmen verbandelt zu sein, die den Impfstoff herstellen: GlaxoSmithKline und Novartis. So habe der Berater der britischen Regierung in Gesundheitsfragen, Professor Sir Roy Anderson, bereits am 1. Mai in einem Radiointerview die Fälle von Schweinegrippe als Ausbruch einer Pandemie bezeichnet. Der Regierungsberater stehe aber seit Jahren mit einem Gehalt von 135.000 Euro im Solde der Firma GlaxoSmithKline (GSK). Die Aktien dieses Impfstoffherstellers seien unmittelbar nach Ausrufung der „Schweinegrippe-Pandemie“ erheblich gestiegen.

Kritik gibt es auch am Impfstoff selbst, der in höchster Eile in den Laboren der Unternehmen zusammengezimmert wurde. So warnt der Arzt und Apotheker Dr. Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber der pharmakritischen Fachblattes „arzneitelegramm“ vor der Impfung als „einem bedenklichen Großversuch“ und vor „unkalkulierbaren Risiken“. Der Fachmann kritisiert vor allem die Zusammensetzung eines der beiden Impfstoffe. Er enthalte weniger von der Substanz, die das Immunsystem gegen den Grippeerreger trainiert, als handelsübliche saisonale Grippeimpfstoffe. Möglich mache dies eine spezielle Wirkverstärkermischung, die jedoch nie zuvor in einem handelsüblichen Impfstoff verwendet worden sei. Kritisch sieht er auch den Konservierungsstoff im Impfmittel, das „Thiomersal, das Quecksilber enthalte.

Impfen oder nun doch besser nicht? Cornelia Goesmann ist Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und fasst es so zusammen: „Der Eindruck beschleicht nicht nur einen Großteil der Ärzteschaft, hier würden bis zu einer Milliarde Euro verschleudert, die im Gesundheitswesen an anderer Stelle dringender gebraucht werden. Auch entsteht der Verdacht, dass die Interessen der Pharmaindustrie durch ihre Lobbyisten wieder einmal gut bedient werden. Meine Meinung: Eine weitgehende Durchimpfung der Gesamtbevölkerung ist nicht sinnvoll, – die Impfung von Risikogruppen aber durchaus.“


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Do, 05.11.2009 12:22 / Gaby Guzek / Oktober-Dezember 2009 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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