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| Prämenstruelles Syndrom - Nicht nur Jammerei: Viele Frauen plagt das PMS |
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Viele Symptome des prämenstruellen Syndroms, kurz „PMS“, unterscheiden sich größtenteils nicht von alltäglichen Zipperlein. Jeder hat mal Bauchschmerzen oder ist besonders empfindlich. Der Knackpunkt ist das Timing: Zwei bis vierzehn Tage vor der Menstruation können sie uns quälen. Mit dem Beginn der Blutung hören sie schlagartig auf.
Vorher passiert Monat für Monat das Gleiche: schmerzende, geschwollene Brüste, Erschöpfung, extreme Stimmungsschwankungen. Was viele Männer noch immer belächeln oder als „Anstellerei“ abtun, lässt die Frauen im Alltag schier verzweifeln. Geplagt von dicken Knöcheln und Fingern, Bauch- und Rückenschmerzen und Hitzewallungen, fällt ihnen sowieso alles schwerer. Und wenn sie dazu auch noch stressempfindlich sind, sich weinerlich fühlen oder aggressiv, ist Zwist in der Familie oder im Job fast vorprogrammiert. Manche Frauen haben Depressionen, und zwar vom einen Moment auf den anderen. Sogar Wahnvorstellungen können die Betroffenen plagen. Besonders die seelischen Symptome machen es für den Partner und die Arbeitskollegen so schwer, mit den Frauen umzugehen.
Die Ursache des PMS ist noch immer nicht genau geklärt. In jedem Fall spielen die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron eine Rolle. Während des weiblichen Zyklus schwankt ihre Konzentration im Blut. In der ersten Zyklushälfte produziert der Körper mehr Östrogene. Neben vielen anderen Wirkungen können sie das seelische Gleichgewicht stabilisieren.
In der zweiten Hälfte des Zyklus fällt der Östrogenspiegel stark ab und die Progesteronkonzentration steigt. Das macht vielen Frauen zu schaffen: Wasser kann sich einlagern und sie fühlen sich wie aufgepumpt. Zu wenig Östrogen kann die Kopfschmerzen hervorrufen.
Doch das hormonelle Ungleichgewicht trägt nicht die alleinige Schuld an den Qualen so mancher Frauen. Die Menge der Hormone im Blut ist bei allen Frauen recht ähnlich, doch ihre Reaktionen auf die Zyklusschwankungen sind extrem unterschiedlich. Manche Frauen wissen ja nicht einmal, was PMS überhaupt ist. „Es gibt im Moment die These, dass bei den Frauen, die auf den Östrogenabfall sensibler reagieren, der Hirnstoffwechsel anders abläuft. Der Botenstoff Serotonin spielt dabei eine Rolle“, erklärt die Psychotherapeutin Dr. Almut Dorn vom Endokrinologikum Hamburg.
Außerdem gibt es weitere Faktoren, die PMS mitverursachen können. „Das können psychische Erkrankungen in der Familie sein oder eine eigene Vorgeschichte mit Depressionen. Darüber hinaus sind auch die aktuelle Situation, Stress, Lebensstil und Ernährung beteiligt“, zählt Dorn auf.
Weil es so viele Symptome gibt – rund 100 zählen zum PMS – ist eine Diagnose nicht ganz einfach: Klagen Sie bei Ihrem Gynäkologen über spannende Brüste, Heißhungerattacken und Kopfschmerzen, kann er nicht sofort vom prämenstruellen Syndrom ausgehen. Er muss erst feststellen, ob die Beschwerden regelmäßig wiederkehren. Und dabei benötigt Ihr Frauenarzt Ihre Hilfe. Sie müssen sich zunächst selbst genau beobachten. Am besten funktioniert ein Zyklustagebuch. Hier halten Sie über einige Monate hinweg alles detailliert fest: Wie fühlen Sie sich? Wann taucht das Brustspannen auf, wann die Übelkeit? Und wann genau hört das alles wieder auf? Auch Alltagssituationen und besondere Erlebnisse gehören mit in Ihr Tagebuch: Haben Sie gerade Prüfungen? Ist es vielleicht extrem heiß draußen? Wann waren Sie im Urlaub? Gab es Streit in der Familie oder Stress bei der Arbeit?
Diese „Arbeit“ ist notwendig. Schrecken Sie davor nicht zurück, denn die Mühe lohnt sich nicht nur für Ihren Arzt. Ihr Tagebuch verschafft Ihnen einen Überblick über Ihren Zyklus und Sie bekommen ein gutes Körpergefühl, weil Sie sich und Ihr seelisches Befinden genau im Auge behalten.
Ist klar, dass Sie unter PMS leiden, können Sie Ihre Beschwerden angehen. Vorher müssen Sie wissen: Eine Standardtherapie gibt es nicht. „Was Frauen gegen ihre Beschwerden tun können, kann man so pauschal nicht sagen“, berichtet Frauenärztin Dr. Bettina Jannasch. „Das muss man von Fall zu Fall entscheiden. Zum Beispiel für eine junge Frau, die sowieso mit der Pille verhütet, ist das auch eine gute Methode.“ Die dosierte Hormongabe kann die Schwankungen regulieren und so Linderung verschaffen.
„Frauen mit sehr schweren Symptomen kann man auch mit leichten Antidepressiva behandeln“, berichtet die Psychotherapeutin Dorn. Das betrifft die Frauen mit der stärksten Form des PMS: die prämenstruelle dysphorische Störung. Hier spielen die psychischen Symptome eine besonders starke Rolle. Die Frauen sind extrem gereizt und depressiv. Sie haben ständig das Gefühl, außer Kontrolle zu geraten oder selbst nicht viel wert zu sein, und geraten immer wieder mit Freunden und Familie aneinander.
Steht eher der Körper im Mittelpunkt und ist eine Alternative zur Hormontherapie gefragt, können Vitamin B6 und E, Kalzium und Magnesium helfen. Die richtige Dosierung und Anwendung sollten Sie immer mit Ihrem Arzt klären. Das Gleiche gilt auch für pflanzliche Präparate: „Der Wirkstoff Agnus Castus, zum Beispiel im Mönchspfeffer enthalten, kann zyklusregulierend wirken und bei Brust- und Kopfschmerzen helfen“, erklärt die Gynäkologin Jannasch. Auch Omega-6-Fettsäuren, beispielsweise in Nachtkerzenöl und Distelöl, können die Beschwerden lindern.
Es gibt noch viele weitere Naturheilstoffe, die bei PMS helfen können. Und auch die Homöopathie bietet Möglichkeiten. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzt, was für Sie infrage kommt. Dabei müssen Sie beachten, dass alle Präparate und Therapien nicht von heute auf morgen Wunder bewirken. Der Erfolg stellt sich erst nach regelmäßiger Einnahme ein, das kann Wochen oder sogar Monate dauern. Doch Ihre Geduld wird sich auszahlen.
„Unglaublich wichtig sind auch Ernährung und Sport“, betont die Hamburgerin. Vor den Tagen sollte frau wenig Milchprodukte, tierische Fette, Alkohol, Zucker und Kaffee zu sich nehmen. Dafür braucht sie mit Ballaststoffen und frischem Gemüse nicht zu sparen. Außerdem: „Wer sich regelmäßig bewegt, dem geht’s einfach besser“, versichert Jannasch. Das heißt nicht, dass Sie sich überanstrengen sollen, zu viel Action kann das PMS im schlimmsten Fall verstärken. Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen reichen vollkommen aus. Autogenes Training kann Ihnen außerdem helfen, die Belastungen besser zu ertragen. Und vergessen Sie Ihre Entspannung nicht! Gönnen Sie sich eine Massage, einen Abend auf dem Sofa mit einem schönen Film, trinken Sie einen leckeren Tee oder nehmen Sie ein heißes Bad.
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