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Epilepsie - Wenn es im Gehirn blitzt und donnert

Jeder weiß heute etwas über Volkskrankheiten wie Diabetes oder Rheuma. Genauso häufig ist eine Krankheit, mit der sich hingegen kaum jemand auskennt: die Epilepsie. „Desinteresse, Unwissenheit, Verunsicherung und Angst haben zu vielen Vorurteilen geführt, unter denen die Epilepsiekranken leiden. Dabei kann jeder an einer Epilepsie erkranken“, informiert die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie.

Epilepsie ist keine geistige Behinderung. Am besten lässt sich das Geschehen mit einem „Gewitter im Gehirn“ umschreiben. Normalerweise flitzen in unserem Gehirn viele Millionen Informationen hin und her, dabei fließt auch ganz, ganz schwacher Strom durch die Nervenzellen. Bei Gesunden verläuft das alles sehr geordnet und nacheinander. Beim Epileptiker entlädt sich hingegen ganz viel Spannung auf einmal – das „Gewitter im Gehirn“ ist da, und der Körper reagiert mit einem Anfall.

Je nachdem, in welcher Hirnregion das „Gewitter“ stattgefunden hat, läuft der epileptische Anfall unterschiedlich ab. Manche leiden unter Muskelkrämpfen und Zuckungen, bei anderen erschlaffen die Muskeln völlig, wieder andere leiden unter Riech-, Seh-, oder Geschmacksstörungen.

Es gibt heute eine ganze Reihe von Medikamenten, mit denen die Betroffenen die Epilepsie gut in den Griff bekommen können. Ganz ausschalten lassen sich die epileptischen Anfälle hingegen nur bei Wenigen. Ist der Anfall besonders heftig, Experten sprechen dann von einem „Grand-mal-Anfall“, verlieren die Betroffenen häufig das Bewusstsein. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man als zufällig Anwesender helfen kann. Wertvolle Tipps hierzu hat der Kölner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Herbert Mück auf seiner Homepage zusammengetragen (www.dr-mueck.de).

Ruhe bewahren
Große epileptische Anfälle wirken für Außenstehende oft sehr dramatisch und beängstigend, obwohl sie selten lebensbedrohlich sind. Sie helfen dem Betroffenen, anderen Anwesenden und sich selbst am meisten, wenn Sie Ruhe bewahren und ausstrahlen. Schicken Sie deshalb Schaulustige ruhig und entschieden weg. Weisen Sie gegebenenfalls darauf hin, dass es sich „nur“ um einen Anfall handelt und dass Sie sich damit auskennen. Blicken Sie auf die Uhr, um die Dauer des Anfalls beurteilen zu können.

Den Anfallsverlauf kennen
Grand-mal-Anfälle folgen einem Schema. Wenn Sie dieses kennen, werden Sie sich sicherer fühlen und weniger Grund zur Sorge haben: Meist wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“ verliert der Patient plötzlich das Bewusstsein, wobei er manchmal vorher einen Schrei ausstößt oder auch Urin verliert (der Schrei ist kein Ausdruck von Schmerz, sondern Folge herausgepresster Luft!). Durch den Bewusstseinsverlust kann es zum Sturz und leider auch zu Verletzungen kommen. Während des Anfalls ist die gesamte Muskulatur angespannt. Da sich auch die Atemmuskulatur verkrampft, kann es vorübergehend zu einem Atemstillstand kommen (mit einer Blauverfärbung der Haut). Nach spätestens 30 Sekunden setzt die Atmung wieder ein. Es besteht keine Erstickungsgefahr, also keinerlei Notwendigkeit zur Wiederbelebung. Es dauert dann noch einige Minuten, bis der Patient zu sich kommt. Er muss sich orientieren und ist in der Regel müde und schlafbedürftig.

Verletzungen vorbeugen
Grand-mal-Anfälle enden in aller Regel nach einigen Minuten von selbst. Sie sind kein Notfall, sondern ein Symptom und erfordern keine spezielle ärztliche Behandlung. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, den Kranken vor zusätzlichen (!) Gefahren und Verletzungen zu schützen. Schaffen Sie eine Sicherheitszone (keine spitzen oder kantigen Gegenstände in Reichweite!). Lagern Sie den Kranken um, wenn er sich in einem Gefahrenbereich aufhält (Eisenbahnschienen, befahrene Straße, Schwimmbecken, Feuer, heißer Herd, Treppenstufen). Verhindern Sie vor allem Verletzungen, die durch Sturz oder Zuckungen des Patienten drohen. Fassen Sie zum Transportieren den Kranken am Oberkörper und nicht an den Armen an (Gefahr des Schulterausrenkens!). Versuchen Sie auf keinen Fall, den Anfall zu „durchbrechen“ (z.B. durch Schütteln, Anschreien, Riechstoffe).

Sicher lagern
Lagern Sie den Patienten frei auf dem Boden und schränken Sie seine Bewegungsfreiheit nicht ein. Schützen Sie den Kopf durch eine weiche Unterlage (Decke, Kissen, Jacke, Tasche, Mantel) oder halten Sie ihn leicht in Ihren Händen. Öffnen Sie beengende Kleidungsstücke (Krawatte, Hemdkragen), um die Atmung zu erleichtern. Sobald die Muskelverspannungen nachgelassen haben, kann eine stabile Seitenlage Atmungsprobleme verhindern (z.B. Verschlucken von Speichel oder Erbrochenem).

Mund schonen
Bei einem Grand-mal-Anfall besteht die Gefahr, dass sich der Betroffene in die Lippen beißt. Ärzte und medizinisches Fachpersonal verwenden in solchen Fällen mitunter spezielle „Gummikeile“. Als Laie sollten Sie auf solche Maßnahmen verzichten, also dem Patienten nicht Gegenstände „zum Schutz“ zwischen die Lippen schieben (z.B. einen Schlüsselbund oder Löffel). Der dadurch entstehende Schaden an Zähnen, Zunge oder Kiefergelenk ist oft größer als eine selbst zugefügte Bisswunde. Nicht zuletzt riskieren Sie, gebissen zu werden, wenn Sie an Mund und Zähnen des Kranken manipulieren.

Ablauf beobachten
Nach einem Anfall kann sich der Patient nicht an Einzelheiten erinnern. Deshalb ist es wichtig, dass Sie diese möglichst genau registrieren und dokumentieren. Ihre Beobachtungen können dem behandelnden Arzt wertvolle Hinweise liefern, Diagnostik, Therapie und Prophylaxe des Leidens zu verbessern.

Beistand gewähren
Stehen Sie dem Patienten auch nach dem Anfall ausreichend lange bei. Sprechen Sie ihn beruhigend an, wenn er zu sich kommt. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihm so lange helfen werden, wie er Sie benö­tigt. Manchmal kann es bis zu einer halben Stunde dauern, bis ein Anfallspatient wieder voll orientiert ist und entsprechende Fragen beantworten kann. Ermöglichen Sie ihm eine ungestörte Erholungsphase. Begleiten Sie den Kranken eventuell nach Hause oder rufen Sie einen anderen Helfer bzw. Familienangehörigen an, sofern der Patient dies möchte. Schicken Sie auch in dieser Phase Schaulustige weg, da deren Anwesenheit für den (nicht mehr bewusstlosen!) Kranken meist unangenehm ist. Überlassen Sie dem Patienten gegebenenfalls Ihre Telefonnummer. Schildern Sie ihm auf Wunsch das zurückliegende Geschehen, damit er seinem Arzt davon berichten kann.

Wünsche respektieren
Setzen Sie sich nicht über die Wünsche des Patienten hinweg. Dieser kennt sich am besten mit seinem Leiden aus und kann einschätzen, welche Hilfen er in einer solchen Situation benötigt. In der Regel ist seine Epilepsie bekannt und behandelt.

Bei Bedarf Notarzt rufen
Rufen Sie einen Arzt, wenn der Krampf länger als 5 Minuten anhält, es innerhalb einer Stunde zu mehreren Anfällen kommt oder es nach Erschlaffung der Muskulatur länger als 5 Minuten dauert, bis der Kranke wieder zu sich kommt. Auch bei blutenden Wunden und anderen auffälligen Verletzungen sollten Sie umgehend einen Arzt oder Rettungssanitäter verständigen.

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Mo, 18.08.2008 16:22 / Gaby Guzek / Dezember 2007 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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