durchblick-gesundheit.de [ Durchblick -> Medizin -> Gut geschützt auf Reisen – Impfungen schützen vor unliebsamen Souvenirs ]

  Archiv
  Politik
  Medizin
  Ihr Geld
  Proteste
  Medien
  Impressum




Gut geschützt auf Reisen – Impfungen schützen vor unliebsamen Souvenirs

Was viele nicht wissen: Bereits ein Trip nach Mallorca kann Gesundheitsgefahren bergen. Beispielsweise ist in Spanien die sogenannte Hepatitis A zu Hause, eine Leberentzündung, die zwar wieder ausheilt, den Betroffenen aber bis zu sechs Wochen ans Bett fesseln kann. Die Hepatitis-A-Viren sind auch in Griechenland und in der Türkei weit verbreitet und werden durch verunreinigte Nahrungsmittel übertragen. Grundsätzlich sollten Sie deshalb beim Essen im Urlaub besonders pingelig sein. Die Faustregel lautet: „Cook it, peel it or forget it.“ Trinken Sie also nur Mineralwasser aus Flaschen oder kochen Sie das Leitungswasser vorher ab, schälen Sie das Obst, bevor Sie es essen und nutzen Sie das Mineralwasser auch zum Zähneputzen.

In Ländern, in denen nicht in jeder Küche Meister Proper wohnt, ist das Risiko besonders hoch. Aber auch in einem Fünfsternehotel kauft der Küchenjunge den Salat auf dem Wochenmarkt und wäscht ihn, wenn Sie Pech haben, mit Leitungswasser. „Auch hier müssen Sie damit rechnen, dass Sie sich unter Umständen eine Hepatitis einfangen“, warnt der Münchner Internist und Reisemediziner Dr. Robert Gross. „Vor ein paar Jahren erkrankten im Ägyptischen Hurghada über 300 Menschen an Hepatitis A. Später stellte sich heraus, dass die Ursache dafür mit Leitungswasser verdünnter Orangensaft war.“ Besonders Muschelgenießer sollten vorsichtig sein. Das italienische Gesundheitsamt hat vor einigen Jahren Muscheln aus Süditalien auf Hepatitis-A-Viren untersucht. Das erschreckende Ergebnis: Fast jede dritte Muschel trug die Erreger in sich. Besonders tückisch: Die Viren sterben zumeist auch beim Zubereiten nicht ab.

Vor ein paar Jahren wurden die frischen Meerestierchen einem Metzger aus Bayern zum Verhängnis: Er konnte der Gaumenfreude nicht widerstehen und brachte die Hepatitis-A-Viren von Teneriffa mit an seine Fleischertheke – und infizierte so gleich 75 seiner Kunden mit dem ungebetenen Souvenir.

Neben der Hepatitis A ist die weit tückischere Hepatitis B eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. „Die meisten Urlauber infizieren sich durch Unfälle mit der Hepatitis B – das kann schon ein kleiner Badeunfall mit einer Platzwunde sein, die genäht werden muss. Sie kommen ins Krankenhaus, werden mit unsterilem Operationsbesteck versorgt und infizieren sich auf diese Weise“, warnt Gross. Anders als bei der Hepatitis A kann eine Hepatitis-B-Infektion chronisch verlaufen und tödlich enden.

Das Robert Koch-Institut rechnet pro Jahr weltweit mit bis zu einer Million Todesfällen infolge von Hepatitis-B-Infektionen – und das, obwohl es seit Anfang der 80erJahre einen Impfstoff gibt, der sehr gut wirkt und gut verträglich ist. Bis zum 18. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen sogar die Kosten für die Hepatitis-B-Impfung.

Hepatitis-Impfung: zwei auf einen Streich
Da Hepatitis weit verbreitet und die Ansteckungsgefahr hoch ist, sollten Sie sich für jede Auslandsreise gegen Hepatitis impfen lassen. Gross empfiehlt einen Impfstoff, der gleich gegen beide Virustypen schützt. Wer sich impfen lässt, erhält die ersten zwei Injektionen im Abstand von vier Wochen und ist dann bereits geschützt. Eine dritte Injektion nach einem Jahr verlängert den Schutz auf mindestens 10 Jahre. Die einzelne Injektion kostet um die 80 Euro, inklusive ärztlicher Beratung. Impfung und Beratung müssen Sie selbst zahlen, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Reiseimpfungen nicht.

Impfen und beraten lassen können Sie sich bei Ihrem Arzt. Viele Mediziner bieten gesonderte reisemedizinische Sprechstunden an, die Sie als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch nehmen können. Je nachdem wohin und wie Sie reisen, ob Sie also einen Trekking- oder einen Badeurlaub planen, prüft der Arzt, welche Schutzimpfung Sie dafür brauchen. Dafür braucht er Ihren Impfpass, die geplante Reiseroute und möglichst viele Informationen über Ihre Krankheitsgeschichte. So erfahren Sie schnell, wie hoch beispielsweise das Malaria-Risiko in Ihrem Reiseland ist und ob eine Vorbeugung sinnvoll ist oder nicht. Auch im Internet finden Sie viele Tipps und Informationen rund ums Reisen, etwa beim Centrum für Reisemedizin (www.crm.de) oder unter www.travelmed.de. Diese ersetzen jedoch keine individuelle reisemedizinische Beratung.

Lieber nicht auf den letzten Drücker impfen lassen
Viele Impfungen wirken nur, wenn Sie sich rechtzeitig schützen – Sie sollten sich also nicht erst eine Woche vor Abflug informieren. Doch auch wer in der Hektik den Impfschutz vergessen hat oder per Last-Minute-Angebot in die Sonne düsen will, muss nicht verzweifeln: Auch noch kurz vor dem Abflug können Sie sich zumindest gegen die Hepatitis A immunisieren lassen – dann allerdings nicht mit dem Impfstoff, der gegen beide Hepatitistypen schützt. „Man kann sich auch einzeln nur gegen die Hepatitis A impfen lassen. Das ist allerdings die einzige ‚last order‘-Impfung, die man noch so kurzfristig verpassen kann“, erklärt Gross. „Selbst eine Grippeimpfung braucht etwa 14 Tage, bis sie wirkt.“

An einigen deutschen Flughäfen (unter ihnen Hamburg, Frankfurt und München) können sich Kurzentschlossene buchstäblich noch in letzter Minute impfen lassen. Auch die Standardschutzimpfungen Tetanus, Diphtherie und Polio können Sie kurzfristig vor dem Urlaub auffrischen lassen, wenn Sie bereits früher einmal dagegen geimpft wurden. Tetanus und Diphtherie gehören übrigens zu den Impfungen, die die Ständige Impfkommission jedem empfiehlt – somit übernimmt Ihre Kasse die Kosten für die Impfung.

Welcher Impfschutz für welches Reiseland?
Reiseland Empfohlene Impfungen
Portugal, Spanien, Griechenland, Italien Diphtherie, Tetanus;
Hepatitis A und B (nur bei Trekkingreisen o. Ä.)
Großbritannien Diphtherie, Tetanus;
Hepatitis B (nur bei Trekkingreisen o. Ä.)
Türkei Diphtherie, Tetanus, Hepatitis A;
Hepatitis B, Typhus und Tollwut (nur bei
Trekkingreisen o. Ä.)
Thailand Diphtherie, Tetanus, Hepatitis A, Typhus;
Hepatitis B, Tollwut, japanische Enzephalitis
(nur bei Trekkingreisen o. Ä.)
Südafrika Diphtherie, Tetanus, Polio;
Hepatitis A und B, Tollwut (nur bei
Trekkingreisen o. Ä.)
Russland Diphtherie, Tetanus, Hepatitis A;
Hepatitis B, FSME, Tollwut, japanische
Enzephalitis (nur bei Trekkingreisen o. Ä.)
Brasilien Diphtherie, Tetanus, Hepatitis A, Gelbfieber;
Hepatitis B, Typhus, Tollwut (nur bei
Trekkingreisen o. Ä.)

Do, 21.06.2007 16:36 / Nadia Youzbachi / Mai 07 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

© änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG.
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Eine Übernahme in andere Medien ist ohne
ausdrückliche schriftliche Genehmigung nicht gestattet.

durchblick gesundheit

 

Aus den Weblogs