|

|
| Allgemeinmediziner verzweifelt gesucht: Kleines Dorf startet ungewöhnliche Aktion |
|
|
|
Eigentlich lässt es sich in Wenholthausen ganz gut leben. Das Dorf – umgeben von grünen Hügeln und viel Wald – hat eine Grundschule, einen Kindergarten, ein reges Vereinsleben und Gaststätten mit ausgezeichneter Küche. Doch etwas Wichtiges fehlt: ein Arzt. „Wenholthausen hat immer einen Arzt gehabt, hier gehört einfach ein Arzt hin“, sagt Klaus Eichhorn. Er ist einer der Initiatoren der Aktion „Dorf sucht Arzt“. Auf Maßnahmen aus der Politik wollte Eichhorn nicht warten. Deshalb haben er und ein paar andere Dorfbewohner die Sache selbst in die Hand genommen.
Seit zwei Jahren steht das Ärzte-haus im Zentrum von Wenholthausen leer. Eichhorn hat das 1920 gebaute Fachwerkhaus gekauft und lässt es derzeit grundlegend renovieren. Der Plan: Wenn das Gebäude in neuem Glanz erstrahlt, will es der Privatmann übergeben, natürlich an einen Arzt. So wollen Eichhorn und seine Mitstreiter einen Mediziner nach Wenholthausen locken – indem sie ihm die Möglichkeit bieten, dort zu günstigen Konditionen eine Praxis zu eröffnen.
Bei der Gestaltung der Praxisräume wollen die Wenholthausener dem neuen Arzt freie Hand lassen. „Da machen wir keine Vorgaben, das würde ja nur abschrecken“, sagt Eichhorn. 170 Quadratmeter stehen für die Praxis im Erdgeschoss zur Verfügung, die Wohnung im Dachgeschoss, sogar mit eigener Bibliothek, ist 150 Quadratmeter groß.
Um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen, haben Eichhorn und Co. extra eine Internetseite gestaltet. „Notruf – Dorf sucht Arzt“ sticht dem Besucher hier als Allererstes ein großes Logo ins Auge. Die Initiatoren beschreiben nicht nur, was es mit ihrer Aktion auf sich hat, sondern versuchen auch, ihr Dörfchen als Wohnort schmackhaft zu machen. Da ist von Restaurants für „gehobene Gourmet-Ansprüche“, einem lebhaften Vereinsleben und einer idyllischen Landschaft die Rede.
Die Medien zumindest haben der Aktion schon ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht nur die örtliche Presse und das lokale Radio berichteten über das Engagement der Wenholthausener, auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) widmete der Dorf-Initiative einen Fernsehbeitrag. „Das hilft uns natürlich weiter“, sagt Eichhorn.
Allerdings: Ein richtiger Erfolg lässt bislang noch auf sich warten. Erst vier Interessenten haben sich gemeldet. „Das lässt leider zu wünschen übrig. Es ist wirklich schwierig“, meint Eichhorn. Die Hoffnung aufgeben will er aber noch nicht. „Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass wir jemanden finden“. Am liebsten hätte er „einen Allgemeinmediziner, der auch gut mit Kindern umgehen kann.“ In einem Jahr soll das alte Ärzte-haus komplett renoviert sein. Bis dahin wollen die Initiatoren einen geeigneten Kandidaten gefunden haben. „Diesen Zeitrahmen haben wir uns selbst gesetzt“, sagt Eichhorn.
Solange wollen er und seine Mitstreiter sich noch ins Zeug legen und weiter eifrig um einen Mediziner werben. Zudem ist eine Bürgerbefragung geplant. Die Initiatoren wollen nämlich herausfinden, wer überhaupt bereit ist, sich vom neuen Arzt in Wenholthausen – sofern sich denn einer findet – behandeln zu lassen. Da die Praxis im Ort schon seit zwei Jahren leer steht, mussten sich die Dorfbewohner zwangsläufig einen anderen Hausarzt suchen.
Eichhorn jedoch hat keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde einen neuen Mediziner herzlich aufnehmen wird: „Die Dorfbewohner erwarten den neuen Arzt schon. Er wird sich hier bestimmt wohlfühlen.“
|
Möchten Sie den Artikel zum Verteilen herunterladen? Klicken Sie hier! |
© änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG.
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Eine Übernahme in andere Medien ist ohne
ausdrückliche schriftliche Genehmigung nicht gestattet.
|
Aus den Weblogs
|