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Impfung gegen Krebs: Neuer Schutz kann Frauen retten

Dieses golfballähnliche Humane Papllomavirus kann Krebs verursachen
Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 6.000 Frauen daran, etwa die Hälfte von ihnen stirbt sogar. Schutz bieten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Zusätzlich erleichtern jetzt neue Diagnosemethoden die Früherkennung. Das Beste hat die Forschung jungen Mädchen beschert: Sie können sich seit Kurzem sogar gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen.

Möglich wurde die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, weil Forscher die Auslöser dieser tückischen Krankheit entlarven konnten: Es sind bestimmte Warzenviren, die sogenannten Humanen Papillomaviren (HPV). Sie werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und sind weit verbreitet. Schätzungsweise 70 Prozent aller Erwachsenen kommen irgendwann mit den Viren in Kontakt. In der Regel gelingt es dem Körper, die Krankheitserreger abzuwehren. Erst wenn das Immunsystem es innerhalb eines Jahres nicht schafft, eine HPV-Infektion zu bekämpfen, wird es unter Umständen gefährlich. Bleiben die Viren länger in der Gebärmutterhalsschleimhaut, kann es ihnen gelingen, die Zellen zu verändern. „Daraus kann dann eine Krebsvorstufe und letztlich Gebärmutterhalskrebs entstehen“, erklärt der Heidelberger Krebsforscher Prof. Lutz Gissmann.

Impfung kann Gebärmutterhalskrebs vorbeugen
Forscher kennen heute über 100 derartige HP-Viren, 15 bis 20 von ihnen gelten als krebserregend. Als besonders gefährlich stufen Wissenschaftler die Papillomaviren Nummer 16 und 18 ein – sie sind Auslöser von rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Wissenschaftler haben jetzt einen Impfstoff gegen die-se gefährlichen Virustypen entwickelt, der seit Oktober 2006 auch in Deutschland zugelassen ist.

Die Impfung soll Mädchen und junge Frauen davor schützen, sich mit den Viren zu infizieren. Idealerweise sollten sich Mädchen schon vor dem ersten Sex impfen lassen, damit sie sich gar nicht erst anstecken können. Noch ist umstritten, ob der Impfstoff auch ältere Frauen schützt. Dennoch können auch diese dem Gebärmutterhalskrebs vorbeugen.

Neue Früherkennungsmethode verbessert Krebsvorsorge
Alle Frauen haben ab ihrem 20. Lebensjahr Anspruch auf eine Krebsvorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt. Dabei macht der Arzt einen Zellabstrich vom Gebärmutterhals. Im Labor untersuchen Spezialisten, ob sich vielleicht schon verdächtig veränderte Zellen in der Probe finden. Diese Vorsorge gibt es schon seit 1971 – seitdem hat sie schon vielen Frauen das Leben gerettet, weiß die Statistik. Deshalb: Sie ist nach wie vor ein absolutes Muss, um diese schwere Erkrankung rechtzeitig zu erkennen.

Eine neue Früherkennungsmethode bietet heute die Möglichkeit, eine mögliche Krebserkrankung des Gebärmutterhalses noch früher zu erkennen. Sie untersucht nicht – wie die bisherige Krebsvorsorge –, ob bereits veränder-te Schleimhautzellen vorhanden sind, sondern prüft, ob eine Infektion mit den krebsauslösenden Viren vorliegt. Ein positives Testergebnis heißt jedoch nicht, dass sich daraus Krebs entwickelt. Patientin und Arzt wissen dann aber, dass in Zukunft noch mehr Achtsamkeit und enge Kontrollen nötig sind. Das ist aber auch leider das Einzige, was dann zu tun übrig bleibt, denn eine Behandlung gegen die krebsauslösenden Viren gibt es derzeit leider noch nicht. Diese neue Art der Krebsvorsorge zahlen die gesetzlichen Kassen nicht. Der Test kostet zwischen 50 und 75 Euro.

Impfen – was Sie wissen sollten
Wer sich impfen lässt, erhält innerhalb von sechs Monaten drei Injektionen – dann ist ein Impfschutz für mindestens fünf Jahre gewährleistet. Einige Kassen erstatten die Kosten für die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bereits, unter ihnen die Techniker Krankenkasse (TK), die Barmer Ersatzkasse, die DAK und einige Betriebskrankenkassen. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es noch nicht. In der Regel müssen Sie die rund 550 Euro erst mal selbst bezahlen, die sich aus 480 Euro für drei Impfungen und dem jeweiligen Arzthonorar zusammensetzen. Erst nach Einreichen der Arzt- und Impfstoffrechnungen bekommen Sie die Kosten von Ihrer Kasse erstattet.

In Ausnahmefällen lassen sich mit den Kassen jedoch auch andere Lösungen finden. Halten Sie deshalb in jedem Fall Rücksprache mit Ihrer Kasse und lassen Sie sich eine Kostenübernahmeerklärung schriftlich bestätigen. Damit sind sowohl Sie als auch Ihr Arzt rechtlich auf der sicheren Seite.

Nicht ganz einheitlich sind die Altersgrenzen, bei denen die Kassen die Impfung bezahlen. So zahlt etwa die mhplus Betriebskrankenkasse die Impfung für Mädchen zwischen 9 und 18 Jahren und darüber hinaus auch für junge Frauen bis zum vollendeten 26. Lebensjahr, wenn der Arzt es empfiehlt. Die TK übernimmt die Impfkosten für Mädchen im Alter von 11 bis 18 Jahren. Eine Nachfrage bei Ihrem Arzt und bei Ihrer Kasse lohnt sich also in jedem Fall, ob und unter welchen Bedingungen die Kosten erstattet werden.

Auch einige private Krankenversicherungen übernehmen bereits die Kosten für die Impfung. Der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) rät den Versicherten, beim jeweiligen Unternehmen nachzufragen.

Spätestens im Sommer dieses Jahres spricht wohl auch die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Empfehlung für die HPV-Impfung aus. Sie wird dann höchstwahrscheinlich zur regulären Kassenleistung. Aber denken Sie daran: Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt ist nach wie vor das A und O – auch für Geimpfte!

Fortschritt für alle kostet Geld

Impfung gegen Krebs. Bei aller Freude über die Nachricht: Dieser grandiose medizinische Fortschritt zeigt auch, wie wenig haltbar die ewige Forderung der Politiker nach stabilen Krankenkassenbeiträgen ist. Denn Fortschritt kostet Geld. Ein Rechenbeispiel: Derzeit leben rund 3,5 Millionen 10 bis 18-jährige Mädchen in Deutschland. Allein 480 Euro kostet der Impfstoff, hinzu kommt das Arzthonorar. Pro geimpftes Mädchen kommen da Kosten von rund 550 Euro zusammen. Würden alle Mädchen geimpft, kämen Kosten von rund 1,9 Milliarden Euro zusammen. Woher aber soll dieses Geld kommen, wo es doch bereits heute schon im Gesundheitswesen mehr als knapp ist? 1,9 Milliarden zusätzlich: Das sind über den Daumen 0,19 Prozent höhere Krankenkassenbeiträge. Und das „nur“ für die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Und der medizinische Fortschritt geht weiter ...


Di, 24.04.2007 11:42 / Nadia Youzbachi Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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