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Chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen – Raucherhusten ist keine Bagatelle

Die vier Buchstaben stehen für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, also etwas freier übersetzt: eine chronische, krankhafte Verengung der Atemwege. Der Übergang vom „normalen Raucherhusten“ hin zu dieser chronischen Atemwegserkrankung ist fließend und für medizinische Laien nicht leicht zu erkennen. Dabei ist eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung wichtig, denn nur dann haben die Betroffenen die Chance, weiterhin ein aktives Leben zu führen.

Neun von zehn COPD-Patienten erkranken, weil sie rauchen. Die Schadstoffe im Glimmstängel verkleben die Atemwege derart, dass sich das Lungengewebe dauerhaft verändert. Alles beginnt mit einer – für Raucher typischen – chronischen Bronchitis. Die entsteht, weil sich die Lunge nicht mehr von den vielen Schadstoffen aus dem Zigarettenrauch befreien kann.

Normalerweise hat die Lunge einen raffinierten Reinigungsmechanismus. Sie produziert zähflüssigen Schleim, an dem eingeatmete Schadstoffe kleben bleiben. Milliarden kleiner Härchen, mit denen die Lunge ausgekleidet ist, bewegen sich wie eine Art Besen und befördern das Schleim-Schadstoff-Gemisch durch Husten wieder hinaus. Aber: Wer ständig per Glimmstängel neue Schadstoffe nachliefert, überfordert diesen Mechanismus. Die Lunge produziert dann mehr Schleim, als sie abtransportieren kann. Der Schleim bleibt in der Lunge hängen, dauernder Hustenreiz ist die Folge. Die chronische Bronchitis ist entstanden.

Wenn sich die Bronchitis zu einer COPD weiterentwickelt, merkt der Betroffene das oft gar nicht. Die ständige Entzündung der Schleimhäute in der Lunge hat dann dazu geführt, dass die Wände der Bronchien, also der feinsten Verästelungen des Lungengewebes, kaputtgehen und in sich zusammenfallen. Dort nimmt das Blut normalerweise den eingeatmeten Sauerstoff auf. Doch die zerstörten Lungenbläschen können ihren Dienst nicht mehr richtig tun, der Körper leidet unter ständigem Sauerstoffmangel.

Bei Gesunden haben alle Lungenbläschen – würde man sie ausbreiten – die Größe eines ganzen Fußballfeldes. Bei COPD-Kranken ist diese Oberfläche kleiner, weil viele Bläschen geschädigt sind. Die Erkrankten haben dadurch nicht mehr genügend Lungenkapazität, um ausreichend Sauerstoff ins Blut zu transportieren, und fühlen sich deshalb auch dauerhaft schlapp. Sie bekommen immer schwerer Luft und haben, wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist, ständig das Gefühl zu ersticken. Das Problem: Hat das Lungengewebe erst einmal angefangen, sich zu verändern, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen. Unbehandelt verschlimmert sich die COPD immer weiter und kann schleichend auch zum Tode führen. Ebenso kann sie sich sprunghaft und schnell verschlechtern, etwa wenn eine Atemwegsinfektion hinzukommt.

Wer rechtzeitig auf die Bremse tritt, kann all das vermeiden. Seien Sie also ehrlich mit sich selbst: Wenn Sie mehr als zwei Monate lang regelmäßig morgens Husten mit Auswurf haben, sollten Sie das nicht als Bagatelle abtun. Dann muss ein Arzt abklären, ob hier nicht schon die erste Stufe einer COPD vorliegt. Mediziner unterteilen die COPD in vier Schweregrade:

Stadium 0: Gefährdet
Symptome: Chronischer Husten und Schleimproduktion, die Atmung funktioniert noch normal.

Stadium 1: Leichte COPD
Ein- und Ausatmen sind leicht eingeschränkt, mit oder ohne chronische Symptome wie Husten. Betroffene sind sich häufig nicht bewusst, dass ihre Lungenfunktion nicht normal ist.

Stadium 2: Mittlere COPD
Verschlechterung der Atmung und Fortschreiten der Symptome, Kurzatmigkeit nach körperlicher Anstrengung. Typischerweise haben die meisten Patienten bereits eine COPD in diesem Stadium, wenn die Krankheit diagnostiziert wird. Die Arbeitsfähigkeit ist bereits eingeschränkt, leichte Probleme bei täglichen Verrichtungen.

Stadium 3: Schwere COPD
Stark beeinträchtigte Atmung, das Verlassen der Wohnung ist kaum noch möglich, Luftnot bereits bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe. Wiederholte, spontane Verschlechterungen der Krankheit. Die Betroffenen sind arbeitsunfähig.

Stadium 4: Sehr schwere COPD

Schwerste Atemprobleme, im Blut ist zu wenig Sauerstoff. Die Betroffenen benötigen in der Regel zusätzlichen Sauerstoff aus einem speziellen Atemhilfegerät, plötzlich auftretende Verschlechterungen können lebensbedrohlich sein.

Ist eine COPD erst einmal entstanden, ist sie nicht mehr heilbar: Die beschädigten Lungenbläschen können sich nicht regenerieren, auch die dauerhafte Verengung der Bronchien bildet sich nicht oder nicht ausreichend zurück. Dennoch: Die Krankheit ist aufzuhalten. Dazu muss der Betroffene selbst einiges in seinem Leben umstellen und aktiv werden. Denn zwar gibt es heute Medikamente, die die Symptome einer COPD lindern und den Krankheitsverlauf bremsen können – zuerst sind die Betroffenen aber selbst gefragt.

Dazu gehört als Allererstes: Hände weg vom Glimmstängel. So schwer es gerade eingefleischten Rauchern auch fallen mag. Ohne mit dem Rauchen aufzuhören, haben sie keine Chance auf Besserung. Keiner darf sich also darauf verlassen, dass der Arzt allein mit dem Rezeptblock helfen kann. Die Medikamente können dazu beitragen, dass COPD-Kranke etwas leichter Luft bekommen, indem sie die verengten Bronchien erweitern und die chronische Entzündung unterdrücken. Wer aber trotz COPD nicht von den Zigaretten lassen kann und ständig neue Schadstoffe in die Lunge pumpt, gibt auch den besten Medikamenten keine Chance.


Asthma oder COPD?

Die COPD ähnelt auf den ersten Blick einer anderen, weit bekannteren Krankheit: dem Asthma. So unterscheiden sich die beiden Krankheiten:

Alter bei Krankheitsbeginn: Eine COPD beginnt meist erst nach einer längeren Raucherkarriere, also im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt. Asthma hingegen beginnt oft schon im Kindes- oder Jugendalter.

Beginn der Erkrankung: Eine COPD setzt schleichend ein, als Folge einer jahrelangen chronischen Bronchitis. Asthma beginnt oft abrupt. Asthmatiker haben häufig auch weitere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis.

Atemnot, Husten, Auswurf: COPD-Patienten leiden quasi immer unter Atemnot. Am Anfang der Krankheit mehr bei körperlicher Belastung, etwa beim Treppensteigen, später dann auch in Ruhe. Asthmatiker hingegen verspüren die beklemmende Atemnot „nur“ während eines akuten Asthmaanfalls. Der Auswurf ist bei der COPD klar bis gelblich und flüssig, beim Asthma glasklar und sehr zäh, COPD-Patienten husten vor allem morgens viel Schleim ab.

Ursachen: Fast immer ist für die COPD das Rauchen verantwortlich. Asthma hingegen ist sehr häufig eine Überempfindlichkeit der Lunge auf bestimmte Stoffe. Dazu zählen unter anderem Pollen, Gräser, Hausstaubmilben oder Tierhaare.


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Di, 12.08.2008 14:38 / Gaby Guzek / Oktober 2007 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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