Es war im Urlaub auf Teneriffa, als Elisabeth A. wie aus heiterem Himmel in Ohnmacht fiel und erst acht Tage später im ortsansässigen Krankenhaus wieder aufwachte. Diagnose: Schlaganfall. „Ich war wandern mit einer Freundin und habe überhaupt nicht gemerkt, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein könnte“, erzählt sie im Nachhinein. Lediglich übel und schwindelig sei ihr einen Tag lang gewesen: „Ich dachte, das wäre ein Sonnenstich oder so“, erinnert sie sich. Doch leider weit gefehlt: Es war ein winziges Blutgerinnsel, das ein Blutgefäß im Gehirn verstopft und somit zu einer Mangeldurchblutung des Denkorgans geführt hat. Die betroffene Region wurde dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, zahlreiche Nervenzellen sind abgestorben. Mediziner sprechen dabei von einem sogenannten ischämischen Infarkt.
Was der 38-Jährigen passierte, ist typisch für einen Schlaganfall, denn dieser kommt oft ohne Vorwarnung. In etwa 80 Prozent der Fälle ist eine Mangeldurchblutung des Gehirns die Ursache, seltener ist ein geplatztes Blutgefäß und die dadurch eintretende Hirnblutung der Auslöser. Ältere Menschen, Übergewichtige und Raucher sind besonders gefährdet, doch auch junge Menschen oder Kinder kann der Schlag treffen. Besonders tückisch daran: Anders als ein Herzinfarkt verursacht ein Schlaganfall keine Schmerzen. Viele Betroffene wissen deshalb auch nicht, was ihnen gerade widerfährt und dass schnellstens Hilfe geholt werden muss.
Auch die Warnzeichen, die bei etwa 50 Prozent der Anfälle auftreten, sind diffus (siehe Kasten unten): Sie kommen ganz plötzlich und können einige Minuten oder Stunden andauern, danach allerdings auch genauso schnell wieder abklingen. Viele unterschätzen sie deshalb und vermuten nichts Schlimmes dahinter. Doch schon beim geringsten Verdacht auf einen Schlaganfall gilt die höchste Alarmstufe – nicht nur, um die lebensbedrohliche Situation zu entschärfen, sondern auch, um drohende Spätfolgen zu verringern. Dazu gehören beispielsweise halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen, epileptische Anfälle und Sprachstörungen bis hin zum völligen Sprachverlust.
Da ein Schlaganfall immer ein absoluter Notfall ist, sollten Sie bei den kleinsten Anzeichen sofort einen Notarzt rufen. Denn Patienten, die innerhalb von drei Stunden im Krankenhaus eintreffen, haben die besten Chancen, Spätfolgen zu vermeiden. Am besten aufgehoben sind sie in Kliniken mit sogenannten Stroke-Units, das sind extra eingerichtete Stationen, die auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten spezialisiert sind. Dort können Spezialisten mithilfe eines Computer- oder Kernspintomografen sofort abklären, ob eine Hirnblutung oder ein Blutgerinnsel den Schlaganfall ausgelöst hat und danach die entsprechenden Therapiemaßnahmen einleiten.
Elisabeth H. kann jetzt, eineinhalb Jahre später, zwar wieder gehen und sprechen, doch ihr Leben hat sich trotzdem schlagartig verändert: Ihren Job als Produktmanagerin bei einem der führenden Kosmetikhersteller musste sie aufgeben. „Nach der Reha bin ich jetzt erst mal für ein Jahr berentet“, erzählt die ehemalige Karrierefrau. Ihr Selbstwertgefühl leidet erheblich unter der neuen Situation, Rückhalt geben ihr Familie und Freunde. Bei ihrer Krankenkasse und den zuständigen Behörden hat sie dagegen kaum Unterstützung bekommen: „Wenn man kaum sprechen kann, sind Behördengänge wegen Berentung oder weiteren Therapien eine einzige Qual“, erinnert sie sich. Einmal wurde ihr gesagt, sie solle wiederkommen, wenn sie nüchtern sei, weil man ihre Sprachschwierigkeiten falsch gedeutet hatte, erzählt sie unter Tränen.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Sie selbst aktiv werden und Ihr Schlaganfallrisiko senken: Gleichen Sie Bewegungsmangel durch Sport aus, indem Sie wandern, schwimmen oder Rad fahren, und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung (ersetzen Sie beispielsweise tierische Fette wie Butter oder Schmalz durch Raps- oder Olivenöl und meiden Sie Käse und Wurstwaren mit hohem Fettanteil). Auch wer das Rauchen aufgibt und Alkohol nur in Maßen genießt, kann sein Schlaganfallrisiko senken.
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