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Bandscheibenvorfall: Meist geht es ohne Operation

Bandscheiben sind kleine Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Rückenwirbeln. Sie verhindern, dass diese aufeinanderreiben. Alles ist gut, solange diese wahren Schwerstarbeiter klaglos ihren Dienst tun und die hohen Belastungen abfedern, denen unsere Wirbelsäule tagtäglich beim Gehen, Beugen, Stehen oder Heben ausgesetzt ist. Dafür sind sie perfekt gebaut: Sie bestehen aus einem Bindegewebsring und einem weichen, gallertartigen Kern. Genau wie Knochen und Knorpelgewebe nutzen die elastischen Puffer im Laufe des Lebens ab: Der Bindegewebsring wird spröde und hält Alltagsbelastungen nicht mehr so gut stand. Solche Abnutzungen beobachten Mediziner bereits bei 20-Jährigen.

Dann reichen einseitige Belastungen wie langes Sitzen vor dem Computer oder eine falsche Bewegung, damit der weiche Kern verrutscht und durch eine Schwachstelle des spröde gewordenen Bindegewebsrings nach außen tritt. Dann kann er auf das Rückenmark oder die nahe liegende Nervenwurzel drücken. Die Folge: heftige Schmerzen, Gefühlsstörungen in Armen oder Beinen oder sogar Lähmungen.

Meist kommt ein Bandscheibenvorfall völlig unerwartet und ohne Vorwarnung. Schauplatz Nummer 1: Die Lendenwirbelsäule. Immerhin muss diese täglich Belastungen von bis zu 1,5 Tonnen aushalten, so viel wiegt ein Kleinwagen. Auch die Bandscheiben in der Halswirbelsäule machen vielen Menschen Kummer.

Einen Bandscheibenvorfall zu diagnostizieren fällt dem Arzt in den meisten Fällen leicht: Eine genaue Untersuchung gibt schon gute Hinweise, für eine genauere Auskunft liefern die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie präzise Bilder. Auf ihnen kann der Arzt genau erkennen, ob es sich tatsächlich um einen Bandscheibenvorfall handelt und welche Wirbel betroffen sind.

Wie es nach der Diagnose weiter-geht, hängt vor allem davon ab, wie stark die Bandscheibe auf die Nerven drückt und ob langfristige Schäden zu befürchten sind. Die gute Nachricht: Nur jeder zehnte Betroffene muss wirklich mit seinem Bandscheibenvorfall unters Messer. Das ist dann unumgänglich, wenn Symptome darauf hinweisen, dass die Bandscheibe auf das Rückenmark drückt, oderder Betroffene unter Lähmungen leidet. Das Tückische: Durch ausreichend starken Druck auf den Nerv kann sogar der zunächst heftige Schmerz abnehmen. Er ist es aber, der die Geplagten meist zum Arzt treibt. Verbessern sich die Schmerzen, denkt sich so mancher „ach, die Kraft im Arm oder Bein kommt schon zurück“ und wartet ab. Dabei ist dann höchste Eile geboten.

Es gibt heute verschiedene Operationsmethoden, um einem Bandscheibenvorfall zu Leibe zur rücken. Sie alle verfolgen das Ziel, den Druck auf die beengten Nervenwurzeln zu mindern. Dazu muss der Operateur das zerstörte Bandscheibengewebe ausräumen, häufig geht dies heute auch schon mit dem Endoskop. Risiko hierbei: Nach der Operation können Narben im Gewebe entstehen, die dann wiederum auf den Nerv drücken. Dann kann eine zweite Operation anstehen.

Doch wie gesagt: Meist geht es auch ohne Operation. Wer ganz viel Glück hat, wird von alleine wieder gesund: Der Gallertkern der Bandscheibe trocknet dann ein und schrumpft. Der Druck auf die umliegenden Nerven lässt nach. Um die Heilung zu beschleunigen und vor allem die Beschwerden der Anfangszeit erträglicher zu machen, verschreibt der Arzt meist milde bis starke Schmerzmittel und auch Medikamente zur Muskelentspannung. Gut tut auch Wärme.

Wichtig: Gerade am Anfang, wenn es noch richtig schlimm ist, sollten die Betroffenen die Schmerz- und Entspannungsmittel immer nach einem festen Zeitplan einnehmen und nicht erst, wenn die Beschwerden nicht mehr auszuhalten sind. Denn Schmerz und Verspannung sind ein Teufelskreis: Wer Schmerzen hat, nimmt eine Schonhaltung ein – die aber wiederum zu einer völlig falschen Belastung der Wirbelsäule führen kann und so die Bandscheiben zusätzlich belastet.

Gezielte Krankengymnastik kann ebenfalls sehr viel beitragen, vor allem lernen die Betroffenen hier, sich möglichst bandscheibenschonend zu bewegen. Ist keine OP nötig, sprechen Mediziner von einer „konservativen Behandlung“. Diese aber kann einige Zeit dauern: Bis zu drei Monate können vergehen, bis der Betroffene wieder fit ist. Dann sind die Schmerzen vorbei. Doch wer jetzt weitermacht wie gehabt, riskiert den nächsten Bandscheibenvorfall.

Langfristig kann nur ein gut trainiertes Muskelkorsett einem neuen Vorfall vorbeugen. Auch Bewegung ist wichtig. Denn sie ernährt die Bandscheiben. Diese funktionieren wie ein Wasserschwamm: Drücken Sie ihn zusammen, verliert er das Wasser. Lassen Sie ihn anschließend nicht mehr los, kann er kein neues Wasser aufsaugen. Genauso geht es Ihren Bandscheiben: Sitzen Sie acht Stunden am Schreibtisch, drücken Sie sie zusammen. Wenn Sie Ihre Sitzposition selten verändern und nicht zwischendurch mal aufstehen, haben die Bandscheiben – genau wie der Schwamm – keine Möglichkeit, wieder Flüssigkeit bzw. Nährstoffe aufzunehmen.

Auch im Alltag können Sie einiges tun, um Ihren Rücken zu entlasten. Tipps für einen rückenschonenden Alltag finden Sie im Kasten unten.

Darauf sollten Sie achten:

Heben, Bücken, Tragen
Beim Bücken in die Hocke gehen, den Rücken dabei gerade lassen und das Körpergewicht auf die Fersen verlagern. Heben und tragen Sie Gewichte möglichst dicht am Körper.

Sitzen
Sie sitzen richtig, wenn Ihre Fußsohlen den Boden berühren und Ober- und Unterschenkel etwa eine rechten Winkel bilden. Die Oberarme können locker herunterhängen, Ober- und Unterarme bilden einen rechten Winkel, wenn die Unterarme auf dem Schreibtisch liegen. Ihr Monitor steht richtig, wenn der Sehabstand 50 bis 90 cm beträgt. Die oberste Zeile des Bildschirms sollte in Augenhöhe oder darunter liegen.

Stehen
Zeigen Sie Haltung! Richten Sie sich auf und verteilen Sie ihr Körpergewicht gleichmäßig auf die Fußsohlen. Lassen Sie die Schultern sinken und verlagern Sie das Gewicht abwechselnd auf Zehen, Fersen, Innen- und Außenkante der Füße oder von einem Bein auf das andere. Unterbrechen Sie langes Stehen durch Umhergehen.

Bringen Sie Schwung in Ihren Alltag
Langes Stehen oder Sitzen schadet Ihrem Rücken. Ändern Sie deshalb öfter mal die Sitzposition und stehen Sie zwischendurch auf oder recken und strecken Sie sich. Nutzen Sie jede Gelegenheit, um sich zu bewegen: Spezielle Rückengymnastik-Kurse oder rückenfreundliche Sportarten wie Schwimmen oder Yoga helfen beim Muskelaufbau. Einige Kurse werden sogar von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Fragen Sie am besten bei Ihrer Kasse nach, ob es solche Angebote auch in Ihrer Nähe gibt.


Fr, 03.08.2007 15:53 / Nadia Youzbachi Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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