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| Pannen und Erpressung - So gehen Kassen mit Patientendaten um |
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Die Daten ihrer Versicherten sollten den Krankenkassen heilig sein. Sollten – sind sie aber anscheinend nicht immer. Beispiel ist die jüngste Datenpanne bei der BKK Gesundheit. Deutschlands größte Betriebskrankenkasse gewährte Callcentermitarbeitern Zugriff auf intime Daten ihrer 1,5 Millionen Versicherten. „Ein so leichtfertiger Umgang mit Sozialdaten ist mir bisher noch nicht untergekommen“, entsetzte sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar.
Das ARD-Magazin „Kontraste“ hatte das Datenleck bei der BKK Gesundheit ans Licht gebracht. Die Krankenkasse beauftragte ein externes Unternehmen mit der Betreuung ihrer Telefonhotline.
Dieses aber heuerte wiederum einen anderen Dienstleister an, die Value5 HealthCare. Deren Mitarbeiter hatten damit Zugriff auf so intime Versichertendaten wie Krankheiten und Diagnosen, dies sogar teilweise von ihren privaten Rechnern aus – worauf sie die Daten sogar abspeichern konnten.
Das alles wäre vielleicht niemals aufgefallen, hätte sich nicht laut „Kontraste“ mehrmals ein unbekannter Mann bei der Betriebskrankenkasse gemeldet. Er wollte ihr nicht genauer bezeichnete Unterlagen verkaufen. Die BKK ließ sich aber nicht auf den Deal ein. Also drohte der mysteriöse Anrufer damit, die Unterlagen zu veröffentlichen.
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 Bildquelle: Manfred-Jahreis/pixelio.de Die Callcenter-Mitarbeiter konnten von ihren Rechnern aus auf Krankendaten zugreifen. | Ob es sich bei den Unterlagen um Daten der BKK-Versicherten handelte,
verriet der Unbekannte nicht. Es liegt aber nahe. Möglich ist auch,
dass der Erpresser sie schon veröffentlicht hat, zum Beispiel im
Internet. Zumindest sind die Unterlagen weiterhin verschollen. Die
Versicherten müssen also bangen, dass ihre Daten vielleicht in die Hände
von Unbefugten gelangen. Die BKK Gesundheit glaubt, dass es sich bei
dem Erpresser um einen ehemaligen Mitarbeiter handelt, der der Kasse
schaden wollte. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Die
Betriebskrankenkasse zeigte sich zerknirscht. Die Versicherten hätten
nichts davon gewusst, dass eine fremde Firma auf ihre Daten zugreifen
konnte, gab eine Sprecherin gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ zu. Sie
nicht zu informieren sei falsch gewesen. Ebenso falsch sei gewesen, den
beauftragten Unternehmen blind zu vertrauen. Man habe deren
Datenschutzstandards einfach nicht kontrolliert.
Das Datenleck
bei der BKK Gesundheit sei ein Einzelfall, meint der Spitzenverband der
Krankenkassen. Deren Sprecher Florian Lanz diktierte der Tageszeitung
„Die Welt“ in die Feder: „Die Daten der 70 Millionen Versicherten sind
bei den gesetzlichen Krankenkassen in guten Händen.“ Ein Blick zurück
weckt daran jedoch Zweifel. Denn auch andere Krankenkassen gehen mit den
Daten ihrer Versicherten nicht immer zu hundert Prozent verschwiegen
um.
Eine Aktion der AOK Hessen sorgte schon 2006 für
Schlagzeilen. Diese hatte Medienberichten zufolge persönliche Daten
ihrer Versicherten wie Namen und Adresse an die Internet-Versandapotheke
DocMorris weitergegeben. Die Apotheke sollte an Diabetes erkrankte
Versicherte anschreiben und ihnen Angebote für spezielle Medikamente
machen. Die AOK habe mit dieser Aktion Kosten für Arzneimittel einsparen
wollen, berichtete damals „Spiegel online“. Ein Mitarbeiter des
hessischen Datenschutzbeauftragten kritisierte im gleichen Blatt: „Die
Versicherten wussten nicht, dass ihre Namen weitergegeben wurden, und
die Daten waren nicht einmal verschlüsselt.“ Datenschützer legten nach
Angaben von „Spiegel online“ Beschwerde ein, die AOK musste ihre Aktion
stoppen und DocMorris musste versprechen, die weitergeleiteten
Versichertendaten zu vernichten. Außerdem habe die AOK versichert,
keiner weiteren Apotheke Daten zur Verfügung gestellt zu haben.
Auch
eine Datenpanne bei der AOK Niedersachsen verursachte kräftiges
Rauschen im Blätterwald. Die Kasse hatte einem Apotheker sensible
Patientendaten übermittelt, zusammen mit Kopien von Rezepten, bei denen
Klärungsbedarf bestand. Allerdings waren die Daten für eine andere
Apotheke bestimmt. Der Apotheker, der die Unterlagen letztendlich bekam,
meldete den Vorfall und erstattete Strafanzeige gegen die AOK
Niedersachsen, weil diese gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen hatte.
Die Kasse untersuchte den Vorfall daraufhin genau und stellte fest,
dass sie auch noch an eine andere Apotheke falsche Rezeptkopien
geschickt hatte. Patientendaten seien dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt
in unbefugte Hände geraten, beteuerte die AOK.
Für Aufsehen
sorgte im Mai vergangenen Jahres auch ein Vorfall bei der IKK Weser-Ems.
Sie soll nach Informationen der „Bild“-Zeitung sensible Daten ihrer
Versicherten an die Privatversicherung Signal Iduna verkauft haben. Die
Versicherung wusste somit über die Krankheitsbilder und gesundheitlichen
Schwächen der IKK-Versicherten Bescheid. Laut „Bild“ rief die Signal
Iduna die Versicherten daraufhin an und bot ihnen im Auftrag der IKK
Zusatzversicherungen an. Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar zeigte
sich damals alles andere als begeistert: „Ich fürchte, dass auch andere
gesetzliche Krankenkassen ähnlich mit Privatversicherungen
zusammenarbeiten“, sagte er gegenüber der „Bild“-Zeitung. Er erstattete
Anzeige wegen unbefugter Weitergabe von Sozialdaten.
Schlagzeilen
machte vergangenes Jahr auch die DAK wegen der Weitergabe von
Versichertendaten an eine Privatfirma. Wie das ARD-Magazin „Report
Mainz“ aufdeckte, hatte die zweitgrößte deutsche Ersatzkasse
vertrauliche Informationen von 200.000 Patienten an einen
Gesundheitsdienstleis-ter mit dem Namen Healthways übermittelt. Dieser
sollte damit Teilnehmer für ein DAK-Gesundheitsprogramm
zusammentrommeln. Auch in diesem Fall meldete sich der
Datenschutzbeauftragte Schaar zu Wort und kritisierte das Vorgehen der
DAK scharf. Aus seiner Sicht sei die Datenweitergabe „illegal“. Die DAK
hingegen wies alle Schuld von sich. Sie habe nichts Unrechtes getan,
verteidigte sie sich damals im Beitrag von „Report Mainz“. Denn die
Versicherten, so behauptete die Krankenkasse, hätten der Nutzung ihrer
Daten durch ihre Teilnahme am Gesundheitsprogramm schriftlich
zugestimmt. Die Firma Healthways hingegen gab dem TV-Magazin gegenüber
an, dass sie die Daten einfach so bekommen habe – ohne vorherige
Zustimmung der Versicherten. |
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