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| Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Unwohlsein aus Topf und Tasse |
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„Langen Sie bei Milchprodukten ordentlich zu“, riet der Orthopäde von Silke P. „Die sind gut gegen ihre beginnende Osteoporose.“ Nachdem die 60-jährige dann brav häufiger zu Quark, Käse und Co. griff, fühlte sie sich immer mehr wie ein Luftballon. Im Bauch rumpelte und grummelte es und neben den Bauchschmerzen fühlte sie sich einfach nur noch schlapp und ständig müde.
Ein Tipp brachte sie schnell auf den richtigen Pfad: Silke P. verträgt keinen Milchzucker. Bislang war das nie so drastisch aufgefallen, weil sie eben noch nie so viele Milchprodukte gegessen hatte. Dabei ist eine solche „Lactose-Intoleranz“, wie Mediziner die Milchzuckerunverträglichkeit nennen, gar nicht so selten: Bis zu 15 Prozent aller Deutschen können den Milchzucker gar nicht vertragen – bei vielen anderen ist es einfach nur eine Frage der Milchzuckermenge, bis sich der Bauch bemerkbar macht.
Der Grund: Für den Abbau des Milchzuckers braucht der Mensch ein bestimmtes Darmenzym, die Lactase. Babys haben davon noch ganz besonders viel – logisch, denn sie müssen ja ihre Hauptnahrung gut verdauen können. Im Laufe des Lebens nimmt die Lactasekonzentration im Darm ab. Bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger. Wem das Enzym fehlt oder wer deutlich zu wenig davon hat, der bekommt dann arge Probleme, wenn auf einmal ein dickes Stück Käse oder ein großes Glas Milch im Darm ankommt. Für Silke P. war es recht einfach, den Zusammenhang zwischen ihrem Blähbauch und dem erst kürzlich eingeführten täglichen Glas Milch zu erkennen.
Schwieriger ist es da schon, wenn die Lactase-Aktivität ganz langsam nachlässt und sich die Symptome schleichend und genauso schrittweise einstellen. Dabei müssen sich diese nicht einmal auf einen grummelnden Bauch oder Durchfall beschränken. Sie können – so berichten jedenfalls Betroffene – auch bis hin zu Kopf- und Gliederschmerzen oder ständiger Mattheit gehen.
Da braucht es schon eine gewisse Portion Spürsinn, um bei solch unspezifischen Symptomen beispielsweise Milch als Übeltäter zu identifizieren. Denn anders als bei einer „echten“ Allergie helfen Bluttests nicht weiter, wenn man eine Nahrungsmittelunverträglichkeit dingfest machen möchte. Denn anders als zum Beispiel einer handfesten Allergie auf Erdnüsse oder Schalentiere, die den Betroffenen binnen Sekunden oder Minuten teilweise lebensgefährliche Probleme bereiten kann, ist an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit das Immunsystem nicht oder nur am Rande beteiligt. Deshalb hilft hier nur, sich selbst genau zu beobachten.
Denn das Feld der so genannten „Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ ist weit – und im Prinzip kommen als Auslöser alle Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelbestandteile in Betracht. Allerdings: Häufiges ist nun mal häufig, daher lohnt es sich, auch hier zunächst auf die gängigsten Unverträglichkeitsauslöser zu achten.
Dazu zählt – und das ist vielen Menschen nicht bewusst – vor allem „unser täglich Brot.“ Denn die vier Hauptgetreide, also Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, aus denen in Deutschland Brot und Brötchen hergestellt werden, enthalten das Klebereiweiß „Gluten.“ Schon lange kennt man eine Krankheit, bei der die Betroffenen sehr heftig auf das Gluten reagieren – die so genannte „Zöliakie.“ Hier galt lange: Entweder man hatte sie (und durfte überhaupt kein Gluten essen) oder man hatte sie eben nicht. Relativ neu ist aber die Beobachtung, dass es auch hier „Graustufen“ gibt. Also ebenfalls eine Unverträglichkeitsreaktion.
Die Anzahl der Menschen, die eigentlich kein Gluten vertragen, ist sogar relativ hoch: Neueste Untersuchungen gehen davon aus, dass einer von 100 Deutschen besser die Finger von Weizen & Co lassen sollte – oder zumindest nur relativ wenig davon zu sich nehmen sollte.
Lactose- oder Glutenunverträglichkeiten sind aber nur zwei Beispiele aus einer ganzen Reihe von möglichen Unverträglichkeitsreaktionen. Eine kurze Übersicht finden Sie in unserem Info-Kasten. Wenn Sie den Verdacht haben, selbst an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden, dann hilft nur eines: Werden Sie Detektiv in eigener Sache. Dabei hilft Ihnen exzellent ein so genanntes Ernährungstagebuch.
Das macht zwar ein wenig Mühe – ist aber unverzichtbar. Denn das Tückische an Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Sie treten nicht – wie beispielsweise eine klassische Allergie – immer direkt nach einer Mahlzeit auf. Bis zu zwei oder sogar drei Tage können vergehen, bis sich die unliebsamen Symptome einstellen. Ein solches „Muster“ können Sie nur erkennen, wenn Sie wirklich einmal konsequent über ein oder zwei Monate ein solches Ernährungstagebuch führen. Schreiben Sie auf, was Sie gegessen haben (möglichst genau, also auch mit Gewürzen, Kräutern oder – bei Fertiggerichten – auch Lebensmittelzusatzstoffen) und notieren Sie auch, wie es Ihnen geht, wie Sie sich an diesem Tag fühlen.
Steckt wirklich eine Lebensmittelunverträglichkeit hinter Ihren Beschwerden, werden Sie anhand des Tagebuches bald eine Art Rhythmus feststellen. Dann hießt es, in einem zweiten Schritt Ihren Verdacht zu bestätigen: Streichen Sie das verdächtige Lebensmittel konsequent für zwei Wochen von Ihrem Speisezettel. Nach zwei Wochen essen Sie es – und beobachten, was passiert.
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| Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Das sind mögliche Gründe |
- Unverträglichkeit auf verschiedene Zucker oder Zuckerersatzstoffe (Saccharose, Milchzucker, Fruchtzucker, Sorbit)
- Unverträglicheit auf pharmakologisch wirksame Nahrungsmittel-Substanzen wie Tryptamin (aus Tomaten) Phenylethylamin (Schokolade), Tyramin (in reifem Käse und Schokolade), Serotonin (steckt in Bananen und Nüssen), Glutamate („China-Restaurant-Syndrom“) oder Koffein
- Unverträglichkeits-Reaktionen auf Nahrungsmittelzusätze wie Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel, Farbstoffe, Emulgatoren (z. B. Lecithin) oder Sulfite (Konservierungsmittel beispielsweise für Trocken-Aprikosen oder -Pflaumen)
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